
Kreis Steinfurt: Wie sieht die Schule der Zukunft aus?
Die Schule läuft wieder. Und wir fragen: Sind die Schulen fit für die Zukunft? Welche Veränderungen braucht das Bildungssystem? Wir stellen innovative Schulen aus der Region vor und sprechen mit Lehrkräften, Bildungsexperten und der Wirtschaft. Und mit der RADIO RST-Community auf unseren Social-Media-Kanälen.
Veröffentlicht: Montag, 26.08.2024 09:39
Sind die Schulen in der Region fit für die Zukunft? "Jein", sagt die Vorsitzende der Gewerkschaft "Verband Bildung und Erziehung" im Kreis Steinfurt, Kerstin Ruthenschröer. Im Bereich Digitalisierung sieht sie riesige Fortschritte. In der Pandemie gab es flächendeckend Tablets und Laptops für die Schulen. Aktuell hakt es hier und da wieder.
Der Verband Bildung und Erziehung fordert deshalb mehr Geld für die Digitalisierung. Größtenteils gut laufe es an den Grundschulen beim Thema fächerübergreifendes Lernen und Unterricht mit Alltagsbezug.
Dass künftig jedes Kind die Möglichkeit hat, in seinem eigenen Tempo zu lernen – daran arbeiten die Schulen, sagt Ruthenschröer. Damit es klappt, seien flexiblere Lehrpläne nötig und mehr Platz in den Schulen.
Bildungsexperte: Mehr Bedürfnisorientierung
Professor Ferdinand Stebner bildet an der Uni Osnabrück angehende Lehrkräfte aus. Und er erfoscht, wie Kinder selbstbestimmt lernen. Wir haben ihn gefragt: Was braucht es, damit alle Kinder und Jugendlichen mit Freude lernen?
Zum Beispiel geht es um das Bedürfnis nach Selbstbestimmung oder das Bedürfnis, sozial eingebunden zu sein. Optimal sei es, wenn die Lehrkraft auf die Bedürfnisse der Kinder eingeht. Dafür brauche es neue Formen des Unterrichts – und da habe sich schon einiges positiv verändert:
Innovative Realschule in Wettringen
In der Zukunftsschule in Wettringen läuft vieles anders. Engagierte Meschen aus dem Ort hatten die Privatschule vor einigen Jahren gegründet. Das Raumkonzept ist besonders: Jeder Klassenraum hat einen ovalen Konferenztisch, an dem alle zusammen sitzen. Außerdem stehen für jede Unterrichtsstunde weitere Räume zur Verfügung, sagt Schulleiterin Melanie Gerke:
In der Gruppe oder alleine – jedes Kind lernt so, wie es für ihn oder sie gerade optimal ist. Auch die Digitalisierung ist in der Zukunftsschule von Anfang an mitgedacht. Weniger Bücher, mehr digitale Inhalte – das helfe den Kindern und Jugendlichen, ihr Lernen nach und nach selbst zu steuern.
Freie Schule in Ibbenbüren
Auch die Freie Schule Tecklenburger Land setzt auf selbstbestimmtes Lernen. Träger der Grund- und Ersatzschule ist ein Verein von Eltern, die sich eine andere Art des Unterrichts für ihre Kinder wünschen. Hermann Stubbe leitet die Grund- und Gesamtschule in Ibbenbüren:
Die Lernenden sprechen alle zwei Wochen mit ihrem Mentor/ ihrer Mentorin über ihre Entwicklung. Die Freie Schule verzichtet weitestgehend auf Noten. Weil sich Lernen nicht erzwingen lässt, sagt der Schulleiter:
Noten gibt es in der Freien Schule ab Klasse 9. Und auf dem Abschlusszeugnis. Die fallen an der Freien Schule in Ibbenbüren in etwa so aus wie an allen anderen Schulen auch, sagt Schulleiter Stubbe.
Unternehmer: Mehr Kontakt zur Arbeitswelt
Frank Haacks ist Geschäftsführer der Firma NFT Automates in Ibbenbüren. Das Unternehmen entwickelt Digitalisierungs-Konzepte für die Industrie. Er wünscht sich, dass Schülerinnen und Schüler früher mit der Arbeitswelt in Kontakt kommen.
Deshalb engagiert sich Frank Haacks in dem Verein „Let’s MINT e.V.“. Unternehmen und Schulen begeistern dort zusammen Jugendliche für naturwissenschaftliche Themen. Denn: Nachwuchs ist wichtig für die Wirtschaft.
Außerdem arbeitet die Firma eng mit Hochschulen zusammen: Viele Studierende schreiben bei NFT Automates ihre Abschlussarbeit – und manchmal wird daraus auch der erste Job nach dem Studium.







