
Verkehrsminister Scheuer hat mit seiner Fahrradhelm-Kampagne für ordentlich Wirbel gesorgt. Dabei sind leicht bekleidet Models zu sehen - natürlich mit Fahrradhelm. Dazu der Schriftzug: "Looks like shit. But saves my Life." "Peinlich und sexistisch!" Sagen die einen. Den Verkehrsminister freut es. Er twittert: "Danke für die Aufmerksamkeit - schon jetzt die erfolgreichste Verkehrssicherheitskampagne".
Der Hintergrund ist weniger lustig als die Diskussion um die Kampagne: Laut Verkehrsministerium verzichten viele junge Menschen "aus ästhetischen Gründen auf einen Helm beim Fahrradfahren". Anders ausgedrückt: Der Helm versaut die Frisur! Dabei rettet er Leben: 70 Prozent der Radfahrer, die bei Unfällen lebensgefährlich verletzt werden, haben schwere Kopfwunden, heißt es von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie. Ein Helm würde demnach 60 bis 70 Prozent der tödlichen Hirnverletzungen verhindern. Im Kreis Steinfurt zum Beispiel sind im letzten Jahr sieben Radfahrer bei Unfällen gestorben, mehr als 150 wurden schwer verletzt. Die meisten von ihnen haben keinen Helm getragen, sagte ein Sprecher der Polizei in Steinfurt.
So langsam kommt das auch in den Köpfen der Radfahrer an. Während vor ein paar Jahren fast nur Kinder und Rennradfahrer einen Helm trugen, steigt die Nachfrage nach Helmen. Eine Sprecherin vom Zweirad Center Schröder in Rheine sagte auf RADIO RST-Nachfrage, dass mit der Nachfrage nach E-Bikes auch die Nachfrage nach Helmen gestiegen ist. Wenn die Händler ein Fahrrad verkaufen, empfehlen sie grundsätzlich, einen Helm zu tragen.
Es gibt auch Alternativen zum Fahrradhelm: Schwedische Studentinnen haben eine Art Airbag für Radfahrer entwickelt. Der "Hövding" sieht aus wie ein Nackenkissen und bläst sich bei bei einem Unfall zu einem kompletten Helm auf. Der Nachteil: Mit 250 Euro ist der Hövding deutlich teurer als ein Fahrradhelm und hält genau einen Sturz aus. Sobald er sich einmal aufgeblasen hat, ist er anschließend nicht mehr zu gebrauchen.
Bis wirklich alle Radfahrer einen Helm oder einen Hövding tragen, ist es noch ein weiter Weg. Laut Verkehrsminister Scheuer sind es aktuell nur 8 Prozent der 17- bis 30-jährigen Fahrradfahrer.
