
Eine Studie hat 14 davon in Deutschland untersucht, nach ihrer Bedeutung für die Verkehrsanbindung, Wirtschaftlichkeit und Passagierzahlen. Außerdem ging es um die Klimalast der Flughäfen. Basis waren die Geschäftsberichte 2014 bis 2018. Kein Airport erfüllt alle Kriterien. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, BUND, und das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft, FÖS, fordern, jeden zweiten Regionalflughafen sofort zu schließen. Nur drei Standorte hätten einen verkehrspolitischen Nutzen. Alles andere seien Urlaubsflüge.
FMO schneidet besser ab
Bewertet wurden die Flughäfen Bremen, Dresden, Dortmund, Erfurt-Weimar, Frankfurt-Hahn, Friedrichshafen, Karlsruhe/Baden-Baden, Kassel-Calden, Memmingen, Münster/Osnabrück, Niederrhein-Weeze, Paderborn/Lippstadt, Rostock-Laage und Saarbrücken. Sie liegen bei 200.000 bis drei Millionen Fluggästen im Jahr. Bremen und Memmingen schnitten mit einer "gelben Karte" und zwei positiven Bewertungen in den drei Kategorien noch am besten ab. Je eine positive Bewertung und damit eine "orangene Karte" gingen an Dresden, Dortmund, Friedrichshafen, Karlsruhe/Baden-Baden und Münster/Osnabrück.
"Jeden zweiten Airport schließen"
Sofort geschlossen werden sollten aus Sicht der Umweltschützer diejenigen Regionalflughäfen, die nur negative Bewertungen und damit eine «rote Karte» erhielten: Erfurt-Weimar, Frankfurt-Hahn, Kassel-Calden, Niederrhein-Weeze, Paderborn/Lippstadt, Rostock-Laage und Saarbrücken. Gegen den FMO spricht für sie, dass die Passagierzahlen angesichts der Nähe zum Flughafen Düsseldorf zu moderat steigen. Auf den Punkt gebracht: Der FMO und die Nachbarflughäfen Dortmund und Paderborn/Lippstadt kasnnibalisieren sich gegenseitig. Das sei keine Basis für Dauerhaftigkeit. Hinzu kämen der immense Investitionsstau der Grevener Flughafeninfrastruktur und extreme Verluste in den letzten Jahren. Selbst in normalen Zeiten sei damit unwahrscheinlich, dass der FMO wirtschaftlich arbeitet.
Flughäfen kritisieren Studie
„Die Regionalflughäfen zeigen die ganze Absurdität des Fliegens“, sagt der Chef der Umwelt-Organisation BUND, Olaf Bandt. Der Flughafenverband ADV widerspricht. Dass es in Deutschland so viele Flughäfen gibt, komme durch die verschiedenen Bundesländer und dadurch, dass viele Standorte wichtig seien, um die verschiedenen Regionen verkehrstechnisch anzubinden. Die Daseinsberechtigung kleinerer Flughäfen nur an deren wirtschaftliche Kennzahlen zu binden, sei voreilig und greife zu kurz. Neben Corona seien vor allem Insolvenzen von Airlines in jüngster Zeit Ursache für den Rückgang der Passagierzahlen.
FMO bemängelt handwerkliche Fehler
Der Flughafen Münster/Osnabrück wirft der Studie handwerkliche Fehler vor. „Wenn erklärte Fluggegner wie der BUND so eine Studie in Auftrag geben, ist das Ergebnis vorhersehbar,“ sagte ein Sprecher. „Selbst die Umweltschützer fordern ja nicht die sofortige Schließung des FMO.“ 40 Prozent der Passagiere fliegen nach FMO-Auskunft zu internationalen Drehkreuzen.
"Nicht nur Urlaubsflieger in Greven"
Es gebe eben nicht nur Urlaubsflieger in Greven und das zeige die Bedeutung des FMO für die Verkehrsanbindung. Bis zur Corona-Krise im März sei der FMO mit einem Plus von 25 Prozent Deutschlands wachstumsstärkster Flughafen gewesen. Jetzt liege das Wachstum noch bei zehn Prozent. Auch in Sachen Klimaschutz sei der Airport gut aufgestellt und mit dem Ziel, in zehn Jahren komplett klimaneutral zu sein, den anderen Flughäfen voraussichtlich um zwanzig Jahre voraus.
Grüne fordern Ausstiegskonzept
Die Grünen im Kreis Steinfurt gehen davon aus, dass der Flughafen Münster-Osnabrück auch langfristig Verluste macht. "Der Kreis Steinfurt als Gesellschafter braucht ein Ausstiegs-Konzept oder zumindest eine Diskussion über Finanzierungs-Alternativen", sagte uns der Grünen-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Gesenhues. Zurzeit sei der FMO bei Banken nicht kreditwürdig und die Coronakrise verschärfe das.
Kommissarischer Landrat Martin Sommer: "Stehe zum FMO - allerdings nicht für alle Zeiten, whatever it takes"
Kreisdirektor Martin Sommer sieht die FMO-Gesellschafter in der Pflicht, den Flughafen Münster/Osnabrück zu stützen, solange er für die Wirtschaft von Bedeutung ist. "In einer globalisierten Welt gehört der Airport zur öffentlichen Verkehrs-Infrastruktur – wie Bus und Bahn," sagt Sommer als Kommissarischer Landrat zur aktuellen Diskussion. Er gehe davon aus, dass die Gesellschafter auch nächstes Jahr zahlen, dann allerdings gleichzeitig über die Zukunft diskutieren. Er selbst stehe zum FMO, nur nicht für alle Zeiten, whatever it takes. Der FMO rutsche durch die Corona-Krise mit einer Million €uro pro Monat immer weiter in die roten Zahlen – doch das seien unverschuldete Probleme. Flug-Gegner sollten jetzt nicht die Gelegenheit nutzen, den FMO an sich in Frage zu stellen. Wer generell gegen Flughäfen sei, müsse sich die Frage stellen, wie Globalisierung dann gehen soll. Auch Sommer geht davon aus, dass der FMO sich betriebswirtschaftlich nie selbst tragen wird. Volkswirtschaftlich betrachtet bleibe er dagegen durchaus wichtig, denn er binde die Global Player der Region international an.