
Wir schalten nicht ab
Kurz noch die Mails abrufen, den Kolleg*innen schnell noch eine Nachricht schreiben und vor dem Schlafengehen noch einen Blick auf die Termine der nächsten Tage werfen: Selbst wenn der Feierabend oder das Wochenende längst begonnen haben, sind viele Beschäftigte für ihre Arbeitgeber*innen heute noch online erreichbar oder lassen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit immer weiter verschwimmen. Weil die digitale Dauerbelastung zu gesundheitlichen Schäden führen kann, will das EU-Parlament eine Gesetz für Feierabend entwickeln. Wir haben das Thema mit Volker Nicolai-Koß vom DGB Münsterland gesprochen:
Erwartungen oft maßlos
Die Erwartungen der Arbeitgeber*innen an die Erreichbarkeit der Mitarbeiter im Homeoffice und bei mobiler Arbeit sind oft völlig übertrieben und maßlos. Nach deutschem und europäischem Recht ist eigentlich niemand verpflichtet, seinem Arbeitgeber außerhalb der vereinbarten Arbeitszeit zur Verfügung zu stehen. Und doch sind fast 40 Prozent der Beschäftigten im Homeoffice immer erreichbar. Arbeitsrechtler*innen warnen davor, dass sich dieser Zustand auf Dauer auf die Pysche niederschlägt. Auch das Privat- und Familienleben leidet darunter. Dazu kommt, dass 30% der Beschäftigten auch Mehrarbeit von zu Hause leisten, so die DGB.
Flexible Arbeitszeiten und Homeoffice sind gerade für Eltern während der Pandemie wichtig
Autohersteller wie Volkswagen und BMW, der Versicherungsriese Axa oder der Chemiekonzern Evonik haben solche Regelungen bereits eingeführt. Beruflich ständig erreichbar zu sein, ist eine Frage der Unternehmenskultur und der Arbeitsorganisation. Es gibt auch viele Modelle, die Eltern in der Coronazeit und im Homeoffice extrem weiterhelfen. Tagsüber Zeit für die Kinder, am Abend dann für die Firma. Das Europaparlament hat die EU-Kommission trotzdem aufgefordert, für das Nicht-Erreichbar-Sein eine gesetzliche Basis zu schaffen:Die zunehmende Nutzung digitaler Technologien hat die Arbeitswelt verändert und eine Kultur der ständigen Erreichbarkeit geschaffen.

