Hotel- und Gastronomiebetriebe im Kreis Steinfurt ziehen erste Corona-Bilanz

In der Hotel- und Gastrobranche ist seit Corona nichts wie vorher. Der DEHOGA-Vorsitzende im Kreis Steinfurt Olaf Kerssen aus Tecklenburg gibt dem Sommer 2020 die Schulnote vier minus.

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Im Kreis Steinfurt erholen sich die 115 Hotels und knapp 1.200 Gaststätten nur langsam vom Corona-Shutdown. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband erwartet eine Rückkehr zum Normalzustand bis 2023. Einige Betriebe werden den Winter nicht überleben. Für die Sommersaison vergibt der Steinfurter DEHOGA-Kreisvorsitzende Olaf Kerssen aus Tecklenburg die Schulnote vier minus. „Wer eine Außenterrasse hat und die möglichst unter Dach, hatte zuletzt gut zu tun. Alle anderen krebsen rum,“ sagt Kerssen im RADIO RST-Gespräch und denkt dabei vor allem an Hotels mit Saalbetrieb.

Im Winter wird es nochmal sehr schwer. „Wenn man nicht mehr draußen sitzen kann, haben nur Betriebe mit Lüftungsanlagen und guten Konzepten weiter Gäste, sagt Kerssen. Der DEHOGA-Kreisvorsitzende geht außerdem davon aus, dass das Thema Essen gehen sich mehr und mehr vom Wochenende auf unter der Woche verlagert. Sonst werde es schwierig, einen Tisch zu bekommen. Für Gastwirte bedeutet das unter anderem, dass sie mehr Personal brauchen, auch in der Küche.

Betriebe Schließen

Wegen Corona schließen im Kreis Steinfurt auch namhafte Betriebe beziehungsweise ziehen die Geschäftsaufgabe mangels Nachfolger zeitlich vor. Olaf Kerssen nennt als Beispiele den Splenterkotten in Rheine-Elte oder das Gasthaus Lorenbeck in Rheine. Das Hotel Hubertushof in Ibbenbüren hat sein Restaurant aufgegeben. „Hotels mit Saal-Betrieb haben Riesenprobleme,“ sagt Kerssen. Die, die hauptsächlich touristisch aufgestellt sind, seien durchwachsen durch den Sommer gekommen. Hotels, die vor allem auf Geschäftsreisende setzen, sind 50 bis 60% des Umsatzes weggebrochen.

Jetzt droht der Hotel- und Gastrobranche auch im Kreis Steinfurt ein corona-bedingter Strukturwandel. Davon geht Olaf Kerssen aus. Jetzt zeige sich auf einen Schlag, wer schon vor der Pandemie wackelig aufgestellt war und das werde man nächstes Jahr in einer Art Flächenbereinigung sehen. „Am Ende sind die Landhotels die Gewinner,“ sagt Kerssen mit Blick auf Stadt-Hotels und größere Ketten. Landhotels hätten größere Zimmer und auch insgesamt mehr Platz pro Gast. In Zeiten, wo alle auf mehr Abstand achten, zahle sich das aus.

Business Hotels denken um

Auch im Kreis Steinfurt sind den Business-Hotels im Corona-Shutdown 50 bis 60% Einnahmen durch fehlende Geschäftsreisende weggebrochen. Olaf Kerssen geht nicht davon aus, dass das alles zurückkommt. „Wenn’s gut läuft, landen wir bei minus 30%,“ sagt Kerssen. Dass jetzt viel mehr über digitale Konferenzen läuft, lasse sich nicht zurückdrehen.

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