Zukunft der Gewerkschaften
Veröffentlicht: Donnerstag, 15.04.2021 08:12
In unserer Themenwoche sprechen wir über die sinkenden Mitgliederzahlen und die Probleme, die unser Gewerkschaftssystem in Deutschland hat. Es geht um die Vergangenheit und die Zukunft, um Vor- und Nachteile.

Das Gewerkschaftssystem in Deutschland
Die Anfänge der Gewerkschaften finden sich schon zu Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Bereits im Jahre 1848 hat sich der Nationale Buchdrucker Verein gegründet. Die Gewerkschaften setzten sich schon damals für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Gehalt ein. Zu den größten Erfolgen der Gewerkschaften zählen die 5-Tagewoche und Urlaubsreglungen. Zur Zeit des Nationalsozialismus ging es für die Gewerkschaften zwischenzeitlich bergab. Sie wurden verboten. Heute ist das Recht zu Streiken im Grundgesetz verankert.
Die sinkenden Mitgliederzahlen
Fast eine Million - so viele Mitglieder hat die Gewerkschaft ver.di in den letzten 20 Jahren deutschlandweit verloren. Ver.di ist die zweitgrößte Gewerkschaft in Deutschland. Der Trend ist kein Einzelfall. Auch die größte Einzelgewerkschaft in unserem System, die IG-Metall, hat in den letzten Jahrzehnten Tausende Mitglieder verloren. Aktuell steigen die Zahlen leicht. Auch insgesamt verliert der Deutsche Gewerkschaftsbund, zu dem ver.di und die IG-Metall gehören, Mitglieder. In den letzten 20 Jahren waren es 2 Millionen! Nur die Gewerkschaft der Polizei hat die in den letzten Zehn Jahren deutlichen Zuwachs bekommen.
Die Gewerkschaften selbst
Doch Gewerkschaften sind weiter wichtig. So sieht es zumindest Jutta Schulz von ver.di Münsterland. Sie haben in der Vergangenheit für die 5-Tage-Woche gekämpft und setzen sich für höhere Löhne ein. Auch heute noch spielen sie eine wichtige Rolle zum Beispiel in Tarifverhandlungen.
Warum verlieren die Gewerkschaften dann so viele Mitglieder:innen und Zuspruch gerade auch bei jungen Menschen? "Man hat sich auf dem Erfolg ausgeruht," heißt es in der Community. Eine Lösung für das Problem wäre gute Aufklärungsarbeit. Diese neuen Impulse zu setzen und die Gewerkschaften fit zu machen für die nächsten Jahrzehnte, liegt beim Nachwuchs. Pia Dilling von der Gewerkschaftlichen Hochschulgruppe Münster setzt sich für moderne Themen und die Probleme von Student:innen ein.
Meinungen von Hörer:innen und Usern
So vorbildlich wie in der Gewerkschaftlichen Hochschulgruppe läuft es nicht überall. Viele Azubis sind keine Gewerkschaftsmitglieder, zum Teil aus Geld-Gründen. Matthias aus Püsselbüren ist Betriebsrat bei DHL und versucht junge Menschen für die Gewerkschaftsarbeit zu motivieren.
Auch Hörer Ralf aus Münster ist Gewerkschaftsmitglied. Er arbeitet seit Jahren in einem Callcenter und verdient seiner Meinung nach viel zu wenig. Die Arbeigeber:innen interessiert das wenig. Hier kommen die Gewerkschaften ins Spiel.
Die Sicht der Arbeitgeber:innen
Wir halten also bis hierher fest, dass Gewerkschaften wichtig für die Interessensvertretung von Arbeitnehmer:innen sind. Allerdings haben sie ein Imageproblem, besonders bei jungen Menschen. Ein Grund dafür könnte sein, dass alte Strukturen sie ausbremsen. Ein Pluspunkt für die Arbeitgeberseite? "Nicht wirklich," sagt Thorsten Brockmeyer aus der Geschäftsleitung des Flughafens Münster/Osnabrück in Greven. Denn Gewerkschaften sind nicht nur laut und verursachen Streiks, sie sind auch nützlich für Arbeitgeber:innen.
In Tarifverhandlungen sitzen Gewerkschaften und Arbeitgeber-Vertretungen oft Seite an Seite. Es gibt Streitthemen, wie den Lohn. Hier versuchen die Gewerkschaften einen fairen Lohn für die Arbeitnehmer:innen zu erkämpfen. Die Arbeitgebervertretungen dagegen möchten einen wirtschaftlichen Profit für die Unternehmen erlangen. Doch, neben diesen Streitpunkten arbeiten die beiden Seiten auch zusammen.
Fazit
Gewerkschaften sind auch im 21. Jahrhundert wichtig, sagen Betriebsräte, Gewerkschaftler und ein Teil unserer Community. Sie setzen sich in Tarifverhandlungen für Lohn und Arbeitsbedingungen von Arbeitnehmer:innen ein. Durch Solidarität und gebündelte Forderungen schaffen die Gewerkschaften es Tarifverträge und Gehaltserhöhungen zu erzielen. Doch, es gibt einiges zu verändern und modernisieren. Es fehlt an Kommunikation und vielleicht in Teilen auch an Motivation die Gewerkschaften fit für die nächsten Jahrzehnte zu machen. Dabei ist es wichtig, dass der Arbeitnehmer und seine Wünsche wieder mehr in den Focus rücken.