Missbrauchskomplex von Münster

Im Missbrauchskomplex von Münster sitzt seit heute die Mutter eines 11-jährigen Jungen auf der Anklagebank. Münsters Staatsanwält:innen werfen der 31-Jährigen vor, sie habe seit 2018 gewusst, dass ihr Lebensgefährte ihr eigenes Kind schwer sexuell missbrauchte.

© Polizei Münster

Statt das zu verhindern, habe sie ihren Sohn vereinzelt auch zu sexuellen Handlungen mit dem Mann animiert. Die Frau streitet alles ab. Der Prozess läuft zum Schutz des Kindes unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Lebensgefährte der Angeklagten hat Jungen immer wieder missbraucht und anderen Männern angeboten

Der Lebensgefährte der Angeklagten gilt als Haupttäter im Missbrauchskomplex. Ihn hat das Landgericht im Juli zu 14 Jahren Gefängnis und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Für die Richter:innen steht fest: Der 28-Jährige hat den Jungen über Jahre nicht nur selbst immer wieder schwer missbraucht – er hat ihn auch anderen Männern zur Verfügung gestellt. Als Beweise hatte die Polizei Unmengen von Video-, Bild- und Audiomaterial von Datenträgern und aus dem Netz sichergestellt. Eine inzwischen abgerissene Gartenlaube seiner Mutter hatte der 28-Jährige aufwändig mit Kameras und anderer Technik ausgestattet, um alles zu filmen und ins Netz zu stellen.

Fall zieht immer weitere Kreise

Der Missbrauchskomplex von Münster beschäftigt mittlerweile Landgerichte in ganz Deutschland. Dabei geht es um schwere sexuelle Gewalt über Jahre von mehreren Männern an einer Vielzahl von Kindern. Tatorte gab es neben der Gartenlaube mehrere in Deutschland und im benachbarten Ausland.

Haupttäter am Dienstag im Zeugenstand

Seit Juni letzten Jahres, als alles ans Licht kam, haben die Ermittler:innen mehr als 50 Tatverdächtige identifiziert, von denen derzeit etwa 30 in U-Haft sitzen. Zum nächsten Verhandlungstag am kommenden Dienstag (10.08.) hat das Gericht mehrere Täter als Zeugen geladen – auch den ehemaligen Lebensgefährten der Angeklagten.

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