
Vatikanische Studiengruppe empfiehlt mehr Beteiligung
Laien sollen künftig stärker in den Auswahlprozess von Bischöfen eingebunden werden. Das ist ein zentrales Ergebnis einer vatikanischen Studiengruppe, die Papst Franziskus im Februar 2024 eingesetzt hatte. Geleitet wurde die Gruppe vom emeritierten Münsteraner Bischof Felix Genn. Der nun veröffentlichte Bericht empfiehlt, bei der Suche nach neuen Bischöfen nicht nur Kleriker, sondern ausdrücklich auch Laien zu beteiligen - darunter Frauen und junge Menschen. Damit greift die Studiengruppe einen Wunsch aus der Weltkirche auf: Das Gottesvolk soll bei Bischofswahlen stärker gehört werden. Ziel ist es, die Entscheidungen breiter abzusichern, mehr Transparenz zu schaffen und klerikale Machtstrukturen zu begrenzen.
Synodale Führung soll bei der Auswahl wichtiger werden
Nach den Vorschlägen der Studiengruppe sollen künftige Bischöfe stärker danach ausgewählt werden, ob sie synodal führen können. Gemeint sind Persönlichkeiten, die zuhören, beraten, unterschiedliche Perspektiven einbeziehen und Entscheidungen nicht allein von oben treffen. Auch in kontroversen Situationen soll das gemeinsame Ringen um tragfähige Lösungen wichtiger werden. Felix Genn betont, dass Synodalität weder die Rolle der Bischöfe noch die des Papstes infrage stellt. Vielmehr gehe es darum, die verschiedenen Ebenen der Kirche besser miteinander zu verbinden. Eine Kirche, die Beteiligung ernst nimmt, könne damit auch ein Signal in eine gesellschaftlich zunehmend polarisierte Öffentlichkeit senden. Der Bericht wurde Anfang Mai 2026 veröffentlicht und von Papst Leo XIV. öffentlich gemacht. Nun liegt es am Papst zu entscheiden, wie die Empfehlungen in Kirchenrecht und kirchliche Praxis überführt werden. Klar ist: Die Diskussion über mehr Mitsprache bei Bischofswahlen hat damit deutlich an Gewicht gewonnen.
