
Junge Landwirtschaft in der Region - wer übernimmt die Höfe von morgen?
Mit innovativen Konzepten, Mut und Engagement führen viele junge Landwirtinnen und Landwirte in der Region ihre Höfe. Die neue Generation macht einiges anders. Und kämpft mit vielen Herausforderungen. Wir berichten in einer Themenwoche über die Menschen, die in Zukunft unsere Lebensmittel produzieren. Und eine von ihnen könnte Deutschlands Landwirtin des Jahres 2026 werden.
Veröffentlicht: Donnerstag, 16.07.2026 06:39
Theresa Ungru hat den Familien-Hof in Dreierwalde übernommen. Die Landwirtin betreibt eine Schweinemast mit , Ackerbau und ist Geschäftsführerin von zwei Bürgerwindparks im Kreis Steinfurt. Dass sie im Finale des Wettbewerbs "Landwirtin des Jahres" steht, hat die 39-Jährige überrascht. Seitdem hat sie einige Interviewanfragen bekommen. "Das Schöne an diesem Preis ist, dass er Sichtbarkeit für unseren Beruf erzeugt. Und ich finde es sehr wichtig, dass Frauen in der Landwirtschaft sichtbar sind. Es gibt nur elf Prozent Betriebsleiterinnen. Und vielleicht überzeugt das ja die ein oder andere junge Frau, die in der Entscheidungsfindung ist, dass sie einen Hof übernimmt."
Windkraft als zweites Standbein
Theresa selbst fehlten weibliche Vorbilder in der Landwirtschaft. Sie studierte zunächst Lehramt. Doch während des Studiums merkte sie, dass die Arbeit mit Tieren und der Natur ihre Leidenschaft ist. Deshalb wechselte sie zu den Agrarwissenschaften. Im Jahr 2016 übernahm sie den Hof von ihrem Vater. Dann kam die Chance, in die Windkraft einzusteigen. "Es kamen Anfragen von Personen, die Flächen für Windkraftanlagen pachten wollten. Und dann haben wir mit mehreren Grundstückseigentümern zusammen überlegt, dass wir das auch selber machen können." Vorbild war unter anderem der Bürgerwindpark in Steinfurt-Hollich. Heute ist Theresa Geschäftsführerin der Bürgerwindparks Altenrheine und Hörstel. Die Windparks sind profitabel und die beteiligten Bürgerinnen und Bürger verdienen mit.
Tierwohl-Stall als Kompromiss
Klassische Schweinemast und nachhaltige Stromproduktion - mit diesem Geschäftsmodell stehe Theresa für ein "neue Generation von Unternehmerinnen in der Landwirtschaft", so die Wettbewerbsjury. Es sei wichtig, mehrere Betriebszweige zu haben, um das Risiko zu minieren, sagt Theresa. Weil es Jahre gebe, in denen man in einem Bereich fast nichts verdiene. Auf dem Ungru-Hof leben 1.900 Schweine in der Haltungsform 2. Die Tiere haben unter anderem mehr Platz als vorgeschrieben und bekommen zum Beispiel Stroh als Beschäftigungsmaterial. "Gerade in diesen wirtschaftlichen unsicheren Zeiten merkt man, dass die Zahlungsbereitschaft der Verbraucher zurückgeht", sagt die Landwirtin. "Ich habe versucht, einen Kompromiss zu finden, um den Tieren mehr Tierwohl zu bieten. Aber noch zu Bedingungen, unter denen sich das wirtschaftlich tragen kann."
Weniger Höfe im Kreis Steinfurt
Anders als die Generationen davor, haben junge Betriebsleiter meistens mehrere Standbeine, bestätigt der Landwirtschaftsverband Westfalen-Lippe. Wer Rinder hält, verkauft zum Beispiel das Fleisch im eigenen Hofladen und bietet außerdem Bauernhofurlaub an. Die Zahl der Höfe in Deutschland geht seit Jahrzehnten zurück, auch im Kreis Steinfurt. Im Jahr 2020 gibt es bei uns knapp 1.000 Betriebe im Haupterwerb. Im Jahr 2010 waren es noch mehr als 1.300. Der Trend geht zu weniger und dafür größeren Höfen. Die Herausforderungen in der Landwirtschaft sind vielfältig - der Klimawandel, der Preisdruck bei Lebensmitteln oder die hohen Energiekosten.
Innovative Ideen in der Region: Wolfsbarsch und Weinbau
Einige junge Landwirte versuchen dem mit neuen Konzepten zu begegnen. Zum Beispiel baut ein Hof in Bad Iburg am Teutoburger Wald Wein an. In Lienen produziert eine Familie Trüffel. Und im Kreis Warendorf betreibt eine Landwirtin eine Aquakultur mit Wolfsbarschen.
Hof sucht Nachfolger
Bundesweit ist etwa jeder zweite Betriebsleiter älter als 55 Jahre. Und bei den meisten von ihnen ist die Nachfolge offen. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband geht davon aus, dass das auch im Münsterland so ist. Viele Kinder haben andere Berufswünsche. Oder der Betrieb lohne sich nicht mehr, weil er erst mit viel Geld modernisiert werden müsste, so der Verband. Gleichzeitig gebe es den Trend, dass immer mehr junge Menschen, die nicht vom Hof kommen, Landwirte werden möchten. Oft finden sie während der Ausbildung einen passenden Betrieb. Außerdem hilft eine Vertrauensstelle bei der Landwirtschaftskammer in Münster. Sie bringt Landwirte ohne Nachfolge und junge Kollegen zusammen.
Landwirtin des Jahres aus dem Kreis Steinfurt?
Ob Theresa Ungru Landwirtin des Jahres wird, entscheidet sich im Oktober. Vorher kommt die Jury zu Besuch auf den Hof in Dreierwalde. Theresa ist es wichtig, den Betrieb ständig zu optimieren und anzupassen. Um Familie und Beruf zu vereinbaren, hat sie Mitarbeiter eingestellt. Und sie probiert viel Neues aus - zuletzt etwa ein Gerät, das mithilfe einer Kamera erkennt, wie schwer ein Schwein ist. Selbstständig zu sein und Ideen zu verwirklichen, das liege ihr, sagt Theresa. "Was ich tue, hat einen direkten Einfluss auf das Wohlergehen der Menschen. Man produziert Lebensmittel und Strom und sorge dafür, dass unser Land bei der Energie unabhängiger wird von anderen Ländern und Konflikten. Das ist einfach ein gutes Gefühl."