
Essen gehen ist ab Mai wieder möglich, wenn es nach den Plänen der schwarz-gelben Landesregierung geht. Schön für uns – doch wie sieht es bei den Hotels, Restaurants und Gaststätten aus? Sie warten nur auf das „go“ aus Düsseldorf, endlich wieder aufzumachen. Doch für Viele kommt das schon zu spät. „Jeder Zehnte wird auf der Strecke bleiben,“ sagt der Kreisvorsitzende vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband, Olaf Kerssen. Und es werden von Woche zu Woche mehr. Die Branche fühlt sich von der Politik allein gelassen.
Die vielen kleinen Betriebe haben keine Lobby, wie die Automobil-Industrie oder die Energiekonzerne. Dabei sind sie mit zweieinhalb Millionen Beschäftigten der größte Arbeitgeber in Deutschland. Vielen ging es schon vor der Corona-Krise mehr schlecht als recht. Alle zu retten, wäre ein Fass ohne Boden.
Nur für die Gastro-Branche, wohl gemerkt. Damit hätte der Restaurantbetreiber mit jedem Teller Essen etwas mehr in der Kasse als bisher. Das Geld entgeht dem Staat, klar. Gleichzeitig braucht er es nicht aufzubringen, um zu helfen.
Gastwirte demonstrieren heute - ohne "auf die Straße" zu gehen
Runter mit der Mehrwertsteuer - das ist eine der Forderungen, für die die Gastwirte heute (Frei., 24.04.) mit einer ungewöhnlichen Aktion demonstrieren. Viele stehen vor einem Schuldenberg. „Wenn der Staat sich nicht schnell was einfallen läßt, wird es bitter, sagt Kerssen. Die Gastwirte haben sich was einfallen lassen – in fast jedem zweiten Ort im Kreis Steinfurt und bundesweit.
„Ohne Schreien geht es nicht, sagt Kerssen, „sonst werden wir nicht gehört.“ Seit Wochen laufen die Kosten, ohne, dass was reinkommt. Da helfen auch keine Kredite. Die verschieben das Problem nur. Das Geld, um das alles auszugleichen, hat auch der Staat nicht. Die Gastwirte fordern darum, die Mehrwertsteuer für sie zu senken. Kostet erstmal keinen was und bringt sofort mehr Geld in die Kassen.
Die Zeit drängt. Wenn nichts passiert, kämpft schon bald jeder dritte Gastwirt ums Überleben, sagt Kerssen.
Wie Hilfe auch im kleinen Maßstab geht, zeigen Städte wie Meerbusch und Dormagen: Sie verzichten dieses Jahr auf die „Terrassengebühr“, das Geld also, das sie für Außengastronomie auf Plätzen und vor Restaurants nehmen. Wäre hier im Kreis Steinfurt ja auch mal was.