
Corona hat die Arbeitswelt in Deutschland auf den Kopf gestellt: Gut zehn Millionen Menschen in Kurzarbeit. Ganze Branchen am Boden, seit das gesellschaftliche Leben fast zum Stillstand gekommen ist. Konzerte und andere Kulturveranstaltungen bis Ende August abgesagt, selbst private Treffen auf ein Minimum reduziert. Hotels, Restaurans, Gaststätten, Biergärten - alles dicht. Zuhause gibt es oft Stress, seit Schulen und Kindergärten geschlossen sind.
Corona stellt Arbeitswelt auf den Kopf - Millionen im Home Office
Die meisten von uns sind es gewöhnt, jeden Tag zur Arbeit zu gehen und da den Job zu machen. Durch Corona fanden Millionen sich von einem Tag auf den anderen im Home Office wieder - und kommen unterschiedlich damit klar. Die Spanne geht vom voll ausgestatteten Büro in der eigenen Wohnung, wo der Arbeitgeber die Technik stellt und Telefon und Internet bezahlt, bis zum Provisorium am Küchentisch, wo die Kinder dazwischen-turnen oder der Hund bellt, wenn jemand an der Tür ist. Trotzdem hat die Arbeit im Home Office eines für alle verändert, sagt die Wirtschaftspsychologin Eva Schulte-Austum aus Münster:
Das ist wohl auch der Grund dafür, dass im Home-Office plötzlich so viel, so schnell möglich ist.
Am Anfang war Flexibilität vor allem bei Mitarbeitern gefragt, die sich zuhause nicht einfach in ein fertig ausgestattetes Büro setzen konnten. Viele haben vor allem in der ersten Phase improvisiert, um "den Laden am Laufen zu halten". Jetzt kommt es auch auf die Chefs an, sagt Eva Schulte-Austum.
Home Office zwischen Chancen und Risiken
Letzten Endes bleibt das Home-Office für viele Arbeitnehmer eine große Herausforderung. Viele haben sich mittlerweile eingegroovt, doch längst nicht alle. Mittlerweile wünschen viele Deutsche sich ihren gewohnten Arbeitsplatz zurück. Für sie ist Home Office...
Damit es klappt im Home Office, hat Eva Schulte-Austum ein paar wichtige Tipps. Die klingen simpel, schaffen jedoch genau die Voraussetzungen, unter denen Dinge gelingen.
Und dann hat die Arbeit zuhause durchaus Vorteile gegenüber der im Büro, mal ganz abgesehen von der Zeitersparnis.
... um dann fünf Minuten nach Feierabend wirklich schon frei zu haben. Kein Wunder, dass Arbeitsminister Hubertus Heil mit seinem Vorstoß für ein Recht auf Home Office soviel Aufmerksamkeit erzielt. Im Herbst kommt die Gesetzesvorlage, sagt er. „Abwarten, ob das mehr ist als Symbolpolitik,“ sagt Arbeitsrechtler Peter Schüren von der Uni Münster.
Wie immer bei sowas passt also eine Menge "Wenn und Aber" zwischen Theorie und Praxis. Langfristige Arbeit verlegt man eben nicht mal einfach so vom Arbeitsplatz nach Hause. Das wird auch der Arbeitsminister wissen.
Also Vorsicht mit vollmundigen Versprechen! Dass im Moment so ziemlich alles geht und viel ausprobiert wird, liegt für Schüren an der Corona-Krise: „Kommt nicht so drauf an, Hauptsache machen.“ Das wird auch noch wieder anders. Einiges davon zeigt sich jetzt schon.
Dass sowas kein Dauerzustand ist, dürfte jedem klar sein. Ein gesetzliches Recht auf Home Office ist darum so eine Sache. Arbeitsrechtler Peter Schüren sagt: Nicht zuviel davon versprechen.
Hängt einfach zuviel Rechtliches und Organisatorisches dran. Ein Recht auf Home Office klingt vielversprechend. „Bleibt halt abzuwarten, was im Endeffekt wirklich dabei rumkommt,“ sagt Arbeitsrechtler Schüren. Ganz neu ist Home Office ja nicht und die Erfahrung zeigt, dass oft auch was schief läuft. Schüren sieht auch Gefahren...
Home Office gut mit dem Chef absprechen
Denen, die jetzt vom Home Office auf Dauer träumen, rät der Arbeitsrechts-Experte, genau hinzusehen und mit dem Chef genau zu besprechen, wie die Arbeit im Home Office läuft.
Für Schüren heißt das, ernsthaft über Zeiterfassung zu sprechen und das auch klar zu regeln. Im Optimalfall legen beide Seiten erstmal eine Experimentierphase fest, um zu sehen, wie es funktioniert und besprechen dann nochmal, ob es wirklich Erleichterung bringt oder zusätzlichen Stress.
IHK: "Home Office war schon vor Corona ein Thema"
Dass Home Office nichts ganz Neues ist, sagt auch Guido Krüdewagen von der Industrie- und Handelskammer Nord-Westfalen in Münster. Corona hat das nur gepusht.
Trotzdem war jede Menge zu improvisieren, bis es wirklich überall zuhause lief. Und auch jetzt noch sind Viele nicht annähernd so ausgestattet, wie im Büro. „Das kommt – nach und nach,“ sagt Krüdewagen.
Der Rest ist und bleibt Absprachesache. Auch ein Recht auf Home Office, für das Arbeitsminister Heil sich einsetzt, wird das nicht ersetzen. Auf jeden Fall bleibt es ein entscheidender Faktor in der Arbeitswelt.
Wichtigstes Hilfsmittel für die Wirtschaft bleibt in diesen Tagen allerdings das Kurzarbeitergeld, denn das hilft, Fachkräfte im Unternehmen zu halten. Auch, wenn die Firmen noch stärker darauf setzen, erstmal Arbeitszeitkonten und Überstunden abzubauen - fast alle Branchen nutzen das Geld vom Staat, um Engpasse zu überbrücken. In der Finanzkrise 2008/2009 war Kurzarbeit vor allem in der Industrie ein Thema. Jetzt setzen die unterschiedlichsten Unternehmen darauf, denn es verspricht bessere Chancen, den Betrieb wieder hochzufahren, wenn die Krise vorbei ist. Manche werden noch lange darauf angewiesen sein.
Was sind nun die Lehren aus der Corona-Krise? Für Industrie und Handel beantwortet Guido Krüdewagen das so:

































