
Lotter Vereinssport gefährdet?
Ein Streit zwischen dem Fußball-Regionalligisten Sportfreunde Lotte und der Gemeinde Lotte ist derart eskaliert, dass die Sportfreunde möglicherweise bald ohne Stadion dastehen - und die anderen Lotter Vereine ohne die Anlagen im Sportpark am Lotter Kreuz.
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Ein Streit um Geld hat in Lotte zu einer Situation geführt, die im schlimmsten Fall ab Januar den Vereinssport gefährdet. Möglicherweise stehen die Sportfreunde Lotte ab Januar auch ohne Stadion da. Was ist passiert? Offenbar sind ewig lange Unstimmigkeiten eskaliert. Ursprünglich ging es um die Höhe der Zuschüsse, die die Gemeinde dem Verein für Pflege und Instandhaltung seiner Sportanlagen zahlt. Dazu gab es immer wieder mal geteilte Meinungen. Bisher hatte man sich immer irgendwie geeinigt. Was dann kam, darf man durchaus als "sportliche Überraschung" bezeichnen: Die Sportfreunde haben den Überlassungsvertrag mit der Gemeinde zum Ende des Jahres gekündigt. Das heißt: Die Sportfreunde können ab Januar den Sportpark nicht mehr nutzen. Hintergrund: Das Gelände gehört der Gemeinde, Anlagen und Gebäude darauf dem Verein. Und plötzlich geht es um viel mehr Geld, denn die Sportfreunde sagen: "Unsere Gebäude sind 7,682 Millionen Euro wert. Die hätten wir gerne, wenn der Sportpark an die Gemeinde fällt." Die Kommunalaufsicht ist informiert, die Fronten sind verhärtet. Eine für heute (Frei., 21.08.) angesetzte außerordentliche Mitgliederversammlung ist abgesagt - erstmal die Antwort der Gemeinde an die Kommunalaufsicht abwarten.
Hängepartie könnte böses Ende für gesamten Sport in Lotte nehmen
Entstanden ist eine Hängepartie, die für einen kleinen Ort wie Lotte nicht nur ungewöhnlich ist - sie birgt auch viel gesellschaftlichen Sprengstoff. Man kennt sich. Auch viele Kommunalpolitiker sind Vereins-Mitglied bei den Sportfreunden, bis rauf zu Bürgermeister Philip Middelberg selbst, der seinerzeit sogar mitgeholfen hat, als die Sportfreunde ihre Gebäude bauten. Und es geht um mehr als um ein Stadion für einen Viertligisten der Regionalliga West: Neben den 25 Mannschaften der Sportfreunde nutzen auch andere Vereine aus Lotte den Sportpark - den Kunstrasenplatz oder die Gymnastikhalle, beispielsweise.
Gegenseitige Vorwürfe erschweren Einigung
Das ist allen bewusst. Umso unverständlicher die gegensätzlichen Positionen: "Die Gemeinde spielt auf Zeit." heißt es bei den Sportfreunden. "Die Gemeinde kann kein drittligataugliches Stadion für 10.000 Fans aus Steuermitteln finanzieren," sagt Bürgermeister Middelberg dagegen - und weiter: Gespräche seien erst wieder möglich, wenn die Sportfreunde auf die 7,682 Millionen verzichten. Das habe so übrigens seit 2008 im Überlassungsvertrag gestanden. Haben die Sportfreunde sich verzockt? Immerhin meinen sie es offensichtlich ernst: Es gibt schon ein Ausweichstadion - auch, wenn sie nicht sagen wollen, wo - und noch weniger wirklich darin spielen wollen. Pikant: Nach Auskunft des Bürgermeisters hat die Gemeinde den Sportfreunden noch vor der Kündigung des Vertrags höhere Zuschüsse in Aussicht gestellt. In den letzten Jahren habe man den Sportfreunden 1,5 Millionen Euro gezahlt. Beim Neujahrsempfang hätten sie Geldsorgen geäußert. Was Middelberg auch irritiert: Bei den Sportfreunden geht der Betrieb normal weiter, als wäre nichts gewesen. Der Verein meldet beispielsweise Mannschaften und verkauft Dauerkarten - nur für welches Stadion? Dazu der Bürgermeister: "Die Politik hat schon vor Jahren angeregt, den Liga-Betrieb vom Breitensport abzukoppeln. Für den Verein mit seinen 700 Mitgliedern war das offensichtlich keine Option. Middelberg sagt: "Wir wollen ab Januar die Sportflächen betreiben, auch für die anderen Vereine." Für den Breitensport, halt. Nur das Stadion eben nicht.