
Warum viele Bauarbeiter im Kreis Steinfurt nicht bis zur Rente durchhalten
Im Kreis Steinfurt sind nur noch wenige Bauarbeiter mit über 63 Jahren auf der Baustelle. Von etwa 7.750 Beschäftigten sind es nach Angaben der IG BAU nur um die 310. Für die Gewerkschaft ist das ein deutliches Warnsignal: Viele Menschen auf dem Bau schaffen die harte körperliche Arbeit gesundheitlich nicht bis zur Rente.
Wenn der Körper früher "auf" ist
Wer auf dem Bau arbeitet, weiß, was der Job verlangt: schwere Lasten tragen, bei Hitze, Regen oder Frost draußen arbeiten, Tag für Tag anpacken. Ob Mauern, Pflastern, Dämmen oder Dächer decken - die Belastung geht oft über Jahre an die Substanz. Nach Einschätzung der IG BAU Münster-Rheine ist für viele Beschäftigte deshalb schon vor dem 60. Lebensjahr Schluss. Die Gewerkschaft fordert deshalb eine Rente, die körperlich besonders harte Berufe stärker berücksichtigt. Aus ihrer Sicht braucht es faire und flexible Übergänge in den Ruhestand - gerade für Menschen, deren Körper nach jahrzehntelanger Arbeit einfach nicht mehr mitmacht.
Forderung an die Politik: Rente muss zur Realität auf dem Bau passen
Kritisch sieht die IG BAU auch Pläne für längere Lebensarbeitszeiten. Für viele Beschäftigte auf dem Bau sei es schon heute kaum vorstellbar, bis 67 zu arbeiten. Noch länger im Job zu bleiben, halten viele erst recht für unrealistisch. Auch vor dem möglichen Ende der Rente mit 63 warnt die Gewerkschaft. Das wäre aus ihrer Sicht vor allem für viele Baby-Boomer problematisch, die jahrzehntelang gearbeitet und in die Rentenkasse eingezahlt haben. Im Kreis Steinfurt werden laut IG BAU in den kommenden zehn Jahren rund 75.300 Menschen aus dieser Generation in Rente gehen. Deshalb richtet die Gewerkschaft einen klaren Appell an die Bundestagsabgeordneten aus der Region: Sie sollen sich in Berlin für Korrekturen einsetzen, denn wenn harte Berufe wie auf dem Bau immer länger ausgeübt werden sollen, ohne die tatsächliche Belastung zu berücksichtigen, verliert die Arbeit für viele weiter an Attraktivität.