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Häusliche Gewalt nimmt zu
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Häusliche Gewalt nimmt zu

Häusliche Gewalt hat auch im Kreis Steinfurt im vergangenen Jahr deutlich zugenommen, von gut 600 (601) auf gut 700 (713) Fälle. Meistens trifft es Frauen – und die Dunkelziffer ist wohl um ein Vielfaches höher, sagen Fachleute. Immer mehr Männer bekommen Wohnungs- oder Kontaktverbote.

Veröffentlicht: Dienstag, 11.07.2023 14:39

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Die Tendenz deckt sich mit dem Lagebericht von Bundesinnenministerin Nancy Faeser: Jeden Tag werden deutschlandweit 430 Fälle von häuslicher Gewalt gemeldet. Bei Gewalt innerhalb von Partnerschaften gab es einen Anstieg um mehr als 9 Prozent. 2022 haben die Behörden fast 160.000 Fälle von Gewalt in Partnerschaften registriert - nochmal fast 10 Prozent mehr als ein Jahr vorher.

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Die meisten Opfer häuslicher Gewalt sind deutsche Frauen

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Entgegen allen Vorurteilen bilden deutsche Frauen unter den Opfern die Mehrheit. Im Frauenhaus in Rheine waren letztes Jahr 60% der Schutzsuchenden Deutsche. 40% hatten eine andere Staatsangehörigkeit. Von den acht Betreuungsplätzen in Rheine ist derzeit einer frei. Frauen bleiben dort unterschiedlich lange: von ein paar Tagen bis zu einem Jahr. Hauptgrund ist neben der klassischen körperlichen Gewalt, wie Schläge und Misshandlungen, psychische Gewalt. „Es fängt meistens klein an mit Beschimpfungen und Erniedrigungen,“ sagte uns eine Sprecherin. Am Ende stehe der Gewaltausbruch. Sexualisierte Gewalt oder ökonomische Abhängigkeit vom Partner sind weitere Gründe für die Flucht ins Frauenhaus.

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Keine einheitliche Finanzierung für Frauenhäuser

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Größtes Hindernis für die Arbeit in den Frauenhäusern ist, dass es - anders als im Koalitionsvertrag versprochen – immer noch keine einheitliche Finanzierung gibt. Die Betreuungsplätze sind gesichert, das übernimmt der Kreis Steinfurt. Bei der Frage, wer für die Unterbringung zuständig ist, wird es kompliziert, denn das ist mal das Jobcenter, mal das Sozialamt und manchmal auch – niemand. Frauen mit eigenem Einkommen bezahlen den Platz im Frauenhaus selbst, ebenso, wie Studentinnen oder Frauen aus anderen EU-Staaten.

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Nicht nur Frauen werden Opfer häuslicher Gewalt

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Was oft unter den Tisch fällt, ist, dass häusliche Gewalt nicht nur die von Männern gegen Frauen ist – fast alle Varianten kommen vor: Frauen, die auf ihre Männer losgehen oder Gewalt gegen Kinder genauso, wie Eltern, die von ihren Kindern Gewalt erfahren, oder überforderte pflegende Angehörige, die alte Menschen misshandeln. Vieles bleibt unentdeckt, weil Menschen sich schämen, darüber zu sprechen, was ihnen zuhause passiert.

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