
Chronologie eines Verbrechens
05. Oktober 2023: Der Ahauser kehrt allein von einer gemeinsamen Wohnmobiltour durch Skandinavien zurück. Bei den Eltern seiner Freundin meldet er sich nicht. Sie melden die 24-Jährige als vermisst, weil sie nach dem Urlaub nicht zur Arbeit erscheint und nicht erreichbar ist. Ihre Familie hatte zuletzt Ende September Kontakt zu der 24-Jährigen, danach gab es kein Lebenszeichen mehr.
Der Verdacht
Ihr Freund rückt ins Visier der Polizei. Der 29-Jährige verstrickt sich in Widersprüche. Sie habe sich nach einem Streit in Schweden von ihm getrennt. Schließlich sagt er, sie sei gestorben und nennt den Ermittler:innen den späteren Fundort der Leiche.
Mitte Oktober wird die 24-Jährige tot an einem See etwa 300 Kilometer nördlich von Oslo gefunden - erschossen. Es gibt keinen Zweifel an ihrer Identität. Die Tote hat zwei Schussverletzungen. Die Polizei findet bei dem Ahauser die mutmaßliche Tatwaffe, das Handy und das Portemonnaie des Opfers und weitere Schusswaffen. Er kommt in Untersuchungshaft.
Im Januar erhebt die Staatsanwaltschaft Mordanklage.
Fünf Monate später
Am Freitag (08. März) wird der Ahauser tot in seiner Zelle in der Untersuchungshaft in Duisburg gefunden. Die Staatsanwaltschaft Duisburg leitet ein Todesermittlungsverfahren ein. Hinweise auf Fremdverschulden gibt es nicht, heißt es in einer Mitteilung der Justizvollzugsanstalt.
In Fällen von Selbsttötung berichtet RADIO RST zurückhaltend und geht nicht näher auf Details ein. Das sieht der Pressekodex vor, dem wir verpflichtet sind. Wissenschaftler:innen sind zu dem Ergebnis gekommen, dass eine ausführliche Berichterstattung das Risiko für Nachahmungen erhöht. Menschen mit Suizid-Gedanken empfinden ihre Lebenssituation als ausweglos. Bei Beratungsstellen gibt es Hilfe und Unterstützung, auch für Angehörige und Freunde von Betroffenen. Die Telefonseelsorge berät anonym, kostenfrei und 24 Stunden am Tag unter diesen Nummern: 0800/ 111 0 111, 0800/ 111 0 222 und 116 123. Der Kontakt ist auch per E-Mail oder Chat möglich. Das muslimische Seelsorge-Telefon ist unter der Nummer 030/ 443 509 821 zu erreichen. Weitere Informationen für Betroffene und Angehörige, auch zu Selbsthilfegruppen, gibt es bei der Deutschen Gesellschaft für Suizid-Prävention.