THINK GLOBAL - ACT LOCAL

Jeden Mittwoch sprechen wir an unserem Thementag "Think Global - Act Local" über globale Themen, die auch in unserer RADIO RST-Region wichtig sind. In dieser Woche: Urlaub zu Hause. Wir haben mit Tourismus-Anbietern und anderen Experten gesprochen.

© RADIO RST

Wir Deutschen sind ein Reisevolk. Die meisten zieht es ins Ausland – eigentlich. Um diese Zeit im Jahr weiß man normalerweise, wo es im Sommer hin geht - normalerweise. Jetzt also Urlaub in Deutschland, passend zum Hashtag „Stay home“? Für den Fall hat Reise-Expertin Anke Deitmar-Stehning aus Rheine einen wichtigen Tipp:

© RADIO RST

Beim Reisebüro Stehning ist momentan Kurzarbeit, wie in vielen anderen Reisebüros. Zwei Stunden täglich nur umplanen. Deutschland war immer ein Thema – jetzt noch mehr. „Wann wieder Fernreisen möglich sind, weiß niemand,“ sagt Anke Deitmar-Stehning.

© RADIO RST

Also kaum Normalität für alle Beteiligten: Die Reisebüros haben in diesen Tagen vor allem zwei Dinge zu tun: Umbuchen oder Stornieren. Viele Urlaubsziele sind durch Corona weggefallen. Für Urlauber heißt es jetzt schnell sein, damit es mit dem Urlaub in diesem Jahr überhaupt noch was wird.

© RADIO RST

Viele denken erstmal bis zum Sommer, solange Corona den Tourismus ausbremst und die ganzen Reisewarnungen noch gelten. Beim Reisebüro Stehning in Rheine geht das Denken schon weiter.

© RADIO RST

Hoffen wir mal, dass es jetzt keinen Rückfall gibt und damit wieder schärfere Corona-Auflagen. Und wer weiß, was im Ausland noch alles passiert. Die Corona-Auflagen lockern sich zusehends, wenn auch nicht überall und vor allem nicht überall gleich. Der Tourismus-Sektor hinkt hinterher. Immerhin: Essen gehen und ein Kneipenbesuch sind wieder möglich.

Beispiel Rheine

Bald sind hoffentlich auch dort Hotels und Ferienwohnungen wieder ein Thema. „Wir sind darauf eingestellt,“ sagt Birgit Rudolph vom Verkehrsverein Rheine.

© RADIO RST

Auch Städte wie Rheine hängen vom Tourismus ab. Fernreisen sind ein schwieriges Thema geworden durch Corona. Viele denken jetzt um. Bevor ich gar nicht weg komme, warum nicht mal checken, was hier so geht? „Das ist DIE Chance für den Deutschland-Tourismus,“ sagt Birgit Rudolph.

© RADIO RST

Natürlich geht es nicht nur darum, durch Rheine durch zu fahren oder von hier aus los zu wandern oder zu radeln. Rheine hat auch einiges zu bieten, um mal ein paar Tage hier zu bleiben.

© RADIO RST

Sobald es geht, läuft in Rheine der Kulturbetrieb wieder an und wenn dann Hotels und Ferienwohnungen wieder offen haben, geht es rund in Rheine. Anfragen von Touristen hat Birgit Rudolph schon genug und da steht Rheine für die vielen anderen Städte im Münsterland und Tecklenburger Land.

Chancen für den Tourismus in der Region

Die Straßen und Innenstädte sind wieder voller. Jetzt, wo Geschäfte, Kneipen und Restaurants wieder aufmachen, gehen viele mal eben checken, ob der alte Laden noch da ist und wie es da aussieht. Noch letzte Woche waren die Leute hauptsächlich da, wo man zum Spazierengehen hinfährt, zum Beispiel im Teuto. „Den Tourismus in der Region hat das gestärkt,“ sagt Alexia Finkeldei vom Tecklenburger Land-Tourismus.

© RADIO RST

Und der Eine oder Andere hat auch mal gesehen, dass man gar nicht so weit zu fahren braucht, um es schön zu haben. Jetzt heißt es: Achtung! Die Kurzurlauber kommen! Die Tourismus-Anbieter in der RADIO RST-Region stellen sich dieses Jahr auf deutlich mehr Gäste ein als sonst. Auslands-Urlaub IST ja nicht - wegen Corona. Also: Urlaub zu Hause. Alexia Finkeldei geht davon aus: Das ist auch was für die Vielen Ausflügler, die in den Letzten Wochen vor der Haustür unterwegs waren. Sie baut auf das, wofür der Teuto wie gemacht ist: für’s Wandern. Denn das erlebt gerade auch ohne Corona eine echte Renaissance.

© RADIO RST

„Mit dem Stabe in der Hand kommst du durch das ganze Land“ – durch’s Tecklenburger Land, wohlgemerkt. Damit das für Alle was ist, gibt es auf einigen Routen nicht nur Natur pur sondern auch Abenteuer – mit Geo Cashing.

© RADIO RST

Das ist übrigens auch überregional noch eine Besonderheit. Generell ist die Hoffnung, dass das Tecklenburger Land und auch das Münsterland dieses Jahr deutlich mehr Touristen anziehen als sonst. Davon gehen die Anbieter aus, weil Vielen der Auslands-Urlaub wegen Corona geplatzt ist oder sie sich nicht trauen. „Das hilft hoffentlich, ein paar Löcher zu stopfen, die zwei Monate Kontaktsperre gerissen haben,“ sagt Alexia Finkeldei. Auch für Urlauber von weiter her hat die Region einiges zu bieten.

Ein Traum für Outdoor-Aktive

Unsere Region ist ein Traum zum Radfahren, Wandern, Reiten oder auch für Kultur-Interessierte. Das wissen bald deutlich mehr Menschen als bisher, hoffen die Tourismus-Anbieter. Sie erwarten deutlich mehr Tages-Touristen, Kurz-Urlauber oder auch junge Familien, die dieses Jahr die Sommerferien in Deutschland planen. Mit dem, was allein das Tecklenburger Land zu bieten hat, rechnen die wenigsten, sagt Alexia Finkeldei.

© RADIO RST

… und bei schönem Wetter eine Wahnsinns-Aussicht, entweder in die Münsterländer Parklandschaft oder die Norddeutsche Tiefebene – auch das ist besonders am Tecklenburger Land: man guckt nach Norden UND Süden. Alexia Finkeldei kennt noch weitere Superlative. Hier nur ein paar davon:

© RADIO RST

Außerdem gibt es eine regelrechte Museumslandschaft, vom Heimathaus über das Kunsthaus Kloster Gravenhorst und das Otto Modersohn-Museum bis zum größten Großsteingrab in NRW. Also: Mögen die Touristen kommen!

Mögen die Touristen kommen!

Das sagt auch Michael Kösters vom Münsterland e.V. und denkt dabei an die münsterland-typische Parklandschaft mit ihrem 5.000 Kilometer umfassenden einheitlich ausgeschilderten Radwegenetz und 1.500 Kilometern Reitrouten oder die 100-Schlösser-Route mit ihren Schlössern und Burgen, um nur einiges zu nennen. Dafür ist das Münsterland bundesweit und vor allem in den Niederlanden bekannt. Überall stellen die Anbieter sich auf viele Touristen ein, die noch nie hier waren. Zusätzlich zu den Stammgästen rechnen Viele mit Urlaubern auf Entdeckungstour durch Deutschland, bei denen coronabedingt der Auslands-Urlaub flachfällt. Kösters sieht sehr gute Chancen. Viele Leute zieht es raus aus den eigenen vier Wänden, vor allem in der Hauptreisezeit, den Sommerferien.

© RADIO RST

Am Münsterland e.V. soll es jedenfalls nicht liegen – da sind schon alle möglichen passgenauen Infos über die Region in Arbeit, von der Radwanderkarte bis zum Rundum-Sorglos-Paket. Und dann kommen ja noch die Einheimischen. Die kennen sich in der Regel einigermaßen hier aus.

© RADIO RST

Nicht zuletzt für Einheimische interessant: Essen gehen oder mal ein Bierchen in der Kneipe geht seit Montag wieder. „Endlich!“ werden Viele sagen – und die Gastronomie sagt das auch. „Zwei Monate Stillstand haben Viele an den Abgrund gebracht,“ sagt Olaf Kerssen vom Kreisverband des Deutschen Hotel und Gaststättenverbandes. Hoffentlich kommen die Leute dann auch…

© RADIO RST

Vor allem die Hotellerie hofft auch darauf, dass Viele in diesem Jahr Urlaub in Deutschland machen. Das gesellschaftliche Leben hier bei uns kommt allmählich wieder in Gang, jetzt, wo die Landesregierung die Corona-Auflagen schrittweise lockert. „Für einige kommt das gerade noch rechtzeitig,“ sagt Kerssen.

© RADIO RST

Hoteliers und Gastgeber mit Ferienwohnungen hoffen vor allem auf Kurzurlauber, jetzt, wo so viele Menschen wie nie über einen Urlaub in Deutschland nachdenken.

© RADIO RST

Flexibel sein, heißt es besonders in diesem Jahr auch für Melanie Maurer und ihr gleichnamiges Business-Hotel in Ladbergen. Für sie geht es neben Urlaubern vor allem darum, auf die Geschäftspartner der Firmen in der Region vorbereitet zu sein. Das bedeutet viele zusätzliche Stunden am Computer, denn sie hat ihr komplettes Netzwerk hochgefahren, um am Ball zu bleiben.

© RADIO RST

Gelockerte Corona-Auflagen – das heißt nicht unbedingt, dass was wegfällt. Oft bedeutet es auch was Neues, zusätzliches – und sei es nur mehr Abstand zwischen den Tischen im Hotel-Restaurant oder Hygiene-Regeln, die es vor Corona so nicht gab.

© RADIO RST

Und dann sind im Drei-Sterne-Hotel Maurer neben Geschäftskunden auch wieder Fahrradgruppen willkommen, die von Ladbergen aus das Münsterland und das Tecklenburger Land erkunden, egal, ob für eine Nacht oder länger. Man darf also gespannt sein. Und als Urlaubsregion brauchen das Münsterland und das Tecklenburger Land sich ja nicht zu verstecken.

Beispiel Emsdetten

Das sagt auch Emsdettens Bürgermeister Georg Moenikes. "Seine" Stadt hat sich ja gerade bei unserer RADIO RST City-Story gegen Lengerich durchgesetzt - auch eine Art Contest zwischen Münsterland und Tecklenburger Land. Dafür, dass Emsdetten vorne lag, hat Moenikes auch eine Erklärung:

© RADIO RST

Mit dem Fahrrad von Emsdetten nach Lengerich, unserem „Zweit-Platzierten“, sind es übrigens keine 30 Kilometer. Und da lockt unter anderem der Canyon, für Alle, die sich mal wie im Karl May-Film fühlen möchten. Und da schließt sich der Kreis: Egal ob Münsterland oder Tecklenburger Land: Vielen ist erst jetzt klar geworden, in was für einer 1 A-Urlaubsregion wir hier leben.

Weitere Meldungen