
Themenwoche: RADIO RST auf der Suche nach den Besten - Fachkräftemangel im Kreis Steinfurt
Seit dem 23. Oktober 2023 laden wir zu einer Themenwoche ein, die sich mit dem drängenden Problem des Fachkräftemangels im Kreis Steinfurt auseinandersetzt. Wir setzen uns dafür ein, das Bewusstsein für diese Herausforderung zu schärfen und innovative Lösungen zu erkunden.
Veröffentlicht: Donnerstag, 26.10.2023 09:50
Seit dem 23. Oktober 2023 laden wir zu einer Themenwoche ein, die sich mit dem drängenden Problem des Fachkräftemangels im Kreis Steinfurt auseinandersetzt. Wir setzen uns dafür ein, das Bewusstsein für diese Herausforderung zu schärfen und innovative Lösungen zu erkunden.
Überblick der Themenwoche:
- Tag 1 - Fachkräftemangel verstehen: Erfahre die neuesten Statistiken und Trends bezüglich des Fachkräftemangels im Kreis Steinfurt und höre exklusive Interviews mit Expert:innen für Arbeitsmarktanalyse und Wirtschaftsentwicklung in der Region.
- Tag 2 - Auswirkungen auf lokale Unternehmen: Tauche ein in die Welt der örtlichen Unternehmer und höre, wie sie den Fachkräftemangel erleben. Diskutiere mit uns die wirtschaftlichen Konsequenzen die Betriebe.
- Tag 3 - Bildung und Ausbildung fördern: Wir beleuchten, wie Bildungseinrichtungen und Unternehmen gemeinsam Fachkräfte ausbilden und die Bedeutung von Bildung und Weiterbildung in der Fachkräftelandschaft.
- Tag 4 - Attraktivität der Region steigern: Entdecke Initiativen, die darauf abzielen, den Kreis Steinfurt für Fachkräfte attraktiver zu gestalten, und Ideen zur Förderung von Work-Life-Balance und Lebensqualität.
- Tag 5 - Zukunftsaussichten und Lösungen: Lerne mit unserer Aktion „Till tut’s“ junge Fachkräfte kennen, die sich bewusst für den Kreis Steinfurt entschieden haben, und erfahre, wie regionale Netzwerke und Kooperationen die Zukunft gestalten.
Dazu gibt es bei RADIO RST immer die intensive Einbindung der Community, Hörerfeedback und natürlich eine Zusammenfassung: Wir schließen die Themenwoche mit einem Rückblick auf die wichtigsten Erkenntnisse und der Einbindung von Hörerenden und User:innen ab.
Tag 1 - Fachkräftemangel verstehen
Die Kita bleibt zu, der Zug fällt aus und Du schiebst auf der Arbeit Überstunden. Dahinter steckt oft der Fachkräftemangel. Das Handwerk, die Industrie, der Gesundheitsbereich - fast alle Branchen sind betroffen. Woher kommt der Fachkräftemangel überhaupt? Das haben wir Matthias Pöpping von der Arbeitsagentur im Münsterland gefragt. Ein Grund ist, dass viele Arbeitnehmende in Rente gehen und der Nachwuchs fehlt. Im Kreis Steinfurt sind bei der Arbeitsagentur aktuell mehr als 3.000 offene Stellenanzeigen gemeldet.
Eine mögliche Lösung: Wer einen zu geringen Abschluss hat, lässt sich weiterbilden. Dafür gibt es bei der Arbeitsagentur einige Angebote. Eine weitere Möglichkeit: Die Wirtschaft holt gezielt ausländische Fachkräfte ins Land oder bildet die Migrantinnen und Migranten aus und weiter, die jetzt schon in die Region gekommen sind. Eins ist sicher: Der Fachkräftemangel wird sich in den nächsten Jahren noch verstärken.
Tag 2 - Auswirkungen auf lokale Unternehmen
Die Firma Gerhardi in Ibbenbüren stellt hochwertige Kunststoffteile für die Automobilindustrie her. Nach eigenen Angaben gehört das Unternehmen zu den größten Produzenten und Entwicklern in Europa. Auch bei Gerhardi sind ständig Stellen offen, am Standort Ibbenbüren sind es aktuell 20, sagt Sebastian Koordt, Teamleiter Personalwesen in Ibbenbüren.
Um dem vorzubeugen, setzt die Firma vor allem auf die Ausbildung von jungen Menschen und die Weiterbildung von Mitarbeitenden mit Berufserfahrung.
Die ersten Mitarbeitenden haben den Lehrgang zum Kunststoffassistenten erfolgreich absolviert. Das Modell werde künftig auf weitere Unternehmensbereiche ausgedehnt. Außerdem wirbt Gerhardi mit Rabatten für das Fitness-Studio, Jobrad sowie flexiblen Arbeitszeitmodellen und kostenlosem Bio-Obst und -gemüse in der Verwaltung.
Tag 3 - Bildung und Ausbildung fördern
Ein Schlüssel auf dem Weg zu mehr Fachkräften ist bessere Bildung. Fachleute fordern, die Schuldbildung zu verbessern, um mehr Menschen gut auf das Berufsleben vorzubereiten. Im Kreis Steinfurt hatten im letzten Jahr mehr als fünf Prozent der Schulabgängerinnen und -gänger keinen Hauptschulabschluss. Auch die Hochschulen spielen eine wichtige Rolle. Die Fachhochschule Münster bildet auf dem Campus in Steinfurt Fachkräfte von morgen aus - Ingenieure, Informatikerinnen und technische Betriebswirte. Sie kommen früh mit der Industrie in Kontakt, sagt Prof. Reinhart Job, Sprecher der Dekane in Steinfurt.
Aktuell studieren 3.700 junge Menschen am Steinfurter Campus. Viele von ihnen arbeiten schon während des Studiums bei Firmen in der Region. Nach Schätzungen der Fachhochschule Münster bleiben etwa 80 Prozent eines Jahrgangs für den ersten Job im Münsterland.
Tag 4 - Attraktivität der Region steigern
Verschiedene Initiativen versuchen, Fachkräfte für das Arbeiten und Leben in der Region zu begeistern. In Rheine wirbt die Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft zusammen mit Unternehmen mit der Kampagne "Rheine - Standort der guten Arbeitgeber". Der Marketingverein Münsterland e.V. hat einen Onboarding-Service, um Arbeitnehmende zum Beispiel bei der Suche nach einer Wohnung oder einer Schule für die Kinder zu unterstützen. Für viele Unternehmen sind Angebote wie Firmen-Fitness, Jobrad, Homeoffice-Optionen und flexible Arbeitszeiten längst Standard. Einige Arbeitgebende haben eine eigene Kinderbetreuung, wie etwa die Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf in Rheine. Für deren Geschäftsführer Frank Tischner ist auch wichtig, wie über das Thema Fachkräfte gesprochen wird:
Um herauszufinden, was sich junge Fachkräfte für ihren ersten Job wünschen, waren wir an der Fachhochschule Münster am Standort in Steinfurt. Auf dem FH-Firmentag präsentierten sich rund 30 Unternehmen, die Absolventinnen und Absolventen im technischen Bereich suchen. Wir haben unter anderem Arne getroffen, der in Steinfurt Elektrotechnik studiert.
Tag 5 - Zukunftsaussichten und Lösungen
Zehntausende Arbeitskräfte fehlen in den nächsten Jahrzehnten allein im Kreis Steinfurt, so die Prognose der Arbeitsagentur in Rheine. Lösungsansätze gibt es viele. Das Wichtigste sei, dass die Betriebe weiter in großer Zahl junge Menschen ausbilden, heißt es von der Industrie- und Handelskammer Nordwestfalen (IHK) in Münster. Die IHK und die Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf sehen auch die Zuwanderung von qualifizierten Arbeitskräften aus dem Ausland als Chance. Fachleute fordern, die Schulbildung zu verbessern, um junge Menschen besser auf das Berufsleben vorzubereiten. Und viele Unternehmen setzen im Rennen um die besten Köpfe auf besondere Anreize. Das beobachtet auch Christian Holterhues, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft Steinfurt (WESt):
Gleichzeitig liege der Fokus der Betriebe inzwischen auch auf Gruppen, die vom Arbeitsmarkt lange ignoriert wurden: Ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen zum Beispiel, so Holterhues. Die Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf fordert außerdem eine bessere Kinderbetreuung und wirbt für die Ausbildung in Teilzeit, um besonders junge Mütter anzusprechen. Unsere Recherche zeigt: Es sind viele Dinge möglich und nötig, um dem Fachkräftemangel in der Region entgegenzuwirken.