
Nordhorn: Grafschaft stellt sich gegen Rettungsdienst-Pläne aus Berlin
Wenn im Notfall der Rettungsdienst gebraucht wird, zählt jede Minute. Genau dieses eingespielte System sieht der Landkreis Grafschaft Bentheim durch die Reformpläne der Bundesregierung in Gefahr. Der Kreistag hat deshalb einstimmig die Resolution „Bund: Hände weg vom Rettungsdienst!“ beschlossen. Der Kreis richtet sich vor allem gegen zwei Vorhaben aus Berlin: Der Bund will den Rettungsdienst stärker zentral steuern und die Finanzierung enger begrenzen. Nach Ansicht des Kreistags schwächt das die Rolle der Kommunen. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass Städte und Gemeinden am Ende auf steigenden Personal- und Sachkosten sitzenbleiben.
Grafschaft Bentheim will Rettungsdienst vor Ort stärken
In Niedersachsen kümmern sich die Landkreise seit 1992 um den Rettungsdienst als Teil der kommunalen Gefahrenabwehr. Vor Ort arbeiten Leitstellen, Feuerwehren, Hilfsorganisationen und Ärzte eng zusammen, damit Menschen im Ernstfall schnell Hilfe bekommen. Genau dieses eingespielte System will der Kreistag in Nordhorn erhalten. Aus Sicht des Landkreises passen bundesweit einheitliche Vorgaben nicht gut zu den gewachsenen Strukturen vor Ort. Auch ein zentrales Steuerungsgremium auf Bundesebene lehnt der Kreis klar ab. Die Politik in Berlin soll die Gesetzentwürfe deshalb nachbessern
Rettungsdienst lieber weiter nah am Menschen organisieren
Besonders kritisch sieht der Kreis die Finanzierung. Wenn Berlin die Kosten deckelt, reichen die Mittel nach Einschätzung des Landkreises bei steigenden Löhnen, höheren Anforderungen und einer älter werdenden Gesellschaft womöglich nicht mehr aus. Dann müssten Kommunen tiefer in die Kasse greifen. Für den Kreistag steht deshalb fest: Reformen in der Notfallversorgung können sinnvoll sein. Aber Berlin soll den Kommunen beim Rettungsdienst nicht die Verantwortung aus der Hand nehmen. Aus Sicht der Grafschaft braucht es weiter ein System, das nah an den Menschen organisiert ist und im Notfall zuverlässig funktioniert.