
An Heiligabend sitzen in den meisten Häusern und Wohnungen mehr oder weniger große Gruppen unterm Baum. Viele fragen sich schon seit Tagen, wie das geht, Weihnachten feiern und sich und andere gleichzeitig vor Corona schützen. Für den Virologen Stefan Ludwig von der Uni Münster gilt dieses Jahr aus epidemiologischer Sicht auch an den Weihnachtstagen: Weniger ist mehr.
Es kommt also auf uns selbst an. Manche werden diesmal mit schlechtem Gewissen zu ihren Lieben fahren. Sie fragen sich, was jetzt richtig ist und ob das noch hilft gegen Corona, wenn pro Haushalt bis zu vier Besucher erlaubt sind, Kinder und Jugendliche bis 14 nicht mitgezählt. „Ganz klar: Nein,“ sagt der Experte.
Wer die Möglichkeit hatte, hat sich selbst in Quarantäne geschickt, um an Weihnachten nicht ansteckend zu sein, sagt Professor Ludwig. Denn selbst ein Corona-Schnelltest gibt nur trügerische Sicherheit.
Es hilft also nichts: Um die AHA-Regeln kommen wir auch über die Feiertage nicht herum. Und warum nicht auch zuhause Maske tragen, sagt der Experte – oder draußen zum Weihnachts-Spaziergang treffen, statt drinnen zusammen zu sitzen.
Weihnachten unter Corona-Auflagen erfordert Umdenken
Weihnachten unter Corona-Bedingungen wird spannend, weil niemand sowas bisher erlebt hat. Nur – wie damit umgehen, wo ja in manchen Familien auch ohne Corona schon genug Spannungen sind? Marius Janßen ist leitender Psychologe an der Uniklinik Münster und sagt: Das ist dieses Jahr noch mehr als das übliche „Wer feiert wo wann mit wem und was gibt’s zum Essen?“
Janßen empfiehlt, vorher genau darüber zu sprechen „Wie stelle ich mir Weihnachten mit dir oder euch diesmal vor?“ und auch genau zuzuhören, was die anderen sagen. Normalerweise hilft das, ein harmonisches Weihnachten hinzukriegen, von dem alle was haben. Zu den üblichen Absprachen kommt jetzt in vielen Familien die Frage, wie das Fest der Feste unter Corona-Bedingungen gelingt. Psychologe Janßen sagt: Dieses Jahr sind klare Absprachen so wichtig wie nie, weil Menschen Risiken unterschiedlich einschätzen.
Im Lockdown ist es ohnehin wichtig, eine gute Balance zwischen den eigenen Bedürfnissen und denen der anderen hinzukriegen und achtsam miteinander umzugehen, sagt der Experte. Und was sagt man Jugendlichen, die nach der Bescherung eigentlich noch ihre Freunde treffen möchten?
Möglicherweise hilft ja auch, dass es diesmal insgesamt einfach weniger Terminstress gibt – und damit mehr Zeit für jeden Einzelnen.



