
In letzter Zeit häufen sich die Schlagzeilen, dass sich immer mehr Menschen einsam fühlen. Eine NRW-Studie zeigt, dass sich jedes zehnte Kind in der Grundschule oft einsam fühlt. Junge Menschen fühlen sich laut der Jugendtrendstudie so einsam wie noch nie, und die WHO berichtet, dass jeder sechste Mensch einsam ist.
Marie aus Rheine kennt das Gefühl: „Das ist halt eher so, als würde ich alleine existieren und niemand versteht mich. Das ist natürlich nicht der Fall, aber in dem Moment fühlt sich das so an, und das ist kein schönes Gefühl.“
Gegen dieses Gefühl tut RADIO RST etwas – mit der Woche der neuen Gemeinschaft. Wir präsentieren Lösungen gegen Einsamkeit und für Zusammenhalt zwischen Münster und Osnabrück.
Allein und trotzdem nicht einsam
Allein sein ist nicht automatisch gleichbedeutend mit Einsamkeit. Psychologen unterscheiden klar zwischen dem objektiven Zustand des Alleinseins und dem subjektiven Gefühl der Einsamkeit. Entscheidend ist, ob die eigenen sozialen Beziehungen den persönlichen Bedürfnissen entsprechen. Ein Abend allein auf dem Sofa kann für die einen pure Entspannung und bewusste „Me-Time“ sein, für andere hingegen ein Moment, in dem sich das Gefühl von Ausgeschlossensein verstärkt. Es kommt also weniger darauf an, ob jemand neben einem sitzt – sondern darauf, wie sich die Situation anfühlt.
Dass Alleinsein auch positiv erlebt werden kann, zeigt Michelle aus Rheine. Sie sagt: „Ich fühle mich eigentlich nie einsam, weil ich daran arbeite, mich jeden Tag selbst zu lieben.“ Für sie gehören Sport oder Spaziergänge allein ganz bewusst dazu, um sich wohlzufühlen. Gleichzeitig betonen Fachleute: Wenn Alleinsein dauerhaft belastet, sollte man aktiv werden – etwa durch neue Kontakte oder Gemeinschaften, auch über Apps wie „Bumble for Friends“ oder „MeetUp“, die Menschen mit ähnlichen Interessen zusammenbringen.
gute Nachbarschaft schützt vor Einsamkeit
Eine gut funktionierende Nachbarschaft kann ein wichtiger Schutz vor Einsamkeit sein. Darauf weist Sozialpolitik-Professor Sebastian Kurtenbach von der FH Münster hin: Jeder Mensch hat Nachbarn, und schon kleine Gesten im Alltag können viel bewirken. Ein kurzer Plausch am Gartenzaun, ein freundliches Grüßen im Treppenhaus – diese scheinbaren Kleinigkeiten stärken das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Sie können Türen öffnen, etwa für gemeinsame Aktivitäten, und helfen dabei, soziale Isolation zu verhindern.
Wie eng Nachbarschaft gelebt wird, ist dabei unterschiedlich: Für manche – wie Svenja aus Rheine – bleibt es bei einem höflichen, respektvollen Umgang ohne engere Kontakte, weil der Freundeskreis bereits gefüllt ist. Andere, wie Susanne, setzen bewusst auf Austausch mit den Nachbarn, trinken gemeinsam Kaffee oder halten einen kurzen Schnack auf der Straße. Klar ist aber: Schon ein kurzes Gespräch oder ein einfaches „Hallo“ kann ein Anfang sein. Wer aufeinander zugeht und sich im Alltag wahrnimmt, schafft Verbindung – und genau das kann helfen, Einsamkeit zu durchbrechen.
Sorgentelefon hört zu
Wer sich einsam fühlt, findet beim Sorgentelefon Kreis Steinfurt jemanden, der zuhört. Bianca Radoch gehört zu dem ehrenamtlichen Team und erzählt, dass fast alle Anrufe mit dem Thema Einsamkeit zu tun haben.
Wer sich einsam fühlt, sucht oft nach Gehör und nicht unbedingt nach einer schnellen Lösung für die aktuelle Situation. Das Team des Sorgentelefons legt großen Wert darauf, den Anrufern mit echter Wertschätzung zu begegnen und euch den nötigen Raum zu geben. In den Gesprächen verzichten die Ehrenamtlichen bewusst darauf, ungefragte Ratschläge zu erteilen oder die Situation zu bewerten. Bianca erklärt dazu, dass ein Ratschlag oft wie ein Schlag wirken kann, selbst wenn er eigentlich gut gemeint war.
Das Sorgentelefon Kreis Steinfurt ist Montag bis Mittwoch von 9 bis 12 Uhr und Freitag und Sonntag von 19 bis 22 Uhr erreichbar. Wer einfach jemanden zum Zuhören braucht, ruft die 05451-3040 an.