
Im neuen Lockdown fordert die Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen schnelle und unbürokratische Hilfe für ihre Mitglieds-Unternehmen. Die IHK stehe zu den Maßnahmen, sagte Hauptgeschäftsführer Fritz Jaeckel in einer Schalt-Konferenz mit Presse-Vertretern. Allerdings nicht ohne die Bitte ans Finanzministerium, Verluste der Wirtschaft schnell auszugleichen und über einen Schuldenschnitt nachtzudenken. Es lasse hoffen, dass es sich diesmal um befristete Maßnahmen handele.
IHK fährt Corona-Service für Mitglieder wieder hoch
Um ihren Mitgliedsunternhemen über die nächsten vier Wochen zu helfen, fährt die IHK ihren Corona-Support wieder hoch: Die Finanzierungshotline 0251 707-111 ist ab heute (Frei., 30.10.) wieder fünf Tage die Woche erreichbar, täglich von 8 bis 17 Uhr, freitags von 8 bis 15:30 Uhr. Nach IHK-Angaben war sie schon im Frühjahr "zentrale Anlaufstelle für insgesamt mehr als 25.000 Unternehmen". Dazu kommt eine Telefonhotline für Ausbildungsbetriebe, denen jetzt die Praxis für die jungen Leute wegbricht.
Viele Unternehmen am Limit
„Natürlich rücken auch jetzt wieder Fragen zur Entschädigung in den Mittelpunkt, denn viele Unternehmen sind klar am Limit“, sagt Jaeckel. Insgesamt komme es jetzt darauf an, schnell und unbürokratisch zu helfen. Nach einer aktuellen IHK-Umfrage ist bei gut einem Viertel der Unternehmen das Eigenkapital „gefährlich abgeschmolzen“, jedes achte Unternehmen meldete Liquiditätsengpässe.
Persönlich gefreut habe sich Jaeckel, dass der Kreis der Anspruchsberechtigten bei KfW-Krediten auf Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten ausgeweitet worden ist. Da geht es um rund 90.000 Betriebe im Bezirk der IHK Nord Westfalen.
Beim zweiten Durchgang sind alle schlauer als im Frühjahr. Darum geht Jaeckel auch davon aus, dass die anstehenden Prüfungen zum Industriemeister und Industrie-Techniker diesmal möglich sind. Auch im März hatte er alles versucht, damit die Prüflinge nicht umsonst gelernt haben - und trotzdem kam es anders.
IHK erwartet 25 bis 30% Geschäftsaufgaben in der Gastronomie
Zum Teil sind Prüfungen sogar mit dem Platzangebot der Halle Münsterland geplant. Ganz anders ist die Situation im Handel und der Gastronomie, denn da gibt es Planungssicherheit so gut wie gar nicht mehr. Jeder weiß noch, wie die Auflagen im Frühjahr sich ausgewirkt haben, sagt IHK-Vizepräsident Michael Radau. Er ist auch Vorsitzender im IHK-Handelsausschuss.
"Es sieht dramatischer aus als Manche denken," sagt Radau und meint damit vor allem die Gastronomie. Trotz der angekündigten Hilfs-Maßnahmen erwartet er, dass 25 bis 30% auf der Strecke bleiben. Der Handel hatte sich zuletzt etwas erholt, was auch daran liege, dass die Hygienekonzepte funktionieren. Allerdings sei es in den letzten anderthalb Wochen wieder bergab gegangen – auch mit der Kauflust der Leute. Eine Passantenfrequenz-Zählung im September hat außerdem gezeigt: Es waren weniger Kunden am Samstag unterwegs und der Trend geht weg vom großen Einkaufszentrum hin zum Handel vor Ort. Alles im Umbruch. Da gibt es schon klare Wünsche für die nächste Zeit.



