Antibiotika bei Kindern
Veröffentlicht: Donnerstag, 15.01.2026 08:50
Antibiotika bei Kindern: Wann sind sie wirklich notwendig? Kinderarzt Dr. Knippenberg aus Lengerich erklärt, warum ein sparsamer Einsatz wichtig ist und wann Antibiotika Leben retten können.

Erkältung, Bronchitis, Corona – gerade im Winter stecken sich kleine Kinder besonders schnell an. Doch wann ist ein Antibiotikum wirklich notwendig? Diese Frage beschäftigt viele Eltern in der Region. Neue Daten der Krankenkasse KKH zeigen, dass Kinder und Jugendliche in Deutschland in den letzten Jahren wieder mehr Antibiotika verschrieben bekommen haben – ein Anstieg von zwölf Prozent zwischen 2019 und 2024.
In Westfalen-Lippe ist das anders. Hier gibt es keinen Anstieg bei Antibiotika-Rezepten für Kinder. Das sagte ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe auf RADIO RST-Anfrage.
Warum ein sparsamer Einsatz wichtig ist
Kinderarzt Dr. Jost Knippenberg aus Lengerich warnt vor den Folgen eines zu häufigen Einsatzes von Antibiotika. „Wenn Antibiotika zu oft eingenommen werden, wirken sie irgendwann nicht mehr, weil die Bakterien sich verändern und resistent werden“, erklärt er. Zudem sind die meisten Atemwegsinfekte durch Viren verursacht, gegen die Antibiotika wirkungslos sind. Selbst bei bakteriellen Infektionen lohnt es sich oft, zunächst abzuwarten, da der Körper viele Erkrankungen selbst bekämpfen kann. Nur wenn es einem Kind wirklich schlecht geht, ist ein Antibiotikum sinnvoll.
Wann Antibiotika Leben retten können
Bei schweren Erkrankungen wie einer heftigen Lungenentzündung können Antibiotika jedoch lebensrettend sein. Um ihre Wirksamkeit zu erhalten, setzen Ärztinnen und Ärzte heute insgesamt deutlich weniger Antibiotika ein als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Das wissenschaftliche Institut der AOK führt den Anstieg der Verordnungen im Jahr 2023 auf die vermehrten Atemwegserkrankungen nach der Pandemie zurück.


