Wie Starlink den Krieg in der Ukraine beeinflusst

Starlink-Antenne
© Christoph Soeder/dpa-ENR-Pool/dpa

Krieg in der Ukraine

Moskau (dpa) - Nach einer Reihe von aufsehenerregenden Schlägen des russischen Militärs gegen den Nachschub der Ukrainer wurden Moskaus Streitkräfte nun vom Internetsystem Starlink abgeschaltet. Erste Reaktionen russischer Militärblogger zeigen, dass dies ein harter Schlag für die angreifenden Truppen ist. Doch warum ist das System so wichtig und was sind die Folgen der Blockade? Einige Fragen und Antworten:

Wie funktioniert Starlink?

Das Rückgrat des Systems bildet ein Netzwerk aus Tausenden Satelliten. Nutzer benötigen eine Empfangs- und Sendeeinheit mit integrierter Routerfunktion und einer flachen Satellitenantenne. Damit erhalten sie dann rund um den Globus unabhängig von herkömmlicher Telekommunikations-Infrastruktur Zugang zu schnellem Internet. Die Geschwindigkeit beträgt etwa 1 Gigabit pro Sekunde - und ist damit mit der 5G-Technologie vergleichbar. 

Welche Bedeutung hat Starlink im Ukraine-Krieg?

Starlink ist für beide Kriegsparteien ein wichtiges Instrument für die Kommunikation und Steuerung von Einheiten und Waffensystemen. Die Nutzung von gewöhnlichem mobilem Internet an der Front ist ineffektiv und gefährlich zugleich, weil einerseits oft überhaupt keine Verbindung besteht und andererseits solche Verbindungen schnell geortet werden können.

Die Ukraine setzt das Starlink-System bereits seit 2022 erfolgreich im Krieg für die Verteidigung gegen die russischen Angriffe ein. Grundlage waren etwa 1.000 von SpaceX zur Verfügung gestellte Starlink-Antennen. Inzwischen soll das ukrainische Militär mehr als 40.000 Terminals besitzen.

Wie ist Russland an die Technologie gekommen?

Offiziell ist die Nutzung von Starlink in Russland nicht erlaubt. Es gibt weder eine Zulassung für das System in Moskau, noch verkauft Elon Musk seine Technologien an Russland. Dennoch tauchten ab 2023 die ersten Starlink-Terminals auch bei den unter massiven Kommunikationsproblemen leidenden russischen Truppen auf. Diese wurden zumeist über Länder am Persischen Golf oder in Zentralasien nach Russland geschmuggelt. 

Warum wurde Starlink für die Russen ausgerechnet jetzt blockiert?

Speziell in den vergangenen Wochen hat das russische Militär dank der Starlink-Technologie erfolgreich eine Reihe von Drohnenangriffen gegen die Versorgung der ukrainischen Einheiten geführt. Getroffen wurden zahlreiche mobile Einheiten, die für den Nachschub der Verteidiger wichtig waren. Die Straße von Dnipro nach Pokrowsk im Gebiet Donezk wurde so zur Todesfalle.

Attackiert wurden unter Nutzung von Starlink aber auch wichtige Verteidigungspunkte an der Front selbst. Das System erlaubte dabei nicht nur die Steuerung der Drohnen, sondern lieferte auch in Echtzeit die Videoübertragung von Einschlägen. Das war ein wichtiges taktisches Mittel, um russischen Sturmtrupps anschließend Geländegewinne zu ermöglichen. Die Drohnen lieferten damit die Luftunterstützung, die die russische Luftwaffe aufgrund der bis heute nicht vollständig ausgeschalteten ukrainischen Flugabwehr den Bodentruppen nicht bieten kann.

Der massive und erfolgreiche Einsatz der Technik durch Russland ist offenbar der Grund, warum die Ukraine in dieser Phase Alarm geschlagen hat - und nun offenbar auch Gehör beim US-Raumfahrtunternehmen SpaceX von Elon Musk fand.

Wie funktioniert die Blockierung?

Zwei Methoden sollen dabei helfen, das russische Militär von der weiteren Starlink-Nutzung in der Ukraine abzuschneiden. Erstens gibt es eine Geschwindigkeitsbegrenzung: Bewegt sich ein Terminal zwei Minuten lang schneller als 90 km/h, geht das System in einen Neustart. Das soll den Einsatz von Drohnen verhindern. Die zweite Maßnahme gilt als noch wichtiger: Alle Terminals auf dem Gebiet der Ukraine müssen offiziell auf einer elektronischen Plattform angemeldet werden, damit sie funktionieren.

Das hat offenbar auch auf ukrainischer Seite zu einigen Problemen geführt, da die Mehrheit der Terminals nicht offiziell über die Streitkräfte erworben wurde, sondern über Freiwillige. Die Einheiten, die solche Geräte haben, müssen sie nun offiziell registrieren, damit sie wieder funktionieren. Zudem heißt es, es seien Sicherheitsmaßnahmen ergriffen worden, damit prorussische Ukrainer solche Geräte nicht auf ihren Namen für die russischen Streitkräfte registrieren.

Welche Folgen hat die Abschaltung russischer Starlink-Terminals für den weiteren Kriegsverlauf?

Das russische Militär ist von der Abschaltung deutlich stärker betroffen als die Ukrainer. Der Militärkorrespondent des russischen Staatsfernsehens, Alexander Sladkow, klagte, dass die Kommunikation innerhalb der Einheiten auf das Niveau von 2022 - also kurz nach Kriegsbeginn - zurückgeworfen worden sei. Damals herrschte vielerorts Chaos und die Truppen wurden oft «blind» geführt, das heißt ohne Kenntnis der Umstände vor Ort.

Auch wenn es keine moderne Alternative zu Starlink gibt, heißt das nicht, dass Russland nicht mehr weiter Krieg führen kann. Für den Drohnenkampf an der Front setzt Russland bereits jetzt auf Glasfasertechnik. Die Drohnen hängen an einer Spule mit bis zu 50 Kilometer Glasfaserkabel und können so unbehelligt von Funkstörungen ins Ziel gelenkt werden. Die Kommunikation zwischen den Einheiten ist zwar erschwert, die Verluste werden damit steigen. Dank des personellen Übergewichts hofft Moskau trotzdem, seinen langsamen aber stetigen Vormarsch fortsetzen zu können.

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Ukraine-Krieg - Front
Das Starlink-System wurde intensiv von beiden Seiten für die Navigation von Drohnen genutzt. (Handout)© Uncredited/Russian Defense Ministry Press Service/AP/dpa
Das Starlink-System wurde intensiv von beiden Seiten für die Navigation von Drohnen genutzt. (Handout)
© Uncredited/Russian Defense Ministry Press Service/AP/dpa

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