
Freundschaften im Wandel
Freundschaften verändern sich im Laufe des Lebens: Umzüge, Familie, Arbeit oder neue Lebenswege sorgen dafür, dass der Kontakt abbricht. Wir haben Rabea Rochol gesprochen, die als psychologischer Psychotherapeutin in Burgsteinfurt arbeitet und betont: Es ist in jedem Alter möglich, neue Freundschaften zu knüpfen.
Veröffentlicht:
Während der Schulzeit, Ausbildung oder im Studium sind viele Kontakte selbstverständlich und Teil des Alltags. Doch je älter wir werden, desto häufiger verlieren sich Freundschaften. Manchmal geschieht das schleichend, manchmal auch schmerzhaft - und Einsamkeit kann zum Thema werden. Rabea Rochol, psychologische Psychotherapeutin in Burgsteinfurt, sagt hier: "Ich versuche meinen Patienten Werkzeuge an die Hand zu geben: Wie kann ich Freundschaften pflegen, aufrechterhalten, was sind vielleicht sinnvolle Konfliktstrategien. Wie kann ich freundlich bestimmt durch mein Leben gehen und Freundschaften auf Augenhöhe pflegen."
Denn sie betont, wie wichtig Freundschaften für unsere Gesundheit sind: "Wenn ich merke, dass jemand sozial isoliert ist, ist eine meiner Hauptaufgaben zu schauen, dass der wieder in soziale Interaktion kommt."
Tipps für eine gesunde Freundschaft
Ein paar Erfolgsfaktoren können wir selbst beeinflussen. Zum Beispiel das Thema Gegenseitigkeit: "Da geht es jetzt nicht darum, dass man sich exakt die Waage hält, sondern dass beide so das Gefühl haben, die Initiativen kommen von beiden Seiten. Und ganz wichtig dabei, so was wie emotionale Unterstützung oder Interesse sollte keine Einbahnstraße sein." Auch soll man aktiv Zeit frei halten, für die Menschen, die einem wichtig sind. Feste Termine können da helfen: "Wir sind im Erwachsenenalter angekommen, wir haben volle Kalender. Wenn wir Routinen haben, also sei es erster Sonntag im Monat - Frühstück mit den Mädels - hilft uns das manchmal über das ganze Jahr." Ein großes Thema: Aktzeptanz von Lebensphasen: "Grad frischgebackene Eltern, die haben manchmal einfach nicht so den Kopf für die Freundschaften. Natürlich ist das verletzend für die andere Partei, aber ich würde dann nicht mit Vorwürfen ins nächste Treffen starten, sondern einfach ein Stück weit das akzeptieren."
Tiefe Bindung zulassen
Rabea Rochol betont: "In Freundschaften, von denen man möchte, dass die lange halten, sollte man keine Maske tragen. Also immer nur zu lustige Anekdoten zu erzählen oder über das Wetter zu sprechen, wird nicht dazu führen, dass ich eine tiefe Bindung habe. Wenn ich mir die wünsche, muss ich auch ab und zu mal von Fehlern, von schwierigen Ereignissen erzählen, dass also eine gewisse Verletzlichkeit auch zeigen. Das führt eigentlich automatisch bei uns Menschen dazu, dass eine Freundschaft tiefer wird. Viele haben so die Sorge, sich angreifbar zu machen. Aber in der Regel passiert genau das Gegenteil: Ich erfahre eher Zuspruch und die andere Person fühlt sich mir näher, weil ich auch greifbarer werde als Mensch."
Neue Freundschaften sind immer möglich
Rabea Rochol sagt, es sei immer möglich, neue Freundschaften zu knüpfen: "Ich muss aber unter Menschen kommen. Ich kann nicht zu Hause sitzen und darauf warten, dass jemand klingelt. Ich muss schon selber losgehen und das ist natürlich ein Riesenschritt und erfordert ein Stück weit Mut. Aber ich denke, wenn daraus Freundschaften entstehen, ist es das auf jeden Fall wert."