
Haben wir es überhaupt noch selbst in der Hand, den Fachkräftemangel in Deutschland in den Griff zu kriegen? Den gibt es überall, klar – nur kommt jetzt noch ein Bereich dazu, an den man so nicht sofort gedacht hätte: Technische Studiengänge - ein Aushängeschild unseres Landes - klagen über sinkende Anmeldezahlen.„Wenn nicht bald was passiert, fehlen absehbar Ingenieurinnen und Ingenieure,“ sagt Carsten Taudt von der IHK Nord Westfalen. Das Interesse an Technik fängt wie alles im Kindesalter an. Dann kommt der erste Dämpfer.
Da wird in jungen Jahren viel verschenkt, wo wichtige Grundlagen für die Berufswahl gelegt werden, findet Taudt. Im Kreis Steinfurt ist die Zahl der technischen Azubis gleichbleibend – noch. Einzige Ausnahme: Der IT-Bereich und beides setzt sich bis ins Studium fort. Völlig unnötig, sagt der Experte.
Durch die IHK sind schon mehr als 500 Partnerschaften zwischen Schulen und Betrieben zustande gekommen, um früh Interesse zu wecken mit Projekttagen, Besuchen in Werkstätten und so weiter. Was fehlt, ist die Schnittstelle im schulischen Bereich. Das überrascht umso mehr, weil dauernd über Digitalisierung, Energiewende und andere technische Zukunftsthemen geredet wird. Wie ist es dann möglich, dass gleichzeitig Nachwuchs in den MINT-Berufen fehlt, also im Bereich Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik? Gehen junge Leute zu sehr nach dem, was die Peer Group macht? Klaus Rogge ist Ausbilder für Technische Berufe bei Bischof und Klein in Lengerich und kennt das Problem.
Und das gilt allgemein, egal, ob Azubis oder Studierende. Spezialfirmen wie das Verpackungsunternehmen Bischof und Klein kennen die Problematik schon lange und laden beispielsweise Schulen zu Schnuppertagen ein. Oder sie gehen in die Schulen, am besten mit eigenen Azubis, die auf Augenhöhe über ihre Erfahrungen im Betreib berichten.
Jemand, der sich genau dafür entschieden hat, und für den die Rechnung voll aufgeht, um mal in der MINT-Sprache zu bleiben, ist Jannick Stein: ein Azubi, der als nächstes studieren geht – Technik. Jannick verkürzt seine Ausbildung bei Bischof und Klein wegen guter Leistung und peilt dann ein Technik-Studium an. Er sagt: Technik? Spannend!
Und das Beste daran: Wo es dann für Jannick weiter geht, ist auch schon klar: Bei Bischof und Klein.
So geht’s also auch. Wer sich jetzt für einen technischen Beruf entscheidet - egal, ob als Azubi oder als Studi - hat beste Aussichten und kann sich die Unternehmen aussuchen. Die brauchen nämlich händeringend gute Leute.





