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Eine gemischte Schafherde auf einer Weide. Im Vordergrund ein weißes Schaf, weiter hinten braune und schwarze Schafe. Im Hintergrund eine Baumreihe vor leicht bewölktem Himmel.
© Pax Lupus GbR
Sicher auf der Weide: Für mehr Sicherheit von Schaf und Schäfern trotz wachsender Wolfspopulation entwickelt das Startup Pax Lupus einen Herdenschutz auf Grundlage künstlicher Intelligenz. Das System vertreibt Wölfe langfristig per Drohne, ohne den Tieren zu schaden. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Vorhaben mit 125.000 Euro. Die Bissverletzung einer Frau durch einen Wolf in Hamburg-Altona sorgt derweil für intensive Debatten über den Umgang mit Wölfen.
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Wenn der Wolf kommt...

Wenn sich ein Wolf der Herde nähert, hebt eine Drohne ab: Pax Lupus entwickelt ein KI-System, das Schafe schützt und Schäferinnen und Schäfer entlastet.

Veröffentlicht: Mittwoch, 08.04.2026 09:21

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Wenn der Wolf kommt, startet die Drohne

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Stellt Euch eine Schafweide in der Dämmerung vor: Die Tiere stehen dicht beieinander, es ist ruhig - bis sich am Rand der Fläche ein Wolf nähert. Noch bevor Schäferinnen oder Schäfer eingreifen müssen, hebt eine kleine Drohne ab. Sie startet von einer Basisstation auf der Weide und fliegt gezielt in Richtung des Wolfs, um ihn von der Herde fernzuhalten - ohne ihn zu verletzen. Genau an diesem System arbeitet das Startup Pax Lupus aus Wismar. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Projekt mit 125.000 Euro.

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KI soll Schafe schützen und Schäfer entlasten

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Pax Lupus entwickelt ein mobiles Herdenschutzsystem, das Wölfe früh erkennen und gezielt vertreiben soll. Herzstück der Anlage sind Kameras, Sensoren und eine Drohne. Aufgestellt wird das System mitten auf der Weide. Von dort aus überwacht es nach Angaben des Startups Tag und Nacht einen Radius von bis zu 200 Metern. Die Stromversorgung läuft über ein Solarmodul, sodass die Technik unabhängig vom Stromnetz ist. Nähert sich ein Wolf, soll das System die Situation automatisch erfassen und bewerten. Danach startet die Drohne aus der Basisstation und fliegt das Tier gezielt an. Bleibt der Wolf im Randbereich der Weide oder dringt weiter vor, folgen abgestufte Abwehrmaßnahmen. Wie diese Manöver im Einzelnen aussehen, beschreibt das Startup bislang nicht genauer. Klar ist: Der Wolf soll vertrieben werden, ohne verletzt zu werden. Gleichzeitig sollen Schäferinnen und Schäfer bei verfügbarer Netzabdeckung sofort informiert werden und per Kamera selbst auf die Situation schauen können. Das Besondere: Die Technik soll nicht einfach auf jede Bewegung reagieren. Nach Angaben von Pax Lupus ist sie darauf ausgelegt, Wölfe von Menschen und anderen Tieren zu unterscheiden, um Fehlalarme zu vermeiden.

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Herdenschutz ohne Zäune aus Plastikmüll

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Für viele Weidetierhalter ist Herdenschutz eine tägliche Herausforderung. Klassische Lösungen wie Netze, hohe Zäune oder Herdenschutzhunde kosten Zeit, Geld und Kraft. Zudem können vor allem engmaschige Kunststoffnetze für andere Wildtiere zum Problem werden, wenn sich Rehe, Füchse oder Hasen darin verfangen. Pax Lupus setzt deshalb auf eine technische Lösung, die gezielt nur dann eingreift, wenn tatsächlich Gefahr droht. Nach Vorstellung des Startups könnte ein einfacher Grundschutz auf der Weide ausreichen, während die eigentliche Abwehr im Ernstfall durch das System übernommen wird. Das soll nicht nur Arbeit sparen, sondern auch helfen, Wölfe langfristig von Weidetieren fernzuhalten. Hintergrund ist die wachsende Wolfspopulation in Deutschland. Nach Zahlen des Bundesamts für Naturschutz stieg die Zahl der bestätigten Wolfsrudel von 128 im Jahr 2019 auf 219 im Jahr 2025. Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt das Thema durch den Vorfall vom 06.April in Hamburg-Altona, bei dem eine Frau durch einen Wolf verletzt wurde. Die Debatte über den richtigen Umgang mit dem Wolf hat dadurch neue Schärfe bekommen. Aus Sicht der Entwickler müssen sich Arten- und Herdenschutz nicht widersprechen. Die Technik könnte künftig auch bei anderen Weidetieren wie Kühen, Pferden oder Hühnern zum Einsatz kommen. Denkbar sei außerdem, das System später auf weitere Raubtiere anzupassen.

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