
Damit Deutschland möglichst gut durch die Corona-Krise kommt, hat die Bundesregierung so viel Geld locker gemacht, wie noch nie in der Geschichte. Um das alles zu finanzieren, macht der Bund Schulden in Höhe von rund 156 Milliarden Euro. Die Gelder aus den Hilfspaketen fließen in die Gesundheitsversorgung, gehen an Familien, große und kleine Unternehmen, Selbstständige, Freiberufler und werden für Kurzarbeiter ausgegeben.
Zum Vergleich: Eine Verkäuferin in Rheine verdient monatlich im Schnitt 2.500 Euro brutto. Das sind mehr als fünf Millionen Monate Arbeit der Verkäuferin, um auf die Summe von 156 Milliarden Euro zu kommen.
Hilfe für Unternehmen
Die Erholung der Wirtschaft wird kein Sprint, sondern ein Marathonlauf, sagt Susanne Schlüters vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft im Kreis Steinfurt. Besonders hart getroffen hat es alle Firmen, die auf Gäste, Publikum oder Käufer vor Ort angewiesen sind. Die Unterstützung für die Unternehmen hält Schlüters für wichtig.
Von einem Tag auf den anderen ging bei vielen Unternehmen wegen Corona nichts mehr. Und bis es wieder richtig rund läuft, dauert es bei den meisten auch noch. Wie viele Unternehmen mit den Hilfsgeldern überleben und wie viele es nicht schaffen, weiß noch keiner.
Folgen für Steuerzahler
Die Steuerzahler profitieren von neuen Abgabefristen der Finanzämter für die Steuererklärung. Außerdem gelten bis Ende des Jahres niedrigere Mehrwertsteuer-Sätze von 16 Prozent (sonst 19) und 5 Prozent (sonst 7). Dafür gibt es von Eberhard Kanski vom Bund der Steuerzahler in NRW einen Daumen rauf und einen runter.
Da lohnt es sich auf die Quittung zu gucken, vor allem bei höheren Beträgen. Klar ist, dass der Staat geringere Steuereinnahmen hat. Übernimmt er sich damit und mit den anderen Hilfspaketen nicht?
Noch spricht kein Politiker laut über Steuererhöhungen, schließlich sind nächstes Jahr Bundestagswahlen. Doch im politischen Berlin geht schon der Begriff Corona-Soli herum. Und die Kommunen werden die Folgen auch deutlich spüren, meint Kanski. Denn die Entschuldung der Städte und Gemeinden sei durch Corona noch mehr auf der Strecke geblieben, als so schon. Deshalb ist damit zu rechnen, dass die in den nächsten Jahren Steuern erhöhen, also beispielsweise die Gewerbe-, Grund- oder die Hundesteuer.
Problem Kurzarbeitergeld
Millionen Deutsche und Tausende in der RADIO RST-Region sind durch die Corona-Krise in Kurzarbeit. Das rettet viele Menschen davor, den Job zu verlieren. Doch für Kurzarbeiter gibt es vielleicht nächstes Jahr eine böse Überraschung.
Bei ihnen wird die staatliche Hilfe auf das normale Gehalt angerechnet. Das Kurzarbeitergeld ist zwar steuerfrei, doch es gilt als Einkommen und hat so Einfluss auf den Steuersatz. Das heißt, die Lohnsteuer steigt deshalb unter Umständen. Das hängt davon ab, wie viel Lohnsteuer jemand schon gezahlt hat.
Wer ein paar Monate nicht gearbeitet und nur Kurzarbeitergeld bekommen, die anderen Monate dann voll gearbeitet hat, kriegt eher eine Steuererstattung. Wer nicht voll in Kurzarbeit war, also ein paar Tage pro Woche normal gearbeitet hat, zahlt gegebenenfalls dann drauf.
Im Bundestag wird darüber diskutiert, ob der Progressionsvorbehalt ausgesetzt wird, sich also der Steuersatz nicht erhöht und es so nicht zu Nachzahlungen kommt. SPD und CDU/CSU haben den Antrag der FDP abgelehnt. Sie arbeiten an einem eigenen Vorschlag. Die Linke fordert schon seit Jahren, den Progressionsvorbehalt abzuschaffen.
Generationenkonflikt
Am Ende zahlt irgendwer die Rechnung der Corona-Hilfen. Und da haben auch die nachfolgende Generationen noch was von. Das verschlechtert der Klima zwischen Jung und Alt weiter. Davon ist Wirtschaftspsychologin und Vertrauensexpertin Eva Schulte-Austum aus Münster überzeugt.
Für Schulte-Austum ist die Politik gefragt, den riesigen Schuldenberg durch die Corona-Hilfen auf alle Schultern zu verteilen. Mit zur Lösung gehört für sie eine längere Lebensarbeitszeit.
Später in Rente gehen, kommt bei vielen Wählern im mittleren Alter nicht gut an. 2006 hatte schon die damalige große Koalition durchgesetzt, das Renteneintrittsalter von 65 auf 67 Jahre zu erhöhen.
Meinung der Jungen
Die Liste der Möglichkeiten ist lang, damit der Staat die enormen Summen der Corona-Hilfen irgendwann wieder hereinbekommt: Späteres Renteneintrittsalter, Steuererhöhungen, Reichen-Steuer, Corona-Soli...RADIO RST hat junge Menschen in Rheine gefragt, wer am besten die Schulden zurückzahlt und wie!?













