Windkraft-Gipfel

Krisen-Teffen mit Bundeswirtschaftsminister Altmeier beschäftigt auch Windenergie-Branche in der RADIO RST-Region.

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Der Ausbau der Windenergie-Nutzung im Kreis Steinfurt stagniert - genau wie bundesweit. Dass Bundeswirtschaftminister Altmeier zum Krisen-Gipfel aufruft, überrascht die Branche in der RADIO RST-Region überhaupt nicht - im Gegenteil: für Viele ist das überfällig. Selbst der Windenergie-Hotspot Rheine ist gebeutelt von der Entwicklung der letzten Zeit.

Nur zwei neue Anlagen seit letztem Jahr genehmigt

Bis heute sind kreisweit an die 540 Megawatt Leistung installiert, mit Stand 31.07. gibt es knapp 290 Windkraft-Anlagen. Ganze zwei kommen absehbar neu dazu, sieben sind aktuell im Genehmigungsverfahren. Und da sind wir beim Thema: Vom Antrag bis zu fertigen Anlage vergehen schon mal fünf Jahre. Auflagen bremsen die Branche im Land aus, während die internationale Konkurrenz stärker wird. Dabei ist die Akzeptanz in der Gesellschaft hoch, heißt es bei der Wirtschaftsförderung in Rheine. Ganze 1,8% seien gegen Windräder. 1,8%, die allerdings so laut seien, dass die Branche mit ihrer kleinen Lobby sich mit immer neuen Auflagen konfrontiert sehe. Kreisweit gibt es derzeit drei Klagen von Anliegern und eine, weil der Kreis eine Anlage abgelehnt hat.

1.500 Meter Abstand zur nächsten Siedlung

Die neue Abstandregelung für neue Windräder sei nur eine der vielen Bremsen für die Branche. Die knapp 40 windernergie-affinen Unternehmen in und um Rheine sind immer noch stark. Allerdings haben sie Rückgänge im großen zweistelligen Prozent-Bereich zu verkraften. Mancher reagiert darauf, indem er nicht mehr weiter aufstockt. Andere übernehmen Azubis nach der Ausbildung nicht mehr - zum ersten Mal seit Jahren. Planungsbüros im Osnabrücker Raum sind von 20 Mitarbeitern auf zwei geschrumpft.


Rheines Technologie-Vorsprung wackelt

"Besonders ärgerlich ist all das für die Windenergie-Experten in und um Rheine," sagt Yassine Mokdad von der EWG Rheine, auch zuständig für das Branchen-Netzwerk WindWest e.V.. Seit den 70ern ist der Windanlagenbau in Rheine weit vorne dabei. Unternehmen profitieren noch heute vom Know-how-Vorsprung durch Franz Tacke, einen der Pioniere der Windenergienutzung in Deutschland. Tacke-Nachfahren geben in einigen Firmen weiter den Ton an. Doch wer nicht verkauft, entwickelt auch nichts - während andernorts bei weniger Auflagen mehr geht.



Experten sagen: Von Anlage zu Anlage prüfen, welche Auflagen nötig und sinnvoll sind

Ein Problem in Deutschland sind die starren Regeln. Ein Beispiel: Abstände zu Siedlungen sind immer gleich, auch, wenn die vorherrschende Windrichtung Geräusche eher von der Siedlung fernhält. "Warum nicht von Anlage zu Anlage prüfen," sagt Wirtschaftsförderer Mokdad. Die Branche habe seinerzeit die Politik davor gewarnt, die Fehler der Solar-Branche zu wiederholen.

Energiewende-Ziele der Bundesregierung schwer zu erreichen

Ohne Rückenwind von entscheidender Stelle drohen nicht nur der Windenergie-Branche heftige Einschnitte - auch die Ziele der Bundesregierung für den Ausbau der Erneuerbaren Energien rücken in weite Ferne. So macht man "Öko-Strom" auch nicht billiger. Dass Altmeier den Windkraft-Gipfel so kurz nach der Sommerpause ansetzt, zeigt für Insider vor allem eins: Die Zeit drängt. Altmeier verspricht sich Input für die nächste Sitzung des Klimaschutz-Kabinetts am 20. September. Er wird also Vorschlage sammeln für die geplanten Klimaschutzgesetze. Einmalige Chance für die Windkraft-Branche.

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