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Soforthilfe oder Pleitewelle
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Soforthilfe oder Pleitewelle

Der Industrie droht im nächsten Winter eine Pleitewelle, wenn die Bundesregierung nicht schnell mehr Hilfe auf den Weg bringt. Unternehmen sind sehr angespannt und fürchten um ihre Existenz, sagte der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen Fritz Jaeckel am Vormittag in Münster.

Veröffentlicht: Montag, 26.09.2022 12:25

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Von den gut 1.570 Betrieben im Münsterland und Westfalen-Lippe haben etwa 500 energieintensive Produktionen, darunter Glas, Keramik, Zement, Metall-Verarbeitung und Back- und Teigwaren. In einer Unternehmenslandschaft, in der fast jedes dritte Industrie-Unternehmen energieintensiv produziert, stehen 50.000 Arbeitsplätze auf der Kippe, wenn nicht schnell etwas passiert.

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Energiekrise gefährdet zumindest die Wettbewerbsfähigkeit

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Die Unternehmen sehen ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit extrem gefährdet. „In den USA, beispielsweise, liegt der Gaspreis aktuell bei zwei bis drei Cent pro Kilowattstunde. Wir reden hier über Faktor 10, in anderen Regionen sogar Faktor 20,“ sagte Jaeckel – und weiter: „Einige Unternehmen denken darüber nach, ihre Produktion ins Ausland auszulagern.

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Resolution der DIHK-Vollversammlung

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Die regionale Wirtschaft schließt sich einer Resolution der Vollversammlung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags vom vergangenen Mittwoch (21.09.) an, die am Samstag an die Bundesregierung gegangen ist. Darin geht es in einem 10-Punkte-Katalog um Sofortmaßnahmen, um die Unternehmen in der Energiekrise weiter zu entlasten.

Dazu gehöre es auch, alle verfügbaren Kohle- und Ölkraftwerke wieder hochzufahren, hieß es am Vormittag in Münster (Das RWE-Kohlekraftwerk in Ibbenbüren wird nicht wieder ans Netz gehen, denn es gehört nicht zur nationalen Energie-Reserve). Außerdem sei ein Energiepreisdeckel wie in Frankreich nötig – und, dass die Bundesregierung Strom- und Gaspreisumlagen in den Bundeshaushalt aufnehme. Weiterhin sei es nötig, die CO2-Bepreisung bis mindestens Ende 2024 auszusetzen.

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IHK-Chef: Nächsten Winter droht die Pleitewelle

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"Die energieintensiven Industrieunternehmen der Region überstehen diesen Winter nur unter extremen Anstrengungen," sagte IHK-Chef Jaeckel. Im nächsten Winter drohe eine Pleitewelle, wenn nicht schnell etwas passiert. Wenn ein Betrieb in der Lebensmittelindustrie bei den angebotenen Energiekosten einen Sprung von 800.000 Euro im Jahr 2021 auf 8 Millionen Euro erlebe, fresse das auch die Gewinne des Vorjahres auf.

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Auch Atom-Strom gefordert

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Die IHK fordert auch, alle noch aktiven Atomkraftwerke bis zum Winter 23/24 weiter laufen zu lassen. Niemand in der Wirtschaft fordere eine Rückkehr zur Kernkraft, sagte Jaeckel. Für die Zeit der Krise sei eine Laufzeitverlängerung jedoch notwendig. Solange Windkraftanlagen bei optimalen Bedingungen flächendeckend noch zu oft abgeschaltet würden, um das Netz nicht zu überlasten, gehe es gar nicht anders. Für Jaeckel steht fest: Es ist zu schaffen, wenn man den gesamten Instrumentenkasten nutzt. Die Krise treffe auch die IHK, mit einem Energiekostensprung von 125.000 auf 800.000 Euro. Er selbst habe deshalb 19 Grad maximale Heiztemperatur angeordnet, sagte Jaeckel, der die Online-PK in einer wärmenden Jacke gab.

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