
Die NRW-Landesregierung fährt die Corona-Auflagen schrittweise zurück. Die Kindergärten stellen sich ab heute (23.04.20) auf mehr Kinder in Notbetreuung ein, weil weitere Berufsgruppen wieder arbeiten. „Das bringt wieder mehr Leben in die Bude,“ sagt Lisa Petermann. Sie leitet die Outlaw Kita Wemhöferstiege in Steinfurt.
Das sieht auch ihre Kollegin Janina Crützen so. Sie leitet die Outlaw-Kita Steintorfeldmark, auch in Steinfurt. Beide Leiterinnen erwarten für viele Kitas einen Ansturm. Das zeigen die Anträge auf Betreuung. Die stellen nicht nur Eltern in den Berufsgruppen, die jetzt neu auf der Liste stehen.
In Zahlen sieht das so aus: Seit klar ist, dass die Landesregierung die Notbetreuung ausweitet, weil mehr Berufsgruppen wieder arbeiten gehen, ist die Zahl der Anträge beim Kreisjugendamt hochgeschnellt, von bislang 141 auf 1.700. Und das sind nur Zahlen aus 20 Städten und Gemeinden im Kreis Steinfurt. Rheine, Ibbenbüren, Emsdetten und Greven mit ihren eigenen Jugendämtern kommen noch obendrauf.
Nicht nur Eltern, die jetzt wieder arbeiten, beantragen Betreuung
Viele Eltern haben die Zeit seit Mitte März überbrückt. Jetzt, wo klar ist, dass es noch dauert, bis die Kitas wieder ganz öffnen, reicht bei vielen die Kraft nicht mehr. Weiß ja niemand, wie lange noch...
Für Britta Baving-Schröder ändert sich organisatorisch erstmal nichts: Sie hat ihren Sohn schon seit Wochen in der Notbetreuung in der Kita St. Willibrord in Burgsteinfurt. Eine große Entlastung für sie: kein Jonglieren mehr, wer bleibt zuhause für den Kleinen. Der schiebt derweil noch Langeweile: Bis jetzt sind nur zwei Kinder in der Notbetreuung.
Das ändert sich jetzt zumindest ein bisschen. Ab morgen gehen wieder deutlich mehr Kinder in den Kindergarten, wenn auch längst noch nicht alle. Je nach Kita sind es derzeit zwischen 2,4 und 4,7% aller Kinder, die Landesregierung weitet das bis auf 10% aus. Einerseits gut für Kinder und Eltern, andererseits auch ein Risiko, sagt Britta Baving-Schröder
Und für die Betreuerinnen im Kindergarten erst! Sag mal einem zweieinhalb-Jährigen „Nein, du darfst nicht auf den Arm.“ Es zeigt sich jetzt schon: Der Weg in die Kontaktsperre war schwer, der Weg zurück zur Normalität wird noch schwerer. Immer steht die Frage im Raum „Ist das jetzt der richtige Zeitpunkt?“ Immerhin: Organisatorisch steht der erweitertern Notbetreuung nichts im Wege, sagt Janina Crützen.