
Die durchschnittlichen Niederschlagsmengen würden sich voraussichtlich gar nicht so sehr verändern, heißt es in einem Bericht vom Landesumweltamt. Gleichzeitig sei mit Wetterextremen wie Dürre und Starkregen zu rechnen. Der nachlassende Jetstream sorge dafür, dass Wolken nicht mehr so schnell durchziehen, sondern über einem lokalen Gebiet abregnen, während anderswo der Regen ausbleibt.
Drei Szenarien denkbar
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen nach aktuellen Auswertungen von drei Szenarien aus. Für sie steht fest, dass die derzeitigen globalen Klimaschutzmaßnahmen nicht ausreichen, um die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Lanuv-Präsidentin Elke Reichert sagt: „Wenn keine weiteren Anstrengungen unternommen werden, erwarten wir nach jetzigem Stand einen globalen Anstieg um etwa drei Grad bis zum Ende des Jahrhunderts gegenüber vorindustrieller Zeit.“
Zahlen geben Anlass zur Sorge
Nur wenn das „Klimaschutz-Szenario“ eintrete - also alle Ziele des Pariser Klimaschutz-Abkommens rechtzeitig verwirklicht würden - werde es bei einer Erwärmung von unter zwei Grad
gegenüber vorindustriellem Niveau bleiben. Das „moderate Szenario“ werde eine globale Erwärmung von ungefähr 2,4 Grad Celsius (1,7 bis 3,2 Grad Celsius) mit sich bringen. Das „Weiter-wie-bisher-Szenario“ werde die Erde auf ungefähr 4,3 Grad Celsius zusätzlich erwärmen.
NRW-Durchschnittstemperatur: von 8,4 auf 13,7 Grad
Die durchschnittliche Lufttemperatur in NRW betrug in den Jahren von 1991 bis 2020 zehn Grad Celsius und damit 1,6 Grad mehr als zwischen 1881 und 1910. Im Zeitraum von 2071 bis 2100 wird die durchschnittliche Lufttemperatur in NRW im günstigsten Fall auf dem derzeitigen Niveau bleiben, sagen die Expertinnen und Experten. Im Fall des «Weiter-wie-bisher»-Szenarios sei ein Anstieg auf bis zu 13,7 Grad Celsius möglich.
Mehr Hitzetage und Hitzewellen
Die Zahl der Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad wird in NRW nach dem «Weiter-wie-bisher»-Szenario von 8 auf 28 Tage im Jahr zum Ende des Jahrhunderts steigen. Tropennächte mit mehr als 20 Grad Celsius, die bislang nur alle ein bis zwei Jahre auftraten, dürften sich vervielfachen und mehrmals im Jahr auftreten. Hitzewellen, definiert als drei aufeinander folgende Tage mit mindestens 30 Grad, wurden früher in NRW etwa alle drei Jahre gemessen. An Rhein und Ruhr wären sie bald fünf Mal im Jahr möglich.
Niederschläge von bis…
Das Jahr 2023 war mit einer Niederschlagssumme von 1.198 Litern pro Quadratmeter das niederschlagsreichste und mit 11,2 Grad auch das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Projektionen zeigen keine wesentliche Änderung der Menge der Jahresniederschläge, jedoch
werden Sommerniederschläge eher abnehmen und Winterniederschläge eher zunehmen. Weil ein Grad wärmere Luft sieben Prozent mehr Wasserdampf aufnehme, bedeute dies mehr Gewitter und schwere Regenschauer.
Regionale Unterschiede
Die Auswirkungen seien in den verschiedenen Regionen des Landes unterschiedlich. Für die dicht besiedelten Bereiche entlang von Rhein und Ruhr, die schon heute zu den wärmsten Regionen Deutschlands zählen, werden die Hitzewellen besonders relevant sein. Für die Mittelgebirgsregionen werde der Starkregen zum besonderen Problem wegen der Gefahr von Sturzfluten, Bodenerosion und abrutschenden Hängen.
Münsterland droht, zur Dürreregion zu werden
Dagegen besteht bei längeren Trockenperioden vor allem im Münsterland und in Ostwestfalen-Lippe die Gefahr, dass das Wasser knapp wird. Die Waldbrandgefahr werde in NRW mit Ausnahme der Mittelgebirge flächendeckend deutlich zunehmen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler empfehlen zahlreiche Anpassungsmaßnahmen: vom Hochwasserschutz zu grüneren Städten und widerstandsfähigeren Wäldern.