
Pflege im Kreis Steinfurt: Wer kümmert sich in Zukunft?
Wenn Eltern oder Großeltern Hilfe brauchen, soll jemand für sie da sein. Doch wer übernimmt die Pflege, wenn immer mehr Menschen Unterstützung benötigen und Fachkräfte fehlen? In den nächsten zehn bis 20 Jahren brauchen die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer Pflege. Gleichzeitig gibt es weniger junge Menschen, die eine Ausbildung zur Pflegefachkraft machen. Und künftig zahlen weniger Menschen in die Pflegekasse ein.
Mehr Menschen brauchen Pflege - Fachkräfte fehlen
Im Kreis Steinfurt sind nach Angaben der Caritas aktuell rund 23.000 Menschen auf Pflege angewiesen. In den nächsten Jahren werden es noch deutlich mehr, sagt Dominique Hopfenzitz, Caritasdirektor im Bistum Münster.
Hopfenzitz erwartet deshalb, dass künftig noch mehr ältere Menschen zu Hause leben und Angehörige ihre Pflege übernehmen. Die Politik müsse diese Familien besser zu unterstützen und zu entlasten. Mit Blick auf die Fachkräfte in der Pflege fordert der Caritasdirektor unter anderem verlässliche Dienstpläne, Zuwanderung von qualifizierten Pflegekräften aus dem Ausland und auch in Zukunft angemessene Löhne. Der aktuelle Referentenentwurf zur Pflegereform sehe vor, dass Tarifsteigerungen nicht mehr komplett gegenfinanziert würden. Daran übte Hopfenzitz Kritik.
Wer soll die Pflege bezahlen?
Neben fehlenden Fachkräften beschäftigt Hopfenzitz eine zweite Frage: Wie lässt sich gute Pflege für alle finanzieren? Von der Politik erwartet er klare Antworten statt immer neuer Versprechen. Für ihn ist klar, dass aufgrund knapper Kassen nicht alle Pflegeleistungen auch in Zukunft bezahlbar sind. Es müssten Prioritäten gesetzt werden.
Der Caritasdirektor will auch Menschen mit größerem Privatvermögen stärker an ihren Pflegekosten beteiligen. Dazu schlägt er vor, die Zehnjahresfrist bei der Rückforderung von Schenkungen auf 25 Jahre zu verlängern. Das kann etwa eine Hausübertragung betreffen: Wer sein Haus frühzeitig an Angehörige weitergibt und später Pflege braucht, soll nach Hopfenzitz’ Vorstellung nicht allein wegen des Zeitablaufs jede Verantwortung für die Kosten auf die Solidargemeinschaft verlagern können.

