Ärztemangel: Lösung gefordert
Veröffentlicht: Freitag, 29.08.2025 12:55
Die Ärztekammer Westfalen-Lippe warnt vor einem wachsenden Ärztemangel und fordert 6000 neue Studienplätze für Medizin. Kritik an hohen Hürden für ausländische Ärzte weist sie zurück.

Die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) schlägt Alarm: Der Mangel an ärztlichen Fachkräften in Praxen und Krankenhäusern gefährde zunehmend die Patientenversorgung. Um diesem Problem entgegenzuwirken, fordert die Kammer 6000 zusätzliche Studienplätze für Humanmedizin. Diese Plätze waren nach der Wiedervereinigung gestrichen worden, wodurch die Zahl der Studienplätze von 15.000 auf knapp 10.000 sank.
„An Bewerberinnen und Bewerbern mangelt es nicht“, sagt ÄKWL-Präsident Dr. Hans-Albert Gehle - und weiter: „Potentielle Nachwuchskräfte stehen genug in den Startlöchern.“ Die Kammer fordert seit fast zwei Jahrzehnten mehr Studienplätze, doch die Lage sei heute ernster denn je. Der Ärztemangel habe nicht nur Auswirkungen auf die Patientenversorgung, sondern auch auf die ärztliche Weiterbildung, weil viele Arztsitze und Stellen unbesetzt blieben.
Kritik an Hürden für ausländische Ärzte zurückgewiesen
Gehle weist Vorwürfe zurück, die Ärztekammer erschwere ausländischen Ärztinnen und Ärzten den Zugang durch hohe Hürden bei Fachsprachen- und Kenntnisprüfungen. Die Prüfungen seien in der Regel innerhalb von sechs Wochen möglich, in Einzelfällen sogar innerhalb von drei Wochen. Statistiken zeigen, dass 95 Prozent der Ärztinnen und Ärzte mit einem in Drittstaaten erworbenen Examen die Prüfungen nach maximal drei Versuchen erfolgreich bestehen.
Keine Lösung durch Abwerbung aus dem Ausland
Die Kammer spricht sich zudem gegen die Abwerbung von Ärztinnen und Ärzten aus dem Ausland aus. Diese fehlten dann in ihren Herkunftsländern, was dort zu einem „brain drain“ führe. Einige Länder wehren sich schon gegen diese Praxis. Auch die Anerkennung ausländischer Abschlüsse, insbesondere aus Nicht-EU-Staaten, nehme Zeit in Anspruch, was die Besetzung offener Stellen weiter verzögere.