
Corona hat die Geschäftswelt ziemlich ausgebremst. Auch mit gelockerten Auflagen ist es nicht mehr das Einkaufserlebnis wie früher, mit Mundschutz vorm Laden Schlange zu stehen und drinnen immer auf Abstand zu achten. Außerdem sitzt bei Vielen das Geld nicht mehr so locker. Da sorgt ein Vorstoß aus der FDP für Diskussionen: Sonntags öffnen, um Verluste wieder aufzuholen und den Kunden mehr Chancen auf Abstand zu geben. Das kommt ursprünglich aus Berlin. Der Landtagsabgeordnete Alexander Brockmeier aus Rheine sieht auch in der RADIO RST-Region Chancen.
Dass die Gewerkschaft das völlig anders sieht, ist Brockmeier bewusst. Ver.di ist jahrelang vor Gericht gezogen, wenn die Regeln zum verkaufsoffenen Sonntag nicht eingehalten wurden, schon vor Corona - und da ging es noch um einzelne Tage im Jahr, keine durchgehende Sonntags-Öffnung.
Zukunft für Geschäfte bedeutet auch Zukunft für die Menschen, die da arbeiten. So argumentiert die FDP. Damit ist die alte Diskussion über verkaufsoffene Sonntage wieder da. Jahrelang ist die Vereinte Dienstleistungs-Gewerkschaft sogar vor Gericht gezogen, wenn die Regeln nicht eingehalten wurden: Schutz der Arbeitnehmerrechte. Manche Geschäftsleute sagen dagegen: Unsere Mitarbeiter würden das gerne machen, wegen der Sonntags-Zulagen und dem freien Tag unter der Woche. Die FDP sieht darin jetzt einen möglichen Weg aus der Corona-Krise, der allen hilft: den Geschäftsleuten, ihren Mitarbeitern und den Kunden – auch Alexander Brockmeier sieht das so.
Für Brockmeier ist der verkaufsoffene Sonntag nur ein Baustein neben vielen anderen, um die Geschäftswelt vor Ort zu stärken. Nicht mal unbedingt nur ein Thema in Corona-Zeiten sondern generell – auch mit Blick darauf, dass immer mehr Kunden an den Online-Handel verloren gehen. Da sieht Brockmeier auch andere Möglichkeiten.
Bei vielen Geschäftsleuten rennt Brockmeier damit offene Türen ein. Ganz anders ist es bei der Gewerkschaft. Der Vereinten Dienstleistungs-Gewerkschaft sind verkaufsoffene Sonntage seit ehedem ein Ärgernis. Das erklärt auch die Reaktion von Gaby Beuing von von Ver.di im Münsterland.
Klare Ansage von Ver.di: „Wenn die versuchen, das durchzudrücken, kriegen sie es mit uns zu tun.“ Für Gaby Beuing zaubert die FDP ein altes Argument im neuen Gewand hervor: Wenn die Leute auch sonntags einkaufen, geben sie nicht nur mehr Geld aus – in Corona-Zeiten knubbelt es sich dann auch nicht so vor und in den Geschäften. Dass sowas auch für mehr Umsatz sorgt, hält Gaby Beuing allerdings für einen frommen Wunsch.
…und für ein Pseudo-Argument obendrein. Für Gaby Beuing steht fest: Wer über offene Läden am Sonntag spricht, hat was ganz anderes im Sinn...
„Wer unter der Woche von sieben bis 22 Uhr seine Einkäufe nicht schafft, hat ein ganz anderes Problem als Corona,“ sagt die Ver.di-Frau. Sie sieht auch eher die Gefahr, dass die Leute sich sonntags in den Geschäften knubbeln, weil sonst nicht viel geht. Dann wäre die Ansteckungsgefahr nur verschoben. Mit Ver.di wird es also keine Sonntags-Öffnung geben.
Ver.di bringt sich in Stellung gegen Vorschlag der FDP
Die Gewerkschaft zieht schon seit Jahren gegen verkaufsoffene Sonntage vor Gericht – und bisher geht es nur um einzelne Tage. Das Argument, wenn die Leute auch sonntags einkaufen, bringt das mehr Geld in die Kassen, läßt Gaby Beuing nicht gelten.
Gaby Beuing hat ganz andere Vorschläge, wie man den Einzelhandel stärkt: "Sicher nicht, indem man die Corona-Krise benutzt, um eine Sonntags-Öffnung durchzudrücken oder, indem Einzelne weiter ihren Vorteil zulasten aller anderen suchen."
Also was jetzt? Ist es im Sinne der Menschen, die Geschäfte auch sonntags dauerhaft zu öffnen, oder nicht? "Absolut ja," sagt Karin Eksen vom Handelsverband Westfalen-Münsterland. Für sie ist das auch kein Interessenkonflikt zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.
Oder anders ausgedrückt: Zukunft für Geschäfte bedeutet auch Zukunft für deren Mitarbeiter.
Für Karin Eksen ist das Alles eher etwas Gesamt-Gesellschaftliches. Nach Wochen ohne Einkünfte kämpfen in den Innenstädten nicht nur viele Geschäfte ums Überleben, sondern auch Hotels, Kneipen und Restaurants.
Nur, dass die Gastronomie sonntags natürlich geöffnet hat. Für Karin Eksen erschließt sich nicht, warum Einzelhandel und Gastro getrennt betrachtet werden. Wenn die Leute „raus gehen“ gehört für sie beides zusammen.
Karin Eksen sagt: „Lasst die Leute doch mal machen. Ob es sich bewährt, zeigt sich dann von selbst.“ Hauptsache, eine neue Regelung komme schnell und unbürokratisch. Sonst wäre es für Viele vielleicht zu spät. Geschäftsleute wie Christian Ahlert vom gleichnamigen Modehaus in Greven sehen es genauso- Ahlert denkt zumindest darüber nach und sagt: „Warum nicht – wenn es sich rechnet."
Ahlert hätte auch keine Bedenken, dass sein Team mitzieht. Alles eine Frage der Einteilung, sagt er. Nur überlasten möchte er niemand.
Und genau darüber machen sich halt auch die Geschäftsleute Gedanken, die das Ganze grundsätzlich positiv sehen. Wie gut ist die Idee wirklich, vielleicht für ein Jahr den Geschäften zu erlauben, auch sonntags zu öffnen? Für Ahlert steht fest: Er würde genau hinsehen, wie es läuft.
Vor allem, wenn in allen anderen Orten die Geschäfte sonntags auch offen hätten. Für Ahlert ist das ein Ausprobieren. Organisatorisch sieht er bei seinem Team kein Problem.
Ob es was bringt oder nicht, liegt im Auge des Betrachters. Diese Verkäuferin aus Rheine, beispielsweise, möchte nicht auch noch sonntags im Laden stehen.
Und ein Kollege, auch aus Rheine, meint: "Wenn die FDP Sonntags arbeiten will, soll sie es tun. Ich brauch das nicht."
Die Diskussion ist noch nicht vorbei...



































