
Bund und Länder im Zwiespalt
Die Bundesregierung und Länder sind sich bei der Bekämpfung des Coronavirus uneinig. Es gibt viele verschiedene Maßnahmen und zu wenig Schnittmengen. Ihre Aufgabe liegt nun darin, eine einheitliche Strategie zu finden. Vor und während des ersten Lockdowns arbeiteten Bund und Länder noch eng zusammen - nachdem sich die Zahlen im Sommer beruhigten, wurden Bund-Länder-Gipfel seltener.
Steigende Fallzahlen
Im April gab es die meisten täglich gemeldeten Neuansteckungen mit mehr als 6000 Fällen, nun liegen die täglichen Neuinfektionen bei rund 1400 am Tag. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte gegenüber "Tagesspiegel":
Immer klarer wird, dass wir eine zweite Welle bekommen, die bundesweit gestreut ist. Es wäre gut, wenn der Bund wieder die zentrale Rolle spielen würde. Wir sind so gut durch die erste Welle gekommen, weil Bund und Länder sehr eng kooperiert haben und weil die Wissenschaft eng eingebunden worden ist.
Das letzte Treffen mit Kanzlerin Merkel und den Ministerpräsidenten fand am 17. Juni statt. Im Juli trafen sich Kanzleramtschef Helge Braun und die Staatskanzleichefs der Länder. Möglich scheint, dass es in Kürze ein erneutes Zusammenkommen geben wird.
Mehr Tests
Positiv zu bewerten ist, dass es deutlich mehr Tests gibt, als noch vor einigen Wochen. So ist es einfacher, mögliche Infektionsketten zu unterbrechen und nachzuvollziehen, in welchen Bereichen Ansteckungen stattgefunden haben (könnten). Auch die Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten ist sinnig - allerdings ist es ratsam, dass sich Rückkehrer für mindestens eine Woche isolieren, da eine Infektion auch trotz zunächst negativem Testergebnis möglich ist. Dr. Eggersmann vom Mathias-Spital aus Rheine sagt:
Am besten ist eine zweiwöchige Charantäne. Doch die Testpflicht ist ein guter Schritt.
Großveranstaltungen
Bis Ende August läuft das Großveranstaltungs-Verbot, jedoch ist eine Verlängerung möglich. Die Fußball-Bundesliga muss nach einem Entschluss der Gesundheitsminister noch bis mindestens November auf eine Rückkehr der Fans in die Stadien warten. In vielen Ländern gibt es individuelle Entscheidungen bezüglich privater Feiern und Gästeanzahl - einen klaren bundesweiten Plan gibt es hierbei nicht. Dementsprechend schwierig gestaltet sich die Ausrichtung für die Event- und Veranstaltungsbranche. Gesundheitsminister Jens Spahn aus Ahaus sagt:
Wir sehen überall im Land lokales Ausbruchsgeschehen, was meistens [...] mit Feiern, Feierlichkeiten, Ausgelassenheit zusammenhängt. Ich habe am Freitag mit Wirten bei mir im Münsterland gesprochen. Die sagen: 'Nach dem zweiten, dritten Bier oder Wein bei einer Familienfeier, bei einer Zusammenkunft - 15, 20 Gäste - dann ist es echt schwer, alle daran zu erinnern, wie die Regeln sind.'
Weitere Schritte
Eine Rückkehr zur vollständigen Normalität wird es in nächster Zeit nicht geben. Kanzlerin Merkel kündigte an, dass es zunächst keine weiteren lokalen Lockerungen geben werde:
Einen Impfstoff gibt es noch nicht, ein Medikament auch nicht. Deshalb sehen wir jetzt auch, dass gestiegene Mobilität und mehr Kontakte der Menschen untereinander zu erhöhten Fallzahlen führen.
Corona-Test in der RADIO RST-Redaktion
Einen möglichen Corona-Fall gibt es auch in der RADIO RST-Redaktion. Volontärin Kathi Ostroga ist nach einer Fortbildung im Mobil Office. Sie hatte die Info bekommen, dass sich eine Person, die ebenfalls an der Fortbildung teilgenommen hatte, womöglich mit dem Coronavirus ansteckte. Kathi hat sich testen lassen und wartet nun Zuhause auf ihr Testergebnis. In unserer Insta-Story erzählt sich von ihrem Erlebnis.