
OGS im Kreis Steinfurt: So läuft der Start in den größeren Städten
Mit dem Schuljahr 2026/2027 greift der Rechtsanspruch auf einen Platz in der Offenen Ganztagsschule zunächst für Erstklässlerinnen und Erstklässler. In den größeren Städten im Kreis Steinfurt zeigt sich zum Start ein überwiegend stabiles Bild: In Rheine, Ibbenbüren, Emsdetten, Greven und Lengerich ist der Bedarf bei den angemeldeten Kindern nach eigenen Angaben gedeckt. Trotzdem unterscheiden sich die Städte deutlich bei Ausbau, Organisation und finanzieller Belastung. Während einige zusätzliche Räume schaffen und Schulen umbauen, arbeiten andere mit flexiblen Modellen oder planen schon den nächsten Ausbauschritt.
Rheine: Alle angemeldeten Erstklässler haben einen Platz
In Rheine werden zum neuen Schuljahr insgesamt 735 Erstklässlerinnen und Erstklässler eingeschult. 307 Kinder haben einen OGS-Platz bekommen. Nach Angaben der Stadt steht kein angemeldetes Kind auf der Warteliste. Die Stadt setzt auf flexible Lösungen an den Schulstandorten. Klassen- und Gruppenräume nutzt Rheine multifunktional, damit Unterricht und Ganztagsbetreuung besser zusammenpassen. Offen bleibt jedoch, ob an einzelnen Schulen Kinder aus höheren Klassen zurückstecken müssen, damit Erstklässler einen Platz bekommen. Dazu lagen der Stadt zuletzt noch keine belastbaren Zahlen vor. Zum Stichtag 31. März 2026 bestand nach damaligem Stand nur an einer Grundschule noch Klärungsbedarf. Auch finanziell bleibt der Ganztag für Rheine ein großes Thema. Im Haushaltsplan 2027 kalkuliert die Stadt für die OGS-Betreuung fast 5,6 Millionen Euro. Dem stehen gut 2.6 Millionen Landesmittel und gut 1.6 Millionen Elternbeiträge gegenüber. Der Eigenanteil der Stadt liegt damit bei knapp 1.3 Millikonen. Parallel läuft weiter das Verfahren zur Finanzierung des Rechtsanspruchs vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf.
Ibbenbüren: Bedarfsorientiertes Modell ohne Platz-Obergrenze
Auch in Ibbenbüren haben alle angemeldeten I-Männchen einen Betreuungsplatz. Gut 541 Kinder werden eingeschult. Knapp 230 Kinder nutzen die OGS, weitere 140 besuchen die Betreuung bis 13 Uhr im Modell „Schule von acht bis eins“. Anders als viele andere Städte arbeitet Ibbenbüren nicht mit einer festgeschriebenen Zahl an OGS-Plätzen. Die Stadt organisiert die Betreuung in eigener Trägerschaft und nimmt nach eigenen Angaben grundsätzlich jedes Kind auf, für das fristgerecht ein Antrag eingeht. Auch Nachmeldungen bis zum Beginn des Schuljahres 2026/2027 hat die Stadt noch berücksichtigt. Kinder aus höheren Klassen verlieren in Ibbenbüren nach Angaben der Stadt keinen Platz, damit Erstklässler nachrücken können. Gleichzeitig richtet die Stadt den Blick schon auf die kommenden Jahre. Studien gehen dort von einer OGS-Quote von bis zu 80 Prozent aus. Entsprechend plant Ibbenbüren weitere Ausbauten an den Grundschulen. Für diesen weiteren Ausbau kalkuliert die Stadt aktuell mit rund 32 Millionen Euro. Für die Johannes-Bosco-Schule flossen schon rund 1,85 Millionen Euro Fördermittel, während der Ausbau dort voraussichtlich rund 8,9 Millionen Euro kostet.
Emsdetten: Bedarf gedeckt, an einer Schule bleibt es offen
In Emsdetten gilt die Lage bei den neuen Erstklässlerinnen und Erstklässlern ebenfalls als stabil. Dort starten dort gut 340 Kinder in die erste Klasse. Insgesamt stehen in der Stadt knapp 990 OGS-Plätze zur Verfügung. Nach Angaben der Stadt ist der Bedarf bei den Erstklässlern gedeckt. Ganz abgeschlossen ist die Planung allerdings noch nicht. An einer Schule klärt die Stadt noch, wie sie die Betreuung in höheren Klassen organisiert. Ob dort Kinder aus älteren Jahrgängen ihren Platz behalten, lässt sich nach Angaben der Stadt erst nach dem Schulbeginn sicher beantworten. Auch beim Ausbau sieht Emsdetten keinen festen Endpunkt. Die Stadt versteht den Ganztag als laufenden Prozess und baut die Angebote unabhängig vom neuen Rechtsanspruch weiter aus. Für dieses Schuljahr rechnet Emsdetten mit einer Kostenerstattung an Träger von knapp vier Millionen Euro. Dem stehen ein Landeszuschuss von gut 1,8 Millionen und Elternbeiträge von gut 550.000 Euro gegenüber.
Greven: Alle angemeldeten Kinder versorgt
In Greven haben ebenfalls alle angemeldeten Erstklässlerinnen und Erstklässler einen OGS-Platz bekommen. Knapp 400 Kinder werden eingeschult. Gut 250 nutzen die OGS. Insgesamt gibt es in Greven mehr als 1.100 Plätze. Nach Angaben der Stadt verliert dort kein Kind aus höheren Klassen seinen Betreuungsplatz, damit Erstklässler nachrücken können. Das schafft für Familien zusätzliche Planungssicherheit. Beim Ausbau steht Greven an unterschiedlichen Punkten: An drei Grundschulen ist der Ausbau seit Jahren abgeschlossen, an zwei weiteren Grundschulen plant die Stadt noch Baumaßnahmen. Greven investiert schon seit 2004 kontinuierlich in den Ausbau des Ganztags. Damals gab es 240 OGS-Plätze, inzwischen sind es 1.128. Fördermittel erhielt die Stadt unter anderem 2021 mit 445.000 Euro aus dem Programm Ganztagsausbau sowie 2026 mit 1,6 Millionen Euro. Allein der Neubau der Mensa an der Erich-Kästner-Grundschule kostete 3,2 Millionen Euro, die neue Mensa der Josef-Grundschule rund 7 Millionen Euro.
Lengerich: Rechtsanspruch erfüllt, Ausbau läuft weiter
Auch Lengerich erfüllt den Rechtsanspruch. Im Schuljahr 2026/2027 besuchen 211 Kinder die erste Klasse. Für 86 liegt ein Antrag auf Aufnahme in eine der vier offenen Ganztagsgrundschulen vor - und alle haben einen Platz. Insgesamt stehen in Lengerich 425 OGS-Plätze zur Verfügung. Kinder aus höheren Klassen behalten nach Angaben der Stadt ebenfalls ihre Betreuung. Familien können also weiter verlässlich planen. Gleichzeitig treibt Lengerich den Ausbau weiter voran. Die Stadt investiert dafür nach eigenen Angaben insgesamt knapp 10 Millionen Euro in ihre Grundschulstandorte. Ein Teil dieser Summe kommt aus Fördermitteln. Rund 6 Millionen Euro stammen aus Landeszuweisungen beziehungsweise aus weitergeleiteten Bundesmitteln durch das Land Nordrhein-Westfalen. Darüber hinaus fallen laufende Kosten für den Betrieb der offenen Ganztagsgrundschulen an.
Steinfurt: Nicht alle angemeldeten Erstklässler bekommen sofort einen Platz
In Steinfurt haben im Jahrgang 1 nach Stand Juli 2026 insgesamt 383 Kinder einen Rechtsanspruch auf einen OGS-Platz. 164 sind für die OGS angemeldet, 162 haben einen Platz bekommen, 2 Kinder stehen auf der Warteliste. Insgesamt gibt es in Steinfurt rund 600 OGS-Plätze. Der Ausbau läuft in Steinfurt noch auf Hochtouren. Die Stadt arbeitet nach eigenen Angaben weiter an mehreren Schulstandorten, darunter an der Heinrich-Neuy-Schule, am Grundschulverbund, an der Bismarckschule, an der Regenbogenschule und an der Marienschule. In Dumte ist der Ausbau der Schule schon abgeschlossen, der Ausbau der Verwaltung jedoch noch nicht. Auch in den höheren Klassen zeigt sich der Druck deutlich: Nach Stand Juli 2026 stehen in Steinfurt insgesamt 34 Kinder auf der Warteliste für einen OGS-Platz, darunter 32 aus Jahrgang 2 und höher. Die Stadt rechnet allein für die Betreuung aktuell mit rund 2,5 Millionen Euro Ausgaben pro Jahr. Vom Land Nordrhein-Westfalen fließen dafür rund 1,2 Millionen Euro Fördermittel pro Jahr. Hinzu kommen weitere Kosten, etwa für Ausstattung und laufenden Ausbau. Nach Einschätzung der Stadt wird der Rechtsanspruch die Kommunen in den kommenden Jahren zusätzlich belasten.
Zum Schuljahr 2026/2027 zeigt sich in den sechs größeren Städten im Kreis Steinfurt damit ein gemischtes Bild beim Start des neuen OGS-Rechtsanspruchs. Rheine, Ibbenbüren, Emsdetten, Greven und Lengerich decken nach eigenen Angaben den Bedarf bei den angemeldeten Erstklässlerinnen und Erstklässlern, während Steinfurt schon bei Schulkindern im ersten Jahrgang eine kleine Warteliste führt. Gleichzeitig investieren alle sechs Städte weiter in Räume, Mensen, Betreuung und Organisation, teils mit Fördermitteln des Landes, teils mit hohen Eigenanteilen. Klar ist damit in allen Kommunen: Der Ausbau des offenen Ganztags endet nicht mit dem Start des Rechtsanspruchs, sondern bleibt eine Daueraufgabe.