Themenwoche Atomkraft

Nach 60 Jahren Atomstrom in Deutschland, wird nächstes Jahr der letzte Meiler in Lingen abgeschaltet. Die Atomfabriken in Lingen und Gronau bleiben noch und für ein atomares Endlager wird auch im Kreis Steinfurt nach einem Standort gesucht.

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So entsteht Atomstrom

Ein Atomkraftwerk produziert Strom aus Wärme. Im Prinzip funktioniert es wie Kohle- oder Gaskraftwerke, nur die Befeuerung ist völlig anderes. Es werden Atomkerne gespalten. Dabei entsteht eine große Menge Energie. Mit der wird, wie bei einem Dampfkochtopf, unter hohem Druck Wasser aufgeheizt. Der heiße Dampf treibt eine Turbine an, die an einem Generator hängt. Und der erzeugt den Strom.

Viele Länder setzen auf Kernenergie

Weltweit laufen mehr als 440 Kernreaktoren. Den meisten Atomstrom produzieren Frankreich, die USA und Japan. Deutschland lag bisher auf Platz acht. China holt kräftig auf, da werden 20 neue Kernkraftwerke geplant. Die Vorteile von Atomstrom: Die Technologie ist verfügbar, wird nicht erst entwickelt. Mit Kernkraftwerken lassen sich große Mengen an Strom erzeugen. Und sie verursachen wenig CO2-Emissionen, sind also relativ klimafreundlich. Die Nachteile: Es besteht das Risiko von Unfällen mit schlimmen Auswirkungen auf Menschen, Tiere und die Umwelt. Nach wie vor ist offen, wo der Atommüll endgelagert wird. Außerdem sind die Uran-Vorräte endlich.

Rückbau von Atomkraftwerken

Wenn das Kraftwerk heruntergefahren ist, sind die Brennstäbe im Reaktor noch heiß. Sie werden dann mehrere Jahre in einem Abklingbecken gekühlt. Nur so wird verhindert, dass die Brennstäbe schmelzen und Radioaktivität freigesetzt wird. Gleichzeitig beginnt der Rückbau. Der dauert mehr als zehn Jahre. Zuerst werden die nicht radioaktiv belasteten Anlagen abgebaut. Danach kommen die schwach und stärker radioaktiv belasteten Teile, die zum Beispiel mit Wasserhochdruck oder Sand abgestrahlt und gereinigt werden. Zum Schluss geht es an den stark strahlenden Reaktordruckbehälter. Was nicht radioaktiv belastet ist wird recycelt, alles andere kommt in Zwischenlager, wie dem in Ahaus.

Atomanlagen in der Region

Das AKW Emsland in Lingen ist nicht die einzige Atomanlage in der Region. Das ist 1988 für das stillgelegte Kernkraftwerk Lingen in Betrieb gegangen. 2002 ist auf dem Gelände das Zwischenlager eröffnet worden, um die verbrauchten Brennelemente unterzubringen. Seit 1979 gibt es in Lingen auch eine Fabrik, die Brennelemente für Kernkraftwerke herstellt. In Ahaus besteht seit 1984 das Brennelemente-Zwischenlager. Da werden radioaktiv strahlende Abfälle und ausgediente Brennelemente aufbewahrt. In Gronau läuft seit 1985 die Uran-Anreicherungsanlage. Da entsteht Uranhexafluorid für die Brennelemente von Atomkraftwerken.

Atomausstieg schwierig

Als letzter Meiler in Deutschand wird das AKW Emsland in Lingen nächstes Jahr abgeschaltet. Etwa 11 Prozent des Stroms kommt noch aus Kernkraftwerken. Kurzfristig ist das überbrückbar, sagt Professor Konrad Mertens von der FH in Steinfurt; langfristig wird es schwieriger.

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Die Lösung: Massiv erneuerbare Energien ausbauen, wie Solar-, Photovoltaik-, und Windkraftanlagen. Nur jedes zehnte Ein- oder Zweifamilienhaus hat zum Beispiel eine Solaranlage auf dem Dach.

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Atomanlagen Gronau und Lingen

Vor einem viertel Jahr hat Bundesumweltministerin Schulze aus Münster gesagt, dass zum Atomausstieg auch das Ende für die Atomfabriken in Gronau und Lingen gehört. Passiert ist bisher nichts. Matthias Eickhoff von der Anti-Atom-Gruppe SOFA in Münster ist dafür, die Anlage schnell zu schließen.

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Seit Jahren kämpft Eickhof zusammen mit anderen gegen die Atomanlage in Gronau. Die liefert Uranbrennstoff an Kernkraftwerke in der ganzen Welt.

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Der britischer Betreiber Unrenco wehrt sich dagegen, dass die Anlage geschlossen wird und argumentiert mit rechtlichen Bedenken. Das würde gegen Grundrechte wie die Eigentums- und Berufswahlfreiheit verstoßen. Außerdem habe Deutschland eine vertragliche Verpflichtung. Vor 50 Jahren ist zwischen Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien der Vertrag von Almelo geschlossen worden, um die Urananreicherung zu fördern. Und Urenco weist noch auf die Zusammenarbeit mit Frankreich und den USA hin. Die Hälfte des Gronauer Urans geht in die USA. Vor zwei Jahren hat der Bundestag einen Gesetzentwurf der Linken abgelehnt, das Werk dicht zu machen. Das gleiche ist erst im März im Wirtschaftsausschuss des NRW-Landtags mit einem Antrag der Grünen passiert.

Endlager für Atommüll im Kreis Steinfurt

Auch Gebiete im Kreis Steinfurt werden für das deutsche Endlager untersucht. Bei uns gibt es geeignete Erdschichten aus Steinsalz und Tongestein. Matthias Eickhoff findet das Verfahren nicht transparent genug für die Bürger.

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Im Juni ist die nächste Besprechung mit der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), die bis 2031 nach einem Standort sucht. Der Kreis Steinfurt sagt noch nichts zu einem möglichen Atom-Endlager in der Region. Dafür sei es jetzt noch zu früh.

Gefahren durch Atomkraft

Die Atomkraft ist von den Menschen nicht vollkommen beherrschbar. Das haben die schweren Katastrophen und kritische Störfälle gezeigt. Professor Reinhart Job von der FH in Steinfurt sagt, dass wir bisher in unserer Region bei den Reaktorkatastrophen in Tschernobyl und Fukushima viel Glück hatten.

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Dazu kommt noch das, was wir den nächsten Generationen an radioaktiv strahlendem Müll hinterlassen.

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Dabei ist völlig unklar, welche Überraschungen die Menschen in mehreren hundert, tausend oder eben zehntausend Jahren mit unserem Atommüll erleben.

Notfallpläne für die Region

Kommt es im Kernkraftwerk Lingen, der Atomfabrik in Gronau oder dem Atommüll-Zwischenlager in Ahaus zu einer Katastrophe mit hoher radioaktiver Strahlung, greifen die Notfallpläne. Zuerst werden die Menschen zum Beispiel über die Warn-App Nina und RADIO RST aufgefordert nicht rauszugehen. Dann gibt es Jodtabletten, sagt Helmut Heuing vom Ordnungsamt für den Kreis Steinfurt.

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Letztes Mittel ist die Evakuierung von betroffenen Gebieten. Doch viele Menschen verlassen sicher schon vorher ihren Wohnort, was dann wohl für Chaos auf den Straßen sorgt.

Atomstrom rettet nicht das Klima

Viele Länder rund um den Globus haben Klimaziele. Deutschland versucht die ohne Atomkraftwerke zu erreichen. Andere Staaten setzen dagegen im Kampf gegen die Klimaerwärmung auch auf Atomstrom. In 30 Saaten laufen Kernreaktoren. Doch die produzieren den Strom nicht so CO2-neutral, wie oft gedacht. Im Gegensatz zu Kohle- und Erdgaskraftwerken, ist es schwierig konkrete Zahlen auszumachen. Das Umwelt Bundesamt sagt:

Die Treibhausgase beim Atomstrom entstehen größtenteils vor und nach dem eigentlichen Prozess.

Das geht beim Uranabbau los, dann kommt die Herstellung der Brennelemente und die Kraftwerke werden auch erst gebaut und irgendwann wieder zurückgebaut. Außerdem ist noch gar nicht klar, wie viel durch die Endlagerung der Atomabfälle dazukommt. Ein Gutachten für den Bundestag hat gezeigt, dass sich die Emissionen von Atomstrom nicht so einfach zusammenrechnen lassen.

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