
Frankfurt-Verbrechen: Welche Rolle spielt die Herkunft des Täters?
Das möchte man sich gar nicht vorstellen: Eine Mutter und ihr 8-jähriger Sohn warten auf ihre Bahn - ein Mann aus Eritrea schubst die beiden. Ein ICE fährt ein und überrollt den Jungen. Er ist tot. Es gibt so viel fassungslose Reaktionen zu dem Thema, so viele Fragen, die es zu klären gilt.
Veröffentlicht: Mittwoch, 31.07.2019 04:49
Eine Tatsache die im Kopf bleibt: Der Täter stammt aus Afrika. Dies ist ein Detail unter vielen anderen. Zum Beispiel ist er seit einem Jahr in psychischer Behandlung gewesen, ist Vater von drei Kindern und 40 Jahre alt. Trotzdem bleibt dieses eine Detail erschreckend lange im Gedächtnis und heizt eine gesellschaftliche Debatte in Deutschland an. Wie gehen wir als Radiosender mit diesem Detail um und wie andere Medien?
Pressekodex liefert Regelungen
Für solche Fragen gibt es den Pressekodex, auf den sich deutsche Medienhäuser geeinigt haben. Er liefert auch eine Regelung dafür, wann bei einer Gewalttat über die Herkunft des Täters berichtet wird und wann nicht. Demnach spielt die Herkunft des Täters eine Rolle, wenn sie in einem Zusammenhang mit der Tat steht, oder es ein öffentliches Interesse gibt. Der Kodex besagt auch, dass die Berichterstattung über einen Einzelfall nicht zur Diskriminierung einer ethnischen oder religiösen Gruppe führen darf.
Wie setzt man das um? Ein wichtiger Bestandteil ist es in jeden Fall, die komplette Wahrheit darzustellen. Also z.B. in diesem Fall nicht nur, dass der Mann ein Kind in den Tod geschubst hat, und aus Eritrea stammt, sondern auch, dass er seit einem Jahr in psychischer Behandlung war. Durch die Einwanderung von vielen sehr verschiedenen Menschen aus aller Welt nach Deutschland, kann leicht der Eindruck entstehen, dass diese Veränderung in Deutschland in unmittelbaren Zusammenhängen steht mit Taten, wie der in Frankfurt.
Weltweites Mitgefühl
Doch auch hier gilt es, die komplette Wahrheit darzustellen, doch auch als Lesender oder Hörender genau zu betrachten. Und die ist vor allem: Ein kleiner Junge ist tot, seine Mutter verdient in erster Linie eins: Unser Mitgefühl. Und das kommt bei weitem nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Frankreich, Polen und ganz bestimmt auch aus Eritrea.