
Landrat Martin Sommer war kürzlich relativ spontan mit Bevölkerungsschutzdezernent Karlheinz Fuchs nach Kiew gereist, um dort am "2. Internationalen Gipfel der Städte und Regionen" teilzunehmen. Die Solidaritätspartnerschaft besteht seit März schon lose, jetzt ist sie offiziell. Derzeit geht es in erster Linie um die Lieferung von Hilfsgütern, von denen es schon einige gab. Auch, wenn das nur der „Tropfen auf den heißen Stein“ sei, seien sie ein wichtiges Zeichen der Solidarität – und es gebe weitere Möglichkeiten.
Prothesen für schwerstverletzte Soldaten fehlen
Die Stadt wünsche sich beispielsweise einen Ärzteaustausch. Jede Woche werden in Tscherkassys größtem Krankenhaus bis zu 1.000 schwerstverletzte Soldaten behandelt. Amputationen gehören zum Alltag, es fehlt an Prothesen. Der Kreis Steinfurt möchte an dieser Stelle Unterstützung anbieten und steht dazu in Kontakt mit Prothesenbauern und Krankenhäusern. Denkbar wäre beispielsweise ein zehnmonatiger Schnelllehrgang für Prothesenbauer aus Tscherkassy im Kreisgebiet.
Hoffnung: Engere Anbindung an Europa
Eine weitere Idee dreht sich um Schüleraustauschprogramme. Tscherkassy erhoffe sich durch die Solidaritätspartnerschaft eine engere Anbindung an Europa, heißt es beim Kreis. Die Ukraine kämpfe ein Stück weit auch für Europa. Die Nähe zu Europa wurde im Kreishaus in Steinfurt besonders deutlich, als plötzlich langgezogenes Sirenenheulen durch das Büro des Landrats schallte. Sommer hatte noch die Warn-App aus der Ukraine auf dem Smartphone. Auf dem Display erschien eine Warnung: "Luftalarm in Kiew".