
Was kommt bei den Bund/Länder-Beratungen heute raus: Lockerungen? Oder geht der Lockdown in die Verlängerung, weil wir am Anfang einer dritten Corona-Welle stehen? Einige dürfte das gar nicht mehr interessieren: Sie hat eine ganz andere Welle erreicht, vor der Fachleute seit Wochen warnen: die Pleitewelle. Verena Riegel von der Wirtschaftsauskunftei Creditreform Münster rät dazu, nicht in Schockstarre zu verfallen, wenn es eng wird.
Je kleiner der Schuldenberg bleibt, umso besser die Chancen, davon runter zu kommen, sagt die Expertin. Und dann unbedingt Kontakt mit den Gläubigern aufnehmen. Vielleicht geben die auch Zahlungsaufschub und damit etwas Zeit, wieder klar zu kommen. Dann entstehen auch nicht unnötig weitere Kosten. Mittlerweile sind sich fast alle einig, die damit zu tun haben: Im Frühjahr kommt eine Pleitewelle auf uns zu. Durch Corona sind einige Unternehmen und Privatleute in extremen Schwierigkeiten. Simone Strotmeier sieht das jeden Tag als Schuldnerberaterin beim Kreis Steinfurt.
Fachleute wie Simone Strotmeier sagen, viele Insolvenzen sind durch staatliche Hilfen nur aufgeschoben. Vieles davon ist noch nicht mal angekommen und je länger der Lockdown dauert, umso schwerer wird es schon jetzt für Einige. Bei Manchen steht das Eigenheim auf dem Spiel, für das sie Jahre lang hat gearbeitet haben.
Die Schuldnerberater*innen beim Kreis Steinfurt stellen sich schon jetzt auf mehr Anfragen ein. Für die meisten Beratungsstellen wird das schwierig, weil Fachkräfte fehlen. Das bedeutet wahrscheinlich Wartezeiten – ausgerechnet für die, die keine Zeit mehr haben.
Corona-Krise hat bei Vielen die Reserven verschlungen
Genau wie die Weltgesundheitsorganisation und führende Virologen in Deutschland, rechnet auch die Arbeitsagentur Rheine nicht mehr damit, dass die Corona-Pandemie dieses Jahr zu Ende geht. Nach Zahlen, die die Agentur gestern (Di., 02.03.) veröffentlicht hat, waren im Corona-Jahr 2020 bis zu 26.000 Menschen im Kreis Steinfurt in Kurzarbeit - mehr als beispielsweise in einer Stadt wie Lengerich leben. Seit Mai sinkt die Zahl – nur: „Bis sich das normalisiert, das dauert noch,“ sagt Matthias Pöpping.
Die Durststrecke für Arbeitgeber*innen wie Beschäftigte geht also weiter. Das bedeutet für Viele noch eine harte Zeit: Es kommt weniger Geld rein, während die Kosten für Wohnen, Heizen und Essen normal weiterlaufen.
Einige sind schon seit März letzten Jahres zuhause und stehen am Rande ihrer Existenz. Für sie ist entscheidend wichtig, was Bund und Länder heute (Mi., 03.03.) beschließen: Bleibt es beim Lockdown, droht Vielen die Pleite. Lockerungen - so sie denn heute beschlossen werden - wären dagegen ein erstes Zeichen der Hoffnung. Egal, wie's kommt - für Einige ist es schon zu spät, sagt die Expertin Simone Strotmeier. Die Welle rollt.





