
Holzmarkt spielt verrückt
Stürme, drei Trockensommer in Folge und die Borkenkäferplage setzen den Holzmarkt in der Region unter Druck. Waldbesitzer bekommen kaum was für ihr Holz, weil es so viel davon gibt. Gleichzeitig erleben die Sägewerke einen Boom durch die hohe Nachfrage aus den USA und China. Teilweise ist Bauholz knapp oder nur mit Wartezeiten zu bekommen, weil so viel davon in den Export geht.
Veröffentlicht: Mittwoch, 05.05.2021 14:12
Die knapp 100.000 Hektar Wald im Münsterland und 42.000 Hektar im Landkreis Osnabrück haben schwer gelitten. 800.000 Festmeter Schadholz sind seit 2018 allein im Münsterland angefallen, eine Zahl, die sich davor kaum jemand vorstellen konnte. 75.000 Festmeter Fichte stehen im Münsterland krank im Wald, heißt es beim Landesbetrieb Wald und Holz in Münster. In gleicher Menge sind auch Buchen den Dürrejahren zum Opfer gefallen, eine Baumart, die bis dahin als besonders robust galt.
"Käferholz" - eine neue Vokabel auf dem Holzmarkt
Unter den Begriff Schadholz fallen Bäume, die Sturm Friederieke vor drei Jahren geknickt hat und Bäume, die die Dürre nicht überlebt haben. Forstleute beobachten, dass mittlerweile ganze Waldflächen innerhalb von zwei Wochen absterben. Davor waren sie noch grün. Das Gros des Schadholzes macht allerdings "Käferholz" aus: Fichten und Tannen, die dürrebedingt schon angeschlagen waren, fallen dem Borkenkäfer in nie dagewesenem Ausmaß zum Opfer. Waldspaziergänger gehen oft an riesigen Lagern gestapelter Stämme vorbei. Bundesweit hat die Schadholzmenge sich in den letzten beiden Jahren verdoppelt.
Unwucht im Holzmarkt
Die Menge drückt auf den Preis. 80% des Waldes im Osnabrücker Raum sind in Privatbesitz (etwa 6.000 Waldbauern), im Münsterland sieht es ähnlich aus: Auch dort sind die überwiegende Mehrheit der etwa 14.000 Waldbesitzenden Bauern. Sie sind zu klein, zu wenig organisiert und haben keine Lobby, um ihre Preisinteressen gegenüber den Sägewerken (rd. 12 im Münsterland, um die 15 im Raum Osnabrück) durchzusetzen. Simone Eckermann von Wald und Holz.spricht von einer "Unwucht im Holzmarkt“.
Dumpingpreise für die Einen - ungeahnte Gewinnspannen für die Anderen
Es ist ein bundesweites Phänomen: Waldbauern bekommen um die 30 Euro pro Kubikmeter Holz. Dasselbe Holz geht, eingeschnitten vom Sägewerk, für bis zu 600 Euro pro Kubikmeter in den Export. Dort macht die Nachfrage das Geschäft. Der Bau-Boom in den USA und China verschlingt Holz, das in Containern um die Welt reist. Waldbrände in den USA und Handels-Unstimmigkeiten mit Kanada haben den US-Holzmarkt leergefegt. Früher war Kanada Hauptlieferant. Auch Chinas Holz-Bedarf nimmt nicht gekannte Dimensionen an.
Bauholz wird knapp - und teuer
Derweil wird Bauholz aus der Region in der Region knapp: Große Sägewerke liefern lieber nach Übersee. Dort locken ganz andere Margen als auf dem heimischen Markt. Bauholz als Mangelware, die Preisexplosion und Lieferzeiten, die Bauprojekte bremsen, sind ein Novum in Deutschland.
Klimawandel macht Pläne früherer Generationen zunichte
Durch den Klimawandel geht die Rechnung nicht auf, die viele Waldbauern vor 60 Jahren gemacht haben: Sie haben auf Fichten gesetzt, weil sie billiger waren als andere Setzlinge, obwohl die Fichte hier nicht heimisch ist. Das rächt sich jetzt. Gemäß der jüngsten Landeswaldinventur aus dem Jahr 2014 standen damals im Münsterland etwa 1,8 Millionen Festmeter Fichte. Die Fichte hatte einen Anteil von 8% am Holzvorrat aller Baumarten. Die Hälfte der Flächen ist inzwischen abgestorben.
Waldbesitzer im Spagat zwischen eigenen Möglichkeiten und staatlichen Auflagen
Das Landesforstgesetz verpflichtet Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer, Kahlflächen innerhalb von zwei Jahren wieder aufzuforsten, heißt es bei Wald und Holz in Münster. Passiert das nicht, liege es im Ermessen der Forstbehörde, ob sie die Wiederaufforstung anordnet. Das steht allerdings im Widerspruch zum zweiten Ziel: Naturverjüngungen gewünschter Baumarten zu nutzen – heißt: dem Wald Zeit zu geben, sich aus eigener Kraft zu erholen. Das gibt den Waldbauern Zeit bis Ende des Jahres, nicht zuletzt, weil sie weitgehend auf sich allein gestellt sind, auch finanziell.
Banger Blick in die Zukunft
„Die Nachfrage nach forstlicher Förderung ist hoch,“ sagt Florian Stockmann vom Forstamt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Osnabrück. Bei der Planung sei Weitblick nötig, bei der Reservierung von Forstpflanzen etwa, genauso wie bei der Absprache mit Baumschulen und Forstdienstleistern, die die Stecklinge setzen.
Und bei allem bleibt für die Waldbesitzer:innen die Sorge, wie die nächsten Sommer werden und ob die gewählte Baumart widerstandsfähig genug ist.