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Erntehelfer fehlen
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Erntehelfer fehlen

Corona-Epidemie bremst Spargel-Ernte

Veröffentlicht: Montag, 30.03.2020 06:14

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Frostige Nächte und auch tagsüber weit entfernt von 20 Grad. Was Spargelbauern in der RADIO RST-Region um diese Zeit eigentlich ungedudig machen würde, beruhigt sie jetzt. Das kurze Winter-Intermezzo mit Schneeflocken bis in tiefere Lagen gibt ihnen Zeit. Zeit, ihre Ernte-Teams neu zu organisieren, denn überall fehlen die osteuropäischen Erntehelfer, die sonst längst da wären.

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Corona bremst den Start in die Saison

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Viele Rumänen und Polen hatten gezögert zu kommen. Sie haben Angst, sich hier den Coronavirus einzufangen. Außerdem weiß niemand, wann und wie die, die schon hier sind, in ihre Heimat zurück kommen. Letzten Mittwoch hat Deutschland dann die Grenzen für osteuropäische Erntehelfer dicht gemacht, erstmal bis zum 20. April.

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Noch nie da gewesene Situation

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"Das ist eine dramatische Lage," sagt Ralf Große Dankbar, Spargelberater bei der Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe. "Keine Erntehelfer - keine Ernte." Die Betriebsleiter seien ohnmächtig. Viele würden jetzt erstmal mit der Famile, Verwandten, Freunden und Bekannten auf die Felder gehen. Für die ersten Spargelstangen, die jetzt raus kommen, reicht das noch. Allerdings erhöht sich die Erntemenge bald täglich.

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Organisieren und tricksen, so gut es geht

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Durch das Wetter verzögert sich alles und anders als sonst, ist das für die Spargelbauern gut. Die Spargelstangen brauchen beständig um die 20 Grad, auch nachts, sonst schießen sie nicht. Viele Spargelbauern haben die Folie auf den Feldern wieder umgedreht, von schwarz auf weiß. Das reflektiert die Sonne, statt Wärme in den Boden zu leiten, ein weiterer kleiner Zeitgewinn. Jedoch ist klar: Sobald es richtig frühlingshaft wird, gibt es kein Halten mehr für den Spargel.

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Viele Bauern tragen's mit Fassung - noch

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Tobias Löbke aus Ibbenbüren hat aktuell knapp 30 Erntehelfer im Team. "Wir haben vorgesorgt", sagt er. Schon vorletzte Woche seien die Rumänen mit dem Flieger gekommen. Er habe alle genommen, die wollten. "Das reicht bis Mitte April. Dann brauchen wir mehr", sagt Löbke und hofft, dass der Einreise-Stop dann gelockert wird. Auch er wartet erstmal bis zum 20. April.

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Was in zwei Monaten ist, weiß keiner

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Das sagt auch Heiner Junge Bornholt aus Riesenbeck. Er sei angespannt aber optimistisch. Er hat noch elf Leute per Flieger über Dortmund bekommen. Damit sind es jetzt 15. Sonst hat er mehr. Für seine Spargelernte reicht das vorerst. "Ich hab' unheimlich motivierte Leute", sagt Junge Bornholt, "und ich glaube, zusammen mit denen können wir das Ding schaukeln." Für den Anfang jedenfalls reiche es. Junge Bornholt fühlt sich auch seinen Erntehelfern gegenüber verpflichtet, die noch nicht in Deutschland sind. Bei denen sei das Geld auch eingeplant und sie bräuchten es zum Leben.

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Hoffen auf deutsche Erntehelfer

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Es melden sich auch einige, die sonst nicht mit aufs Feld gehen, eine Nachbarin, die sonst in der Gastronomie arbeitet, einige Studenten und ein Schausteller aus Neuenkirchen. Für den Chef eine Herausforderung: Wo setzt man die ein, die ohne jede Vorerfahrung kommen?

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Schüler und Studenten sind Wackelkandidaten

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Solange Schulen und Unis geschlossen haben, haben Schüler und Studenten Zeit, doch was dann? Außerdem: Vorerfahrung hat keiner von ihnen und Spargelstechen ist Erfahrungssache. Außerdem ist es anstrengend und, woran wohl die wenigsten denken: Die Ernte läuft jeden Tag. "Die Natur kennt kein Wochenende", sagt Tobias Löbke und fragt sich, wie man das organisiert: Schüler und Studenten, die ihre Mitarbeit sehr unterschiedlich anbieten. Von einzelnen Stunden pro Tag über einzelne Tage bis hin zu Vollzeit ist alles dabei. Wie lange jeder einzelne die harte Arbeit durchhält, zeigt sich auch erst noch.

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Ernte läuft erst langsam an

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Das gibt den Spargelbauern etwas Zeit, bis alles eingespielt ist. Außerdem ist die Nachfrage noch nicht so groß wie sonst um diese Zeit und das bleibt auch so, solange die Gastronomie geschlossen bleibt. Spargelberater Ralf Große Dankbar rät: Erstmal nur die Fläche für die Ernte vorbereiten, für die auch Leute da sind und fachfremde Erntehelfer gut zu schulen, bevor es aufs Feld geht.

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Nach der Ernte ist vor der Ernte

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Mit der Spargelernte ist es nicht vorbei mit dem Personalbedarf, denn dann kommt die Vorbereitung fürs nächste Jahr: pflanzen. Und dann die Beerenernte. Alles wartet auf den 20. April. Was die Politik dann entscheidet, ist noch nicht abzusehen. Bis dahin arbeiten die Bauern weiter so gut es geht mit den Leuten, die sie schon haben und denen, die vielleicht noch dazu kommen.

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