
Die Städte und Gemeinden bauen einen neuen Kindergarten nach dem anderen - Eltern haben ja einen Rechtanspruch auf einen Kita-Platz für ihr Kind. Dabei ist oft nicht mal sicher, wo das Personal her kommt. Überall in der RADIO RST-Region fehlen Erzieherinnen und Erzieher.
Engpässe nehmen zu
Die meisten Kindergärten in der RADIO RST-Region sind nach wie vor in kirchlicher Trägerschaft. Das Bistum Münster hat es im vergangenen Jahr noch geschafft, um die 500 neue Fachkräfte für seine 735 Kitas zu gewinnen. Knapp 50.000 Kinder waren im Frühjahr allein dort zu betreuen. „Inzwischen ist der Markt ziemlich leer gefegt,“ sagt Daniela Surmann, Referatsleiterin Kinder-, Jugend- und Familienhilfe beim Diözesancaritasverband in Münster.
Suche nach Wegen aus der Misere
Der Fachkräftemangel werde sich in den nächsten Jahren noch verschärfen. Viele Kindergärten stehen vor einem Generationenwechsel: Erfahrene ältere Kräfte gehen nach und nach in den Ruhestand – deutlich mehr als junge nachkommen. Für Surmann steht fest: Die Politik hat das Thema Kindertagesbetreuung nicht zu Ende gedacht. „Den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz haben sie geschaffen, klar – nur, entsprechende Ausbildungsplätze zu schaffen, das haben sie versäumt.“ Sie ist in ständigem Kontakt mit dem Ministerium und regelmäßig in Düsseldorf, um Lösungsansätze zu besprechen – auch diese Woche wieder.
Der Druck wächst
Es geht um eine neue Herangehensweise, um gut ausgebildetes Personal zu gewinnen, denn nur mit Jahrespraktikanten ist die Kinderbetreuung auf Dauer nicht zu leisten. Je lauter der Ruf nach guter frühkindlicher Bildung, umso wichtiger sind ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher. Dazu kommen steigende Anmeldezahlen. Immer mehr Kinder kommen immer jünger in den Kindergarten. Viele werden noch gewickelt.
Konkurrenz unter Arbeitgebern wächst
Dass Erzieherinnen und Erzieher mit ihrer breit gefächerten Ausbildung auch in vielen anderen Bereichen gefragt sind, macht es nicht leichter. Großtagespflegen, der offene Ganztag oder die Jugend- und Behindertenhilfe sind nur einige der Konkurrenten um die wenigen Fachkräfte. „Die Problematik hat vor zehn Jahren angefangen,“ sagt Daniela Surmann. „Soviel kann man in den nächsten Jahren nicht aufholen.“ Gute Quereinsteiger sind gefragt. Die Stadt Emsdetten, beispielsweise, macht gute Erfahrungen mit Kinderkrankenschwestern. Sie sind nicht nur im Umgang mit Kindern versiert, sie sind mit ihrer medizinischen Qualifikation eine gute Ergänzung fürs Team.
Bistum fährt neue Strategie, um an Mitarbeiter zu kommen
Die Träger gehen anders auf die Mitarbeitersuche. „Es fängt schon bei der Stellenausschreibung an“, sagt Daniela Surmann. Und beim Online-Auftritt hört es noch lange nicht auf, denn noch sind viele Homepages vor allem Informationsplattformen für die Eltern. Die neue Strategie beim Bistum: Mitarbeiter in den Fokus.
Werbung machen erwünscht
Es gehe darum, zu zeigen, wie toll es ist, im Kindergarten zu arbeiten. Kitas weisen bald ausdrücklich darauf hin, was sie besonders macht. Von den Schulen kennt man das seit Jahren. Mit sinkenden Schülerzahlen kam die Konkurrenz untereinander. Der Lehrermangel hat das verschärft. Bei den Kindergärten sind es immer weniger Mitarbeiter - und immer mehr Kinder. Daniela Surmann geht es in Düsseldorf auch um langfristiges: mehr Ausbildungsstellen für Erzieherinnen und Erzieher.