
Die Stadt Münster steht mit ihren Plänen zur Umgestaltung des Hamburger Tunnels erneut im Fokus der Kritik. Der Bund der Steuerzahler hat das Projekt in sein Schwarzbuch aufgenommen und bemängelt die hohen Kosten von rund 2,9 Millionen Euro. Schon im November letzten Jahres war das Projekt Thema in der Mitgliederzeitschrift des Steuerzahlerbundes, doch die Diskussion um die Finanzierung und Alternativen hält an.
Kritik an den Kosten und Alternativen
Der Hamburger Tunnel verbindet Bahnhofsvorplatz und -rückseite und ist über die Jahre herunter gekommen. Für Einige in Münster ist er ein Angstraum. Darum möchte die Stadt Münster ihn durch Glaswände und Lichtinstallationen heller machen und Waldgeräusche aufwerten. Ziel ist es, den Tunnel sicherer und attraktiver zu gestalten. Die Stadt Münster plant, 60 % der Kosten durch Fördermittel vom Landes NRW zu decken, während die restlichen 40 % aus dem städtischen Haushalt kommen sollen. Angesichts der angespannten Haushaltslage Münsters, die bis Ende 2027 erhebliche Defizite erwartet, fordert der Bund der Steuerzahler jedoch eine kostengünstigere Alternative.
Alternativen im Gespräch
Die Stadt hat schon zugesagt, eine zweite, günstigere Variante zu prüfen. Eine Entscheidung über die Umsetzung ist frühestens in der ersten Jahreshälfte 2026 zu erwarten. Als Vorbild könnte die Stadt Bochum dienen, die sanierungsbedürftige Unterführungen mit geringem Budget durch Reinigung, Beleuchtung und urbane Kunst aufwertet. Das kostet nur 30.000 Euro pro Unterführung.
Hintergrund: Warum der Tunnel umgestaltet werden soll
Seit der Renovierung des Hauptbahnhofs im Jahr 2017 fällt der Tunnel durch Verwahrlosung und Vandalismus negativ auf. Der Sieger eines Gestaltungswettbewerbs von 2022 bis 2023 schlug vor, den Tunnel mit hinterleuchteten Glasplatten und akustischen Waldgeräuschen in eine Wohlfühlzone zu verwandeln. Zudem sollen breite Fahrradwege und ein abgetrennter Gehweg für mehr Sicherheit sorgen. Die Stadt erhofft sich durch die Aufwertung auch eine Reduzierung von Vandalismus. Schon im November 2024 hat der Bund der Steuerzahler die hohen Kosten für das Projekt in seiner Mitgliederzeitschrift kritisiert.
Auch Bad Iburg im Schwarzbuch
Auch Bad Iburg steht mit seinem Baumwipfelpfad im Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler. Das Projekt, das ursprünglich als Attraktion für die Landesgartenschau 2018 geplant war, entwickelte sich zu einem Zuschussgeschäft. Die Kosten belasten die Stadt bis heute. Die Stadt hat gut fünf Millionen Euro in Planung und Bau investiert, davon zwei Millionen Euro aus Landesmitteln. Trotz der Verpachtung an einen privaten Betreiber bleibt der Baumwipfelpfad ein finanzielles Sorgenkind.
Weiterer Fall im Kreis Borken
Ein Pendlerparkplatz am Stadtrand von Borken sollte die Parkplatznot in der Innenstadt lindern, wurde jedoch kaum genutzt. Trotz Shuttle-Service blieb das Interesse gering. Die Stadt investierte rund 800.000 Euro, das Land NRW übernahm den Rest der Gesamtkosten von 1,43 Millionen Euro. Das Projekt stand schon im Schwarzbuch 2023/2024 in der Kritik. Im Mai 2025 startete ein neuer Versuch: Zwölf Schnellladepunkte und ein Snackautomat sollen den Parkplatz attraktiver machen. Die Stadt bekommt Pachteinnahmen - und muss gleichzeitig 100.000 Euro Fördermittel zurückzahlen. Ob die neue Nutzung die Auslastung verbessert, ist fraglich.