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Gemeinsamer Aufruf
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Gemeinsamer Aufruf

Die Uniklinik und die Ärztekammer Westfalen-Lippe rufen gemeinsam auf, sich impfen zu lassen, zum eigenen Schutz. In Münster liegen aktuell 11 Corona-Patient:innen auf der Intensivstation - alle sind ungeimpft.

Veröffentlicht: Donnerstag, 09.09.2021 13:13

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Die Zahl der Intensiv-Fälle habe sich seit Ende Juli verdreifacht und die Erkrankten würden immer jünger. Die Mediziner:innen raten vor allem Schwangeren, sich impfen zu lassen.

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Vierte Welle kommt

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Ende Juli lagen bundesweit 400 Corona-Patient:innen auf der Intensivstation. Anfang September waren es 1.388, mehr als dreimal so viele. Waren im Juli 250 beatmet, sind es jetzt 750 - auch hier also eine Verdreifachung. Geht das so weiter, werden die ersten Krankenhäuser in den nächsten Wochen wieder geplante OPs verschieben. Selbst für einen notwendigen Kaiserschnitt könne es eng werden, sagt der ärztliche Direktor der Uniklinik Hugo Van Aken.

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Schwangere besonders gefährdet

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Überhaupt sind Schwangere in der vierten Corona-Welle besonders gefährdet. Uniklinik und Ärztekammer empfehlen Schwangeren daher dringend, sich impfen zu lassen. Zwei Schwangeren, die mit Corona auf der Intensivstation lagen, ging es zuletzt so schlecht, dass ihre Kinder per Kaiserschnitt geholt wurden, eins als absolutes Frühchen noch vor der 30. Schwangerschaftswoche. Beide Mütter und beide Kinder schwebten in Lebensgefahr und haben auch jetzt nur eine Überlebenschance von 50%. Insgesamt haben schon 10 Schwangere mit Corona auf der Intensivstation der Uniklinik gelegen, alle mit schwersten Verläufen. Dabei zeigen jüngste Studien übereinstimmend: Eine Corona-Impfung während der Schwangerschaft ist sicher, sagt der Präsident der Ärztekammer Hans-Albert Gehle. 2020 seien Mediziner:innen noch vorsichtiger gewesen. Seit Mai 2021 gebe es jedoch eine allgemeine Impf-Empfehlung auch für Schwangere.

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Vermehrt Menschen mit Migrationshintergrund auf den Intensivstationen

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Was den Mediziner:innen besondere Sorge macht, ist, dass auf den Intensivstationen vermehrt Menschen mit Migrationshintergrund liegen, besonders oft muslimische Frauen, auch Schwangere. Oft seien es ältere Männer, die sie davon abgebracht hätten, sich impfen zu lassen und das trotz vieler Impf- und Info-Aktionen in Moscheen oder Vierteln mit vielen Migranten. Von Gehle und van Aken kommt daher die klare Ansage: "Wenn Ihr euer Kind schützen wollt, lasst Euch impfen! Menschen sterben an Corona." Das sei keine Grippe. „Leider kann Covid-19 bei Schwangeren einen sehr schweren und sogar tödlichen Verlauf nehmen“, sagt Ralf Schmitz, einer der Leiter der UKM Geburtshilfe und Pränatalmedizin. Studien zeigten: Die Gefahr für Schwangere, einen schweren Verlauf zu erleiden und auf die Intensivstation zu kommen, sei sechs Mal höher. Das Risiko einer Beatmung sogar 23 Mal größer, als bei Nicht-Schwangeren. Auch die Gefahr von Frühgeburten steige enorm.

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Impfen lassen zum Selbstschutz

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Sich impfen zu lassen, sei in der vierten Welle vor allem zum Selbstschutz wichtig, sagt van Aken. Es sei davon auszugehen, dass sich die Delta-Variante des SARS-CoV-2-Virus als noch tödlicher erweisen könnte als das Ursprungsvirus. Uniklinik und Ärztekammer plädieren deshalb auch für Auffrischimpfungen des Klinikpersonals: "Auch wenn noch kein Impfstoff für eine Booster-Impfung zugelassen ist, können wir hier nicht länger warten und müssen die Drittimpfungen mit den vorhandenen Impfstoffen beginnen," sagt Gehle. Ärzt:innen und Pflegende seien sonst potentielle Überträger:innen und können natürlich auch selbst erkranken, wenn auch mit leichteren Verläufen.

Van Aken, wünscht sich vor diesem Hintergrund eine 2G-Regelung für die Beschäftigten im Gesundheitswesen, also "geimpft" oder "genesen". „Es ist in Ordnung, wenn in der Bevölkerung für Veranstaltungen 3G gilt. Aber unsere Angestellten arbeiten in einem besonderen Umfeld mit sehr vulnerablen Patienten. Diese müssen wir schützen. Eine tägliche Testung ist nicht sicher genug, deshalb müssen die Freiheitsrechte des Einzelnen zumindest für die Beschäftigten des Gesundheitssektors dahinter zurücktreten.

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Neue Regelungen für Schulen und Kindertagesstätten gefordert

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Auch hinsichtlich der Situation in Schulen und Kindertagesstätten fordern die beiden Mediziner, neue Wege zu beschreiten. Gehle zeigte sich unzufrieden mit der bundesweiten „5–Tage-Regelung mit Freitestung“, wie sie die Ministerpräsidentenkonferenz in dieser Woche beschlossen hat, begrüßt hingegen die Entscheidung der NRW-Landesregierung, die in Zukunft vorsieht, in Schulen und Kinderbetreuung nur einzelne infizierte Kinder in Quarantäne zu schicken. Die Bundesregelung entspräche nicht der Empfehlung der Kinder- und Jugendmediziner und würde stattdessen die psycho-sozialen Folgen für Kinder, die unnötigerweise in Quarantäne geschickt würden, vergrößern. Beide Mediziner fordern, dass auch für die jüngeren Kinder in Kindertagesstätten neue Regelungen gefunden werden.

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Van Aken: "Situation in Krankenhäusern zur Zeit noch nicht dramatisch"

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Weder Gehle noch van Aken gehen davon aus, dass in der vierten Welle die Normalstationen in den Krankenhäusern überlaufen. Es sei jedoch möglich, dass andere Bereiche schließen müssten, um Kapazitäten frei zu schaffen. Das Gesundheitswesen hat während der Pandemie schon mehr ausgehalten: In der zweiten Welle lagen bundesweit gut 5.000 Menschen mit Corona auf der Intensivstation, 2.800 davon beatmet. In der dritten Welle waren es gut 4.700 Intensivpatient:innen und 2.600 davon beatmet. Momentan sind knapp 1.400 schwerkrank und gut 720 werden beatmet. Von den 6.000 Intensiv-Betten in NRW sind 600 frei. Ob das reicht, ist allerdings nicht eine Frage der Ausstattung sondern des Personals. Das beste Intensivbett ist nutzlos, wenn niemand da ist, um die High Tech zu bedienen und sich um Schwerkranke zu kümmern. Es steht und fällt mit der Impfquote - und die ist den beiden Medizinern zu niedrig: Länder mit anfangs hohen Todeszahlen stünden jetzt besser da, weil die Impfbereitschaft höher sei.

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