
Es werde Zeit, den Priestern ihre Machtposition zu nehmen, die den Missbrauch und dessen Vertuschung überhaupt erst ermöglicht habe. Fraglich sei auch, ob die „heilige“ und hierarchische Ordnung aus Befehl und Gehorsam der Kirche guttue.
Studie zum Missbrauch im Bistum Münster kam Donnerschlag gleich
Mitte Juni hatte die Uni Münster ihre Studie über sexuellen Missbrauch im Bistum Münster seit 1945 vorgestellt. Mindestens 200 Täter, bis zu 6000 Opfer – die Expert:innen bezeichneten die katholische Kirche als „Täterorganisation“, die sich des Machtmissbrauchs schuldig gemacht habe. „Die Kirche braucht Hilfe von außen“, heißt es dazu in einem Interview in der Juli-Ausgabe der Unizeitung.
Drastische und glaubhafte Veränderungen gefordert
Die Theolog:innen fordern drastische und glaubhafte Veränderungen. Die immer neuen Entschuldigungen der Bischöfe nach neuen Veröffentlichungen würden niemanden mehr überzeugen. Es gehe nicht mehr nur um Reue und Wiedergutmachung. Immerhin: Münsters Bischof Felix Genn habe angedeutet, dass er eine neue innerkirchliche Verwaltungsgerichtsbarkeit in seinem Bistum installieren werde, um damit bischöfliche Entscheidungen einer Kontrolle zu unterwerfen.
Skepsis überwiegt
Viel Zeit bleibt der Kirche nicht, um den Vertrauensverlust auszugleichen und neue Glaubwürdigkeit aufzubauen, daher die Skepsis der Fachleute. Noch sind zu viele alte Machtstrukturen da und die großen Entscheidungen fallen nach wie vor in Rom. Ein Kirchenhistoriker bringt es mit Blick auf die Welle von Kirchenaustritten so auf den Punkt: „Wer jetzt die Zeichen der Zeit nicht erkennt, der ist von allen guten Geistern verlassen.“