
Unterirdische Stromautobahn?
Eine unterirdische Stromautobahn durch das Tecklenburger Land - auch nur in Teilabschnitten - würde das ganze Projekt verzögern. Ginge der Gesetzgeber auf die Petition gegen die geplante Überlandleitung ein, käme die gesamte Vorarbeit von Westerkappeln bis Werne wieder auf den Prüfstand.
Veröffentlicht: Mittwoch, 09.10.2024 13:25
Erdkabel seien ein viel größerer Eingriff in die Umwelt, sagte ein Sprecher des Netzbetreibers Amprion exklusiv auf RADIO RST-Nachfrage. Nötigenfalls würde auch ein „Pilotprojekt Teilerdverkabelung“ geprüft, hieß es bei der Vorstellung der endgültigen Trasse, die Amprion am 30. September bei der Bezirksregierung Münster beantragt hat. Bürgerinitiativen und die Bürgermeister von Tecklenburg, Ladbergen, Lienen und Lengerich haben eine Petition gegen die geplante Überlandleitung gestartet. Gegen das Projekt an sich haben sie nichts.
Trasse ohne Lienen vorgestellt
Amprion hat sich auf einen Vorschlagstrassenkorridor für die Höchstspannungs-Stromleitung durch den Kreis Steinfurt festgelegt. Dieser Korridor führt vom Umspannwerk in Westerkappeln über Tecklenburg, Lengerich und Ladbergen weiter über Ostbevern, Telgte, Everswinkel, Sendenhorst, Drensteinfurt und Ascheberg bis nach Werne. Eine östliche Trassenführung über Hasbergen, Hagen und Lienen ist danach nur noch Bestandteil eines Alternativkorridors. Die Bürgerinitiative aus Lienen und Hagen wertet das als ersten Erfolg.
Zeitplan steht
Der Zeitplan steht und auch die Details werden deutlicher. Für die 85 Kilometer zwischen Westerkappeln und Werne sind zwei Stromkreise vorgesehen, der Korridor ist tausend Meter breit. Mit dem Antrag bei der Bezirksregierung geht das Projekt in die Phase der Raumverträglichkeitsprüfung. Vom 21. Oktober bis zum 29. November, liegen die Planungsunterlagen öffentlich aus: 2.000 Seiten Antrag plus 63 Karten. Läuft alles planmäßig, beginnt 2026 das Planfeststellungsverfahren. Die Bezirksregierung sammelt dann Stellungnahmen und Einwände von Kommunen, Verbänden, Landkreisen und auch Privatleuten. Die Bezirksregierung ist es auch, die per gutachterlicher Stellungnahme den Korridor endgültig festlegt. Dann würde 2028 die Bauphase starten. Fünf Jahre später, im Jahr 2033, wäre die Inbetriebnahme.
Warum Lienen raus ist
Dass Lienen nur noch Teil eines Alternativkorridors ist, liegt, kurz gesagt, daran, dass im östlichen Trassenverlauf deutlich mehr Wohnbebauung, Biotope und FFH-Gebiete lägen als auf der westlichen Route. Da wäre beispielsweise der nördliche Teutoburger Wald mit dem Intruper Berg oder das Naturschutzgebiet Lienener Osning. Die Auflagen für Gesundheits- und Umweltschutz sind hoch. Im Außenbereich sind wegen elektromagnetischer Felder 200 Meter Abstand zu Wohnbereichen einzuhalten, im Innenbereich sogar 400 Meter zu besonderen Einrichtungen wie Krankenhäusern oder Kitas. Bei der Umweltverträglichkeit geht es unter anderem um Artenschutz und besonders um schwer regenerierbare Biotope, Lebensräume also, die sich von Eingriffen nur langsam bis gar nicht erholen. In Abwägung zwischen der westlichen und der östlichen Strecke war der westliche Verlauf ohne Lienen die konfliktärmste Variante, heißt es bei Amprion.
Informationsveranstaltungen ab Ende Oktober
Amprion setzt weiter auf Informationsveranstaltungen und schaltet dazu auch Anzeigen. Außerdem gehen die Infos an die Städte und Gemeinden, für deren Websites.
Mit „Bürgerinfomärkten“ informiert Amprion vor Ort entlang des
Vorschlagstrassenkorridors in persönlichen Gesprächen über die Entscheidungsfindung und die Beteiligungsmöglichkeiten im Rahmen der Raumverträglichkeitsprüfung und beantwortet offene Fragen.
Die Termine im Überblick:
Montag, 28.10.2024
12.00 bis 14.00 Uhr: Martin-Niemöller-Haus, Hambürener Straße 2, 49492 Westerkappeln
17.00 bis 20.00 Uhr: Hotel Drei Kronen, Landrat-Schultz-Straße 13- 15, 49545 Tecklenburg
Dienstag, 29.10.2024
12.00 bis 14.00 Uhr: Telgte Bürgerhaus, Baßfeld 9, 48291 Telgte
17.00 bis 20.00 Uhr: Sporthalle des TSV Ladbergen 1921 e.V., Jahnstraße 1a, 49549 Ladbergen
Mittwoch, 30.10.2024
12.00 bis 14.00 Uhr: Katholisches Pfarrheim St. Agatha, St.-Agatha-Platz 2, 48351 Everswinkel
17.00 bis 20.00 Uhr: Gempt-Halle Lengerich, Gemptplatz 1, 49525 Lengerich
Donnerstag, 31.10.24
12.00 bis 14.00 Uhr: Meetingpoint Raiffeisenstraße 15, 48346 Ostbevern
17.00 bis 20.00 Uhr: Noch in Planung und Abstimmung
Montag, 04.11.2024
17.00 bis 20.00 Uhr: Rinkeroder Hof, Alte Dorfstr. 4, 48137 Drensteinfurt
Dienstag, 05.11.2024
12.00 bis 14.00 Uhr: Pfarrheim St. Lambertus, Lambertus-Kirchplatz 3, 59387 Ascheberg
17.00 bis 20.00 Uhr: Dimel Festsaal, Graf-von-Westerholt-Str. 1, 59368 Werne
Vorträge gibt es auf den Bürgerinfomärkten nicht, damit ein Kommen und Gehen jederzeit möglich ist.