Wirtschaft trotzt der Krise
Veröffentlicht: Dienstag, 02.02.2021 15:06
Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Nord-Westfalen zeichnet geteiltes Bild: Industrie und Bauwirtschaft sorgen für Stabilitat, Textil-, Bekleidungs-, Schuh- und Lederhandel in tiefer Krise. 80% der Gastro-Betriebe in Existenznot

Die Unternehmen in der Region zeigen sich auch im zweiten Lockdown widerstandsfähig - noch. Zu diesem Schluss kommt die Industrie- und Handelskammer Nord-Westfalen nach ihrer jüngsten Konjunktur-Umfrage zum Jahreswechsel. Die Wirtschaft sei in ihrer Substanz intakt und anpassungsfähig und unterm Strich bemerkenswert stabil. Die Industrie habe wieder zugelegt und die Bauwirtschaft sorge für Stabilität. Allerdings geht einigen Unternehmen allmählich das Geld aus. "Es bleibt grundsätzlich möglich, dass 2021 ein Jahr der Ernüchterung oder der Erholung werden wird," heißt es im aktuellen Konjunkturbericht der IHK. Das hänge davon ab, wie lange die Pandemie noch dauert.
Corona spaltet die Wirtschaft
Das Bild ist geteilt wie nie: Vor allem die Industrie hat sich nach dem massiven Einbruch im Frühjahr 2020 berappelt: Mehr als 50% der Unternehmen sehen eine befriedigende Geschäftslage - wenn auch noch weit entfernt vom Vorkrisen-Niveau. Und es hat Kraft gekostet, Kraft und Geld: 2/3 gaben an, aus eigener Kraft klar gekommen zu sein. Jeder Dritte hat es allerdings nur mit dem Ersparten geschafft. IHK-Geschäftsführer Fritz Jaeckel hält eine Erholung in diesem Jahr grundsätzlich für möglich - "WENN der Impfstoff greift und die Pandemie sich abschwächt," sagte er bei der Vorstellung des Koinjunktur-Berichts. Dann gehe es "mit Schrammen, jedoch positiv aus der Krise".
Handels-Sparten und Gastronomie in der Misere
Ganz anders das Bild im Handel: "Gigantische Zuwächse gibt es nur im Online-Handel," sagt Michael Radau vom Handelsverband NRW. Einen Boom habe es bis zum harten Lockdown auch bei Bau- und Heimwerkermärkten gegeben und auch dem Lebensmittelhandel gehe es gut. Geschäfte für Bekleidung, Schuhe und Lederwaren, vor allem in den Innenstädten, gehe es dagegen schlecht. Radau rechnet damit, dass mehr als jedes zweite Geschäft zur Mitte des Jahres in die Insolvenz rutscht, wenn nicht schnell Hilfe kommt. Von der staatlichen November- und Dezemberhilfe sei bis jetzt jedenfalls so gut wie nichts angekommen, außer ersten Abschlägen. "Die Händler leben von der Substanz," sagt Radau. Bei manchen sei weg, was sie sich über 15 Jahre aufgebaut hätten.
Gastro-Branche sieht schwarz
"Der Handel braucht längerfristige Szenarien," sagt Radau. Renate Dölling vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband im Münsterland macht sich nicht nur Sorgen um Hotels, Gaststätten, Kneipen und Restaurants sondern auch um die 35- bis 40.000 Gastro-Beschäftigten in der Region. "Viele wandern im Lockdown in die Industrie ab," sagt sie - Rückkehr ungewiss. Zur Geldnot kommt so auch noch ein verschärfter Fachkräftemangel - wenn es dann wieder los geht. Dass das schon am 15. möglich ist, glabut sie nicht. Die Betriebe hoffen, zu Ostern wieder zu öffen, doch was, wenn nicht? Jeder dritte hat noch keine Novemberhilfe, Anträge für Dezember sind erst jetzt möglich. Geteiltes Bild, einhellige Meinung: Entscheidend ist der weitere Verlauf der Corona-Pandemie, die Frage wie lange der Lockdown noch dauert und, ob die Impfung hilft, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. So oder so wird 2021 für Viele kein rosiges Jahr.