
Die FDP setzt sich für mehr verkaufsoffene Sonntage in Nordrhein-Westfalen ein. Künftig sollen bis zu zwölf statt bisher acht verkaufsoffene Sonntage pro Jahr möglich sein. Die FDP sieht darin eine Stärkung des Einzelhandels und der Innenstädte. Hauptargument der Liberalen: Der Lebensrhythmus der Menschen hat sich in den letzten Jahren beruflich wie privat stark verändert. Es wird Zeit, dass die bestehende Regelung auch für den Kreis Steinfurt ein update bekommt, sagt die FDP-Kreisvorsitzende Wiebke Reerink.
Reerink geht es darum, dem neuen Lebensrhythmus der Menschen gerecht zu werden. Dazu würde auch gehören, dass auch Kioske und Trinkhallen sonntags rechtssicher öffnen dürfen, ebenso wie die neuen Mini-Supermärkte, die ja nicht mal Personal haben.
Mit flexibleren Öffnungszeiten könnte der stationäre Handel außerdem dem Online-Handel besser entgegentreten, denn der läuft 24/7. Klar sei auch: Die 12 Verkaufsoffenen würden nicht immer und überall ausgeschöpft – es gehe nur darum, erstmal rechtlich die Möglichkeit dafür zu schaffen. Ist das wirklich so einfach, wie es klingt? Brauchen wir das? Und was ist mit denen, die dann mehr Sonntage arbeiten müssten? Klingt wie ein Déja Vu, wenn man an die Fälle denkt, in denen die Gewerkschaft Ver.di schon gegen sowas vor Gericht gezogen ist - und Recht bekommen hat. Für Susanne Schmidt vom Innenstadt Rheine e.V. ist das zu viel Schwarz-Weiß. In ihrem Juwelier-Geschäft muss dafür niemand mehr arbeiten.
Zeigt auf jeden Fall: Es muss nicht immer alles nach „Schema F“ gehen. Susanne Schmidt würde es schon freuen, wenn alle es mal als Chance sehen könnten, statt sich gleich aufzuregen.
Xenia Epp von der Gewerkschaft Ver.di lässt solche Argumente nicht gelten. Sie sagt: "Ganz klar NEIN - vor allem, wenn es Mehrarbeit bedeutet."
Ihr Haupt-Argument gegen Verkaufsoffene Sonntage: Die Leute können ihr Geld nur einmal ausgeben – Mehreinnahmen also Fehlanzeige. Nur 23% der Beschäftigten im Einzelhandel arbeiten in tarifgebundenen Unternehmen. Die anderen könnten sich Schichten also nicht aussuchen. Mit ein Grund, warum Ver.di aus Prinzip wieder vor Gericht ziehen wird.
Das verspricht, spannend zu bleiben. Der Antrag der FDP liegt jetzt beim Landtag. Als Nächstes geht's in den Wirtschaftsausschuss. Dort sagen unter anderem Handelsverbände, Gewerkschaften und Kommunen, was sie davon halten. Danach stimmt der Landtag darüber ab. Gibt es eine Mehrheit, müsste das Ladenschlussgesetz in NRW geändert werden. Bis dahin gilt weiter: Maximal acht verkaufsoffene Sonntage im Jahr – und welche das sind, entscheiden die Städte und Gemeinden vor Ort. RADIO RST bleibt an dem Thema auf jeden Fall dran.





