
Eine Studie für die Barmer hat ergeben: Jeder oder jede siebte Jugendliche wird online runtergemacht, bloßgestellt oder liest irgendwelche miesen Sachen über sich, die oft auch noch erfunden sind. Gut die Hälfte ist mit sowas zumindest schon mal in Berührung gekommen.
Mobbing oder Bullying an sich ist wahrscheinlich so alt wie die Schule: Wo junge Menschen aufeinandertreffen, geht es halt auch schon mal ab - und nicht immer nur nett. Es wird in letzter Zeit nur immer übler, weil es immer mehr Öffentlichkeit dafür gibt. Wo im Mittelalter der Mob die Menschen am Pranger mit faulen Eiern und Fäkalien beworfen hat, gehen heute peinliche Fotos oder Videos bei WhatsApp oder Insta viral. Einmal „on“, ist das ist nicht mehr zu stoppen, weil das Netz nichts vergisst.
Weitaus gefährlicher als viele denken
Dass eine Krankenkasse sich für sowas interessiert, ist kein Zufall: Cybermobbing macht krank und ist extrem gefährlich – auf jeden Fall ist es kein Kavaliersdelikt. Guido Wilke von der Polizei geht als Experte für Kriminalprävention oft in Schulen. Er ist davon überzeugt: Niemand ist davor sicher.
Und den Täter:innen ist oft gar nicht bewusst, was sie anrichten. Wenn Kinder oder Jugendliche gemobbt werden, ist das von morgens bis abends da – oft sogar nachts. Noch schlimmer ist Cybermobbing wegen der Vorstellung „Die ganze Welt sieht im Netz, was abgeht“. Für Eltern oder andere nahestehende Bezugspersonen ist es wichtig, die Alarmzeichen richtig zu deuten, sagt Wilke.
Bauchschmerzen vor der Schule haben auch nicht immer was mit Prüfungsangst zu tun, vor allem nicht, wenn weder Test noch Arbeit anstehen. Wer das dann auch noch herunterspielt, hat was zu verbergen. Dann wird es Zeit, dass Erwachsene aktiv werden, sagt Wilke – und am besten erstmal die Kommunikation mit den Täter:innen unterbrechen.
Allerdings ist Cybermobbing nicht gleich Cybermobbing, nur, weil es online passiert, sagt Wilke. Das geht vom schlechten Scherz bis zur Bedrohung.
Ernst zu nehmen ist alles, was andere verletzt oder angreift, sagt Wilke. Eltern, die Hilfe brauchen, sprechen am besten zuerst mit Schulpsycholog:innen oder der Schule, bevor sie zur Polizei gehen.
Und in allen Fällen, wo es um mehr geht, wird die Polizei sofort aktiv. Soviel zu dem, was diesen Täter:innen blüht. In allen anderen Fällen wissen Kinder und Jugendliche oft nichtmal, was für Schaden sie anrichten: „Cybermobbing macht krank, weil es gefühlt immer da ist und nicht aufhört,“ sagt auch Manuel Föcker von der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik Münster.
Damit es so weit nicht kommt, empfiehlt der Experte, Cybermobbing so schnell es geht zu stoppen. Je eher es aufhört, umso besser.
Und dann ist Fingerspitzengefühl gefragt, denn wenn Gemobbte eins nicht brauchen, dann noch mehr Öffentlichkeit. Hilfreicher ist es, mit allen über die Regeln des guten Umgangs miteinander in den sozialen Netzwerken zu sprechen. Was die Älteren noch als Netikette kennen, gilt auch für WhatsApp, youtube und Insta, nur ist Vielen das nicht bewusst.
Die beste Lösung für Föcker ist es, wenn Eltern mit ihren Kindern gemeinsam an einer Lösung arbeiten. Und wenn alles nicht hilft oder es sich nach '"'zu spät" anfühlt: rechtlich beraten lassen.



